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Freiburger Graphische Betriebe stellt Insolvenzantrag nach ESUG

Frühzeitige Zäsur soll die Neuausrichtung ermöglichen

Gesellschafter, Beirat und Geschäftsführung der FGB sind zuversichtlich, dass eine Stilllegung des Standorts vermieden werden kann.

Die Buchdruckerei Freiburger Graphischer Betriebe GmbH & Co. KG (FGB) mit Sitz in Freiburg hat am 30. März 2012 einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens unter Eigenverwaltung gestellt. Wie der Betrieb in einer Mitteilung bekanntgab, will die Geschäftsführung der FGB in den kommenden drei Monaten einen Sanierungsplan umsetzen und Investoren ansprechen. Möglicherweise gehe damit ein "deutlicher" Stellenabbau der heute rund 120 Beschäftigten einher.

Als Grund für den Insolvenzantrag nannte Geschäftsführer Daniel Lewkowicz den "dramatischen Preisverfall" in der Druckbranche. "Die letzten Wochen zeigten, dass wir im Laufe der nächsten Monate deshalb wichtige Reserven verlieren könnten. Ohne grundlegende Veränderungen ist das Unternehmen nicht mehr fortführbar“, so Lewkowicz.

Vorsorglich und auf der Grundlage des neuen Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) hat die Geschäftsführung nach eigenen Angaben bei der zuständigen Behörde beantragt, das Unternehmen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit unter einen Schutzschirm zu stellen. Mit Rechtsanwalt Dr. Thomas Kaiser, Freiburg, wird ein vorläufiger Sachwalter bestellt. Diplom-Wirtschaftsingenieur Peter Jürges, Waldkirch, u. a. Fachmann für Fragen der Eigenverwaltung, wurde zusätzlich in die Geschäftsführung berufen. „Die Chancen für das Unternehmen stehen gut“, versichert Lewkowicz, „gerade auch, weil die notwendigen Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt ergriffen werden können.“ Gesellschafter, Beirat und Geschäftsführung der FGB seien zuversichtlich, dass mit dem Übergang an einen neuen Eigentümer die andernfalls zwingend gebotene Stilllegung des Standorts vermieden werden kann.

Die in Freiburg-Hochdorf angesiedelte Druckerei ist nach eigenen Angaben spezialisiert auf die Herstellung von gedruckten Büchern und Zeitschriften im kleinen und mittleren Auflagensegment und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 15 Mio. Euro. Sie befindet sich seit 1998
wesentlich im persönlichen Besitz von Manuel Herder. Die Druckerei wird unabhängig von dessen Verlag als eigenständiges Unternehmen geführt.

Hintergrund

ESUG: Das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) stärkt die Gläubigerrechte und zielt auf die Sanierung notleidender Unternehmen. Die Stärkung der Eigenverwaltung, die Einführung eines sogenannten Schutzschirmverfahrens zwischen Eröffnungsantrag und Verfahrenseröffnung sowie der Ausbau und die Straffung des Insolvenzplanverfahrens bieten eine größere Auswahl an Gestaltungsoptionen bei Sanierungsfällen.

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Leserkommentare (2)

Martina Kretschmer | Dienstag, 03. April 2012 11:16:02

Vernichtung mittelstaendischer Wirtschaft wirkt wie Umweltzerstoerung

Es gibt einen recht bekannten Oekonomen und Firmeneigner, der kuerzlich sinngemaess sagte: Deutschland, ja ganz Europa wird bald Entwicklungsland Asiens sein.

Unsassbar, wie das Land der Dichter, Denker und Nachfahren Gutenbergs sich selbst der Basis geistiger Hochkultur beraubt: Verlage gehen in dominant gewinnorientierten - nicht qualitaetsorientierten - Medienkonzernen auf. Der Mittelstand im Druck- und Druck weiterverarbeitenden Gewerbe wird im Preiskampf mit den grossen liquidiert.

Schafft sich Deutschland so nach und nach als hochentwickeltes Industrieland ab?
Wir uebergeben unseren Kindern und Enkeln nicht nur die Umwelt sondern auch gute Arbeit, von der der Mensch leben kann und soll.

Dr. Andreas Selling | Dienstag, 03. April 2012 10:06:01

Freiburger Graphische Betriebe

Und wieder ist ein renommiertes Unternehmen Opfer eines brutalen Strukturwandels geworden. Was in der grafischen Industrie als Ganzes schon lange an der Tagesordnung ist, erreicht nun auch die Buchhersteller: Die Großen jagen die Kleinen, zwingen sie mit Kampf- und Dumping-Preisen in die Knie, um sie Einer nach dem Anderen aus dem Markt zu drängen. Der deutsche Mittelstand hat eben nicht die Investitionskraft, über die z.B. ein in sieben europäischen Ländern an siebzehn Standorten operierender Druckereikonzern verfügt, er hat nicht die Ressourcen, um durch den Zukauf von Unternehmen und neuen Technologien das gesamte Spektrum der Buchherstellung abzudecken, und Produkt und Abwicklungsqualität, Kundenorientierung usw. können der Verlockung des „Geiz ist geil“-Preises nichts entgegenhalten . „In einigen Jahren gibt es sowieso nur noch zwei, drei Druckereien (für die Buchherstellung)“, erzählen die Vertriebsmitarbeiter dieser „Großen“ ihren Kunden. Ob die Lebendigkeit unserer Buchkultur nur in der Vielfalt der Verlage und der Titel liegt, oder ob auf Dauer ein gesunder, funktionierender Markt nicht auch Vielfalt auf Seiten der Dienstleister braucht, mögen deutsche Verlagsgeschäftsführer, Verlagsleiter, Herstellungsleiter und Hersteller (und –Innen) selbst entscheiden. Darüber, ob ein von wenigen Großen dominierter Markt am Ende ein Gewinn für uns alle ist, lässt sich sicherlich trefflich streiten.

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