Exklusivbericht: Manroland-Neueigentümer wollen bereits 2012 schwarze Zahlen schreiben
Nachfolgeunternehmen gehen als „Manroland Sheetfed“ und „Manroland Websystems“ ins Rennen
02.02.2012 Bernhard Niemela
Anthony Langley (Langley Holdings plc.) und Uwe Lüders (L. Possehl & Co. GmbH) haben die Zukunft der bisherigen Manroland AG erläutert.
In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz haben heute Vormittag der Manroland-Insolvenzverwalter Werner Schneider sowie die Firmenchefs Tony Langley (Langley Holdings plc.) und Uwe Lüders (L. Possehl & Co. GmbH) die Zukunft der bisherigen Manroland AG erläutert. Während L. Possehl den Standort Augsburg als Manroland Websystems fortführen wird, bleibt der gestern von der britischen Engineering-Gruppe Langley (Nottinghamshire) übernommene Standort Offenbach als Manroland Sheetfed am Markt. Wie der Insolvenzverwalter mitteilte, waren die Engländer nicht die einzigen Interessenten am Bogenbereich: „Auch KBA hat sich bei mir gemeldet. Aber das kam nicht so ernsthaft bei mir an.“
Zu den einzelnen Kaufpreisen wurde Stillschweigen vereinbart, „aber ich kann ihnen sagen“, so Schneider, „dass die Gesamterlöse weit über 100 Mio. Euro sind“. Trotz der nun erfolgten Aufsplittung von Manroland wehrt sich Werner Schneider gegen die Vokabel „Zerschlagung“: Mit den beiden neuen Unternehmen sei die Trennung einer Verbindung erfolgt, „die in der Vergangenheit von Manroland ohnehin nie funktioniert hat, nämlich die Verbindung von Augsburg und Offenbach. Darauf war die Unternehmenskultur nie angelegt.“
Der Neustart der beiden Manroland-Nachfolgeunternehmen hat gravierende Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen. Wie der Insolvenzverwalter bekannt gab, werden in Augsburg 1510 Mitarbeiter einschließlich des Zeitarbeitpersonals bleiben können; 741 Stellen werden hingegen gestrichen. In Offenbach werden 824 Mitarbeiter übernommen; 947 Stellen fallen weg. In Plauen werden in Zukunft noch 320 Personen beschäftigt sein; 348 Stellen stehen auf der Streichliste. Werner Schneider ließ allerdings durchblicken, dass er versuchen werde, in Plauen „neue Beschäftigungen zu implementieren. Ich bin zuversichtlich, dass wir bald einen neuen Eigentümer für Plauen haben. Hier ist etwas in Sicht.“ Dabei könnte es sich auch um Possehl handeln. Possehl-Chef Uwe Lüders: Wir hatten noch nicht die Zeit, das ausreichend zu prüfen. Aber ich werde bald hinfahren und mir das ansehen.“
Wenngleich man die von Manroland gebuchte Drupa-Standfläche gemeinsam nutzen möchte, sieht man für eine künftige Kooperation keine Ansätze. Im Possehl-Konzern wird Manroland Websystems als eine von zehn selbstständigen Divisionen geführt werden. Einig sind sich die beiden Unternehmenschefs in den Einschätzungen zur finanziellen Zukunft ihrer neuen Unternehmen: Sowohl Langley als auch Lüders gehen davon aus, dass sie bereits in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben werden.
Woher dieser Optimismus? Tony Langleys einfache Erklärung: „Wir haben die Restrukturierung nun hinter uns, daher unsere Zuversicht.“ Deutlicher wird der Insolvenzverwalter: „Die beiden neuen Unternehmen haben einen unschätzbaren Vorteil gegenüber den Mitbewerbern: Sie haben eine ordentliche Bilanz. Das können sie überhaupt nicht mit Heidelberg und KBA vergleichen. Die neuen Unternehmen haben nun eine Struktur, die dem Markt angemessen ist. Das ist der entscheidende Vorteil der beiden Gesellschaften. Sie starten in der richtigen Größe, so wie es der Markt verlangt. Und solch ein Unternehmen hat eben größere Chancen am Markt.“ Insgesamt, so Schneider, gäbe es nicht zu viele Druckmaschinenhersteller: „Am Markt gibt es aber zu viele zu große.“
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Leserkommentare (1)
Hans | Donnerstag, 09. Februar 2012 12:06:29
Manroland - Schwarze Zahlen
Jetzt mit den Unternehmen Schwarze Zahlen in 2012 zu schreiben ist ja auch nicht so schwer. Erstens haben Sie die Neuen Eigentümer aller Altlasten und Pensionsverpflichtungen entledigt. Das Personal auf ein Minimum reduziert. Es wird sicher für alle Mitarbeiter Neue Verträge mit reduzierten Bezügen geben und dann gibt es auch noch div. nicht unerhebliche Unterstützung von Seiten des Bundes. Steuern werden auch nicht anfallen und mit Sicherheit werden die Neuen Eigentümer alles auf Kredit finanzieren. Das Risiko ist für diese Unternehmer überschaubar und ein satter Gewinn gewährleistet. Ich habe das alles schon zwei mal bei einem Zulieferbetrieb für Druckmaschinenzubehör (Querschneider, Inline Finishing und Offset Trockner) erlebt.