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Gassenmeyer Bindetechnik wird abgewickelt

Keine Zukunft für insolvente Nürnberger Industriebuchbinderei
Thiemo Schloßer

Thiemo Schloßer führte zuletzt die Geschäfte des Unternehmens, das sein Urgroßvater 1907 gegründet hatte.

Die seit über 100 Jahren bestehende Industriebuchbinderei Gassenmeyer (Nürnberg) steht vor der endgültigen Schließung. Insolvenzverwalter Dr. Stefan Oppermann (Kanzlei Pöhlmann, Kisling, Früchtl, Oppermann) sagte gegenüber den Nürnberger Nachrichten, man sei „zu der traurigen Erkenntnis gelangt, dass wir hier nur noch die Chance zum Ausproduzieren haben“.

Über das Vermögen der Firma Gassenmeyer Bindetechnik GmbH & Co. KG war am 7. Dezember 2010 das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet worden, seit 1. März 2011 lief die Anschluss-Insolvenz. Der Bestand an Altaufträgen sei abgearbeitet, die Abbauarbeiten auf dem Firmengelände hätten begonnen, so Oppermann. Den rund 65 Mitarbeitern wurde bereits gekündigt.

"An der Finanzierung gescheitert"

Seit Dezember hatte man – so der Insolvenzverwalter – intensiv nach Kaufinteressenten gesucht, mit zwei potenziellen Investoren aus der Branche sei man sogar relativ weit gewesen. „Letztlich ist es aber an der Finanzierung gescheitert.“ Den Kaufpreis von über einer Mio. Euro allein für die Bindeanlagen wollte oder konnte niemand aufbringen. Ein dritter Interessent wäre möglicherweise bereit gewesen, Gassenmeyer zu einem späteren Zeitpunkt, voraussichtlich im Sommer, zu übernehmen. „So lange hätten wir aber nicht mehr durchgehalten", argumentiert Insolvenzverwalter Oppermann.

Hans Gassenmeyer hatte das Unternehmen 1907 als Buchbinderei und Perforieranstalt gegründet. Urenkel Thiemo Schloßer führte zuletzt die Geschäfte, 2008 lag der Jahresumsatz bei drei Mio. Euro. Gassenmeyer produzierte schwerpunktmäßig Broschuren auf zwei Klebebindestraßen mit bis zu 25 Zusammentragstationen.

Als einen der Gründe für den Niedergang des Weiterverarbeitungsunternehmens nannte Dr. Stefan Oppermann, die Tatsache, dass immer mehr Druckereien eigene Binde-Anlagen aufstellen. Gassenmeyer hatte selbst noch 2009 rund zwei Mio. Euro in eine neue, bis zu 15.000 Ex./h schnelle Kolbus Publica Klebebindeanlage investiert – im festen Vertrauen auf die Zusage seiner drei Großkunden, dem Unternehmen treu zu bleiben. Kurz darauf kauften zwei von ihnen dennoch eigene Bindeanlagen. „Mit dem Dritten führte Gassenmeyer danach sogar Gespräche über einen Einstieg in das Unternehmen“, berichtete der Insolvenzverwalter laut Nürnberger Nachrichten. Doch dieser Schritt kam letztlich nicht zustande.

Zugesetzt habe der Buchbinderei zudem die Pleite des Versandhauses Quelle. Seitdem plagten die Branche im fränkischen Raum verstärkt Überkapazitäten. Der Versandhändler war zwar kein direkter Kunde, doch den „allgemeinen Verfall der Preise für Bindeaufträge“ habe auch Gassenmeyer zu spüren bekommen, so der Insolvenzverwalter.

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