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Giesecke & Devrient: Bald keine Euronoten mehr aus München

Sicherheits- und Banknotendrucker streicht 950 von knapp 12.000 Arbeitsplätzen und schließt das Werk in München
 

Aus München kommen bald keine Euro-Geldscheine mehr.

In seinen drei Geschäftsbereichen steht das Familienunternehmen Giesecke & Devrient (G&D) unter erheblichem Konkurrenzdruck. Im Wettbewerb mit mehreren subventionierten Staatsdruckereien in der Euro-Zone leistet sich G&D bisher noch für seine Banknotenproduktion in der Münchner Prinzregentenstraße eine der teuersten Adressen in Deutschland. Im Laufe der Zeit ist die Rentabilität spürbar gesunken. Daher soll die Produktion von Banknoten in München 2015 eingestellt werden, wie verschiedene Presseagenturen heute berichten. An diesem Standort sollen 630 Stellen gestrichen und 150 in andere Orte verlegt werden. Die Druckerei werde dann auch geschlossen. Im vergangenen Geschäftsjahr machte das Unternehmen bei einem Umsatz von 1,75 Mrd. Euro nur noch 2,6 Mio. Euro Gewinn.

Erstmals in seiner 162-jährigen Geschichte will das Münchner Traditionsunternehmen massiv Stellen abbauen. Insgesamt sollen 950 der knapp 12.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, teilte das Unternehmen auf einer Betriebsversammlung gestern in München mit. Zwei Drittel davon entfallen auf den Standort München. Banknoten werden dann nur noch im Zweit-Werk in Leipzig gedruckt, wo G&D seine Wurzeln hat. Auch das Münchner Dienstleistungszentrum, in dem EC- und Versicherungskarten personalisiert werden, schließt 2015, wie weiter berichtet wird. Insgesamt sollen 100 Mio. Euro eingespart werden.

Schon im Jahr 2013 war es zu einem Ertragseinbruch gekommen. Der Überschuss sackte um mehr als 90 Prozent auf nur noch 2,6 Mio. Euro ab, während der Umsatz bei 1,75 Mrd. Euro fast stagnierte. Auch in den Vorjahren wurden die Prognosen mehrfach verfehlt, wie es weiter heißt.

Von den drei großen Geschäftsbereichen wird der größte Umsatz nach wie vor im Banknotendruck erzielt. G&D produziert unter anderem Euro-Noten für die Europäische Zentralbank (EZB), außerdem Systeme zur Banknotenbearbeitung (zum Beispiel zum Zählen oder Sortieren). Der Bereich Mobile Sicherheit produziert unter anderem Chipkarten für viele Bereiche und andere Sicherheitssysteme sowie die Sparte Regierungsangebote. Die Produktion für Banknotensicherheits-Systeme soll 2016 ins Werk der Papierfabrik Louisenthal (Gmund am Tegernsee) verlagert werden, wo seit Jahren auch schon das Spezialpapier für die Banknoten produziert wird.

„Wir kämpfen gegen Überkapazitäten im Markt und einen starken Preiswettbewerb“, so Konzernchef Walter Schlebusch. Die Kosten müssten kurzfristig und nachhaltig gesenkt werden, um die übrigen Arbeitsplätze langfristig zu erhalten. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen, heißt es. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern liefen bereits.

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