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Gegen Totalverbot von Tabakwerbung

Verbände wenden sich an Mitglieder des Bundestages

Dr. Paul Albert Deimel: „Diese Art … schadet darüber hinaus der deutschen Druckindustrie“, 

In einem gemeinsamen Schreiben der Verbände der Werbewirtschaft wendet sich der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) gegen ein drohendes Totalverbot von Tabakwerbung in Deutschland.

Der Hauptgeschäftsführer des BVDM, Dr. Paul Albert Deimel, kritisiert das Vorhaben: „Die derzeit diskutierte Regelung käme einer erstmaligen Ausschaltung der kommerziellen Kommunikation für ein legal hergestelltes und vertriebenes Produkt in der Bundesrepublik gleich. Diese Art der staatlichen Bevormundung der Bürger schadet darüber hinaus der deutschen Druckindustrie.“

Unter anderem hätte die Maßnahme direkte Konsequenzen für Unternehmen der Druck- und Medienbranche. So sehe der Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vor, die noch verbliebenen Kommunikationsmöglichkeiten der Tabakwarenhersteller auf Plakaten und im Kino zu untersagen. Der Gesetzentwurf gehe damit über die Umsetzung der EU-Tabakproduktrichtlinie hinaus und stehe im Übrigen sogar im Widerspruch zum Koalitionsvertrag.

Eine vollständige Kappung des werblichen Kontakts zum erwachsenen Kunden steht laut BVDM im Widerspruch zu den Prinzipien einer freien Marktwirtschaft. Das verantwortliche Ministerium verweise indessen auf angestrebte gesundheits- und jugendschutzpolitische Effekte. Valide Belege zur Wirksamkeit von Werbeverboten existierten jedoch nicht. 

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Leserkommentare (8)

Evi Paap | Donnerstag, 13. August 2015 11:56:04

Voll daneben

Ich bin ein großer Verfechter der Druckindustrie. Aber dies ist total daneben von der BVDM. Jährlich sterben bis zu 140.000 Deutsche an den Folgen von Rauchen. Gesundheitsschutz und Prävention haben schlichtweg Vorrang! Die Gesellschaft trägt eine enorme Verantwortung dafür, dass insbesondere junge Erwachsene gar nicht erst zu Rauchern werden und dass die Zahl der Raucher weiter sinkt. Nicht gut BVDM; kann nur den Kopf schütteln über so viel Verantwortungslosigkeit...

Holger Grebenstein | Donnerstag, 13. August 2015 10:06:04

es wird für die Volksgesundheit bestimmt der bessere Weg sein


Lieber schmokie,

sicherlich wird der Grundstein für das Rauchen im Elternhaus und im Freundeskreis gelegt.
Wir sollten aber als verantwortungsvolle Gesellschaft nicht noch auf Großflächen (Affichen) öffentlich bewerben, wie toll rauchen ist, ungeachtet der Gesundheit. Darauf zielt die Werbung ab. Die Raucher fühlen sich durch die Großfläche mit Ihrer Angewohnheit in bester Gesellschaft. Es wird das Gefühl vermittelt, dass man als Raucher auch zu diesen tollen Menschen auf den Plakaten gehört. Warum sollte ich dann aufhören?

Werbung ist in unseren Grundwerten fest verankert und das ist gut so, denn es ist die Grundlage unserer Branche. Es sollte aber auch Grenzen geben, die man vielleicht schmerzhaft akzeptieren sollte, zum Wohl unserer Volksgesundheit.

Holger Grebenstein

Dr. Andreas Selling | Donnerstag, 13. August 2015 10:06:02

Malboro-Mann meldet sich noch einmal

Lieber Herr Deimel,
liebe Kollegen,

zunächst einmal: Ich habe in meinem Kommentar nicht gesagt, dass die Druckindustrie jemanden braucht, der sie "rettet". Ich benutzte die Formulierung "aus der Patsche helfen". Und dass sie in der Patsche sitzt, wird auch Ihr Verband, der quasi "von Amts wegen" zum Optimismus verurteilt ist, nicht ernsthaft bestreiten wollen.

Ihre Argumente, lieber Herr Deimel, sind nicht einmal falsch. Wer wollte als mündiger Demokrat etwas gegen die "Freiheitsrechte mündiger Bürger" sagen. Dennoch bleibt ein Nachgeschmack: Auf die "Freiheitsrechte mündiger Bürger" beruft sich auch die amerikanische Waffenlobby, aber ich weiß nicht, wie wir in Deutschland reagieren würden, wenn plötzlich hier auf großen Plakatwänden, in Anzeigen, Zeitungsbeilagen, Hochglanzprospekten usw. für Waffen in deutschen Haushalten geworben würde. Würden wir uns über den millionenschweren Druckauftrag freuen, wenn in einer in allen Haushalten zu verteilenden Broschüre davon überzeugt werden soll, dass Crystal Meth so schlimm eigentlich gar nicht ist? Spielt es da wirklich eine Rolle, ob die Droge legal oder illegal ist? Es gibt einfach Produkte, die sind gesundheitsschädlich und moralisch "falsch" - die Bewerbung dieser Produkte sollte unser Verband nicht noch aktiv unterstützen. Und natürlich ist die Werbung nicht der einzige Grund, warum Menschen rauchen, aber dieser Werbung - mit ihren "coolen" Inszenierungen - jedes Beeinflußungspotential absprechen zu wollen, ist doch wohl naiv (denn dann würden dafür ja nicht Millionen ausgegeben).

Gute Produkte und pfiffige Problemlösungen - sehr gerne, lieber Herr Deimel. Aber Steigbügelhalter für eine Industrie, die mit einer legalen Droge und der (bewiesenen) Gesundheitsschädigung der von dieser Droge Abhängigen Geschäfte macht - na, ich weiß nicht!

schmokie | Mittwoch, 12. August 2015 16:46:03

Der falsche Weg

Sehr geehrter Herr Grebenstein,

Sie sagen es selbst: "Wir wissen alle, wie gesundheitsschädlich Rauchen ist." Wozu dann das Verbot, wenn es alle wissen, was ja auch zutrifft?

So werden Sie keinen einzigen Raucher antreffen, der nicht wüsste, wie schädlich das Rauchen ist. Die Raucher verdrängen das Risiko, der Genuss ist ihnen das Risiko wert. Durch vernünftiges Zureden schaffen es selbst Ärzte kaum, die Raucher von ihrem Laster abzubringen. Das soll nun ausgerechnet ein Tabakwerbeverbot schaffen? Welch grandiose Selbstüberschätzung der Politik!

Der Einstieg ins Rauchen findet fernab jeder Tabakwerbung statt: auf dem Schulhof oder auf der Schultoilette statt, zuhause bei den Eltern, in der Clique. So sieht das Leben aus.

Eine wirklich sinnvolle Alternative zum Werbeverbot wäre, wenn die Krankenkassen erst ab einer empfindlich hohen Selbstbeteiligungssumme die Kosten für die Spätfolgen des Rauchens übernähmen oder für die behandelnden Ärzte eine Meldepflicht eingeführt wird, damit die rauchenden Patienten sofort einen höheren Monatsbeitrag zahlen müssen. Alles andere geht in Rauch und heiße Luft auf.

Holger Grebenstein | Mittwoch, 12. August 2015 09:56:02

Gegen Totalverbot von Tabakwerbung


Sehr geehrter Herr Dr. Deimel,
verehrte Berufskollegen,

es ist bedauerlich um jeden Arbeitsplatz der in der Druckindustrie verloren geht, aber wollen wir zur Sicherung der Arbeitsplätze die Augen schließen und uns gegen eine sinnvolle Maßnahme stellen?
Wir wissen alle wie gesundheitssschädlich rauchen ist. Wir schimpfen alle auf Klientelpolitik und wenn es uns betrifft wird alles über Bord geworfen? Wollen wir das wirklich?

Herzliche Grüße

Holger Grebenstein


schmokie | Mittwoch, 12. August 2015 09:56:02

Der Marlboro-Mann ist sicher nicht an der Werbung gestorben

Vorweg: Ich bin Nichtraucher, auch wenn mein Nickname was anderes vermuten lässt.
Das Tabakwerbeverbot ist ein typisches Beispiel von blindem politischen Aktionismus, der an der Realität vorbei geht. Die Verführung zum Rauchen findet nicht durch Werbung statt, sondern schon im Schulalter durch das berühmte erziehende Vorbild: durch rücksichtslose Elternhaus, "coole" Mitschüler, gedankenlose Lehrer. Die Tabakwerbung buhlt dann nur noch um die Vorlieben der Nikotinsüchtigen: Rauch Marlboro! Test the West! Probier mal Camel!
Mit der Autowerbung ist es genauso: Sie wirbt nicht für den Umstieg vom Fahrrad oder von der Bahn aufs Auto, sondern um die konkrete Marke: Fahr BMW! Fahr Audi! Fahr VW! Insofern richtet das Tabakwerbeverbot nur finanziellen Schaden in Werbewirtschaft und Druckindustrie an, auf die Zahl der Lungenkrebs- und Raucherbeinfälle wird es null Einfluss haben.

Paul Albert Deimel | Mittwoch, 12. August 2015 09:46:02

Tabakwerbung

Lieber Herr Selling,

ich glaube, die Druckindustrie braucht niemanden, der sie rettet. Die hilft sich trotz aller - manchmal auch schmerzvollen - Strukturanpassungen schon selbst durch gute Produkte und pfiffige Problemlösungen.

Hier geht es im übrigen nicht darum, für das Rauchen zu sein. Ich rauche selbst nicht und habe es nie. Wir wenden uns dagegen, dass für ein legales Produkt nicht mehr geworben werden dürfen soll. Das ist meines Erachtens einzigartig bislang. Abgesehen davon, dass seit Jahren die Absatzzahlen der Tabakindustrie in Deutschland rückläufig sind und dass wissenschaftlich keine Kausalität zwischen Werbung und Tabakkonsum seriös belegt ist, wäre eine solche Maßnahme ein über diesen Einzelfall hinauswirkender Eingriff in die Freiheitsrechte mündiger Bürger und eines freien Wirtschaftssystems. Man möge dies auf andere Fälle übertragen, in denen politische Gruppen oder der Staat sich anmaßen zu entscheiden, wie verständig der Bürger Informationen aufnimmt und wie verantwortlich er handelt. Fast hätte es eine ähnliche Regelung vor kurzem gegen Werbung für Finanzprodukte gegeben. Wo soll dies enden? In einem nicht nur fürsorglichen, sondern besserwisserischem Obrigkeitsstaat, der seine Bürger entmündigt?

Ich bin überzeugt, dass es Aufgabe von Branchenverbänden ist, für die Freiheit und die Berufschancen seiner Branche einzutreten. Zusammen mit anderen tut der Bundesverband Druck und Medien dies für die Werbewirtschaft und die Druckindustrie - durchaus auch mit Erfolg. Nicht vergessen: Die Druckindustrie ist zu über 40 % werbeabhängig.

Dr. Andreas Selling | Dienstag, 11. August 2015 12:56:03

Fragen Sie mal den Malboro-Mann!

Na ja, lieber Herr Deimel, ob die Werbung für ein gesundheitsschädliches Produkt der Druckindustrie aus der Patsche helfen kann? Fragen Sie doch einmal Wayne McLaren, einen der Malboro-Männer, der 1992 - erst 52jährig! - an Lungekkrebs verstarb. Lassen Sie mich aus einem ausnahmsweise nicht gedruckten Medium (Wikipedia) zitieren:

"Er rauchte eineinhalb Schachteln pro Tag, bevor er 1990 an Lungenkrebs erkrankte. Chemotherapie und die Entfernung eines Lungenflügels konnten den Krebs nicht stoppen, da die Krankheit streute und Metastasen im Gehirn verursachte. Zwei Jahre nach der Diagnose erlag er seinem Leiden.

McLaren startete als Reaktion auf seine Erkrankung eine Antitabakkampagne. Kurz vor seinem Tod wurden Bilder von ihm in einem Anti-Rauch-Spot gezeigt. Einmal als Cowboy und dann als sterbenskranker Mann im Bett eines Hospitals. Sein Bruder, Charles McLaren, begleitet stimmlich den Spot und merkt an, dass die Tabakindustrie einen unabhängigen Lebensstil propagiere. Jedoch stelle sich beim Anblick seines kranken Bruders die Frage, wie unabhängig ein Raucher in Wirklichkeit sei.

Wenige Minuten vor seinem Tod sagte er zu seinen Töchtern: „Ich beende mein Leben unter dem Sauerstoffzelt. Ich sage euch, Rauchen ist das nicht wert.“ Eine seiner Töchter ist die bekannteste Anti-Tabak-Aktivistin der Vereinigten Staaten und sagt, dass ihr Vater nicht umsonst gestorben sei, da er der Welt die Augen geöffnet habe."

Ach ja: McLaren war nur einer von mindestens vier Malboro-Männern, die an Lungenkrebs gestorben sind.

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