Weiterempfehlen Drucken

Goss Frankreich ist zahlungsunfähig

Goss International vermeldet einen Großauftrag der Polestar-Gruppe
 

Trotz eines Großauftrags blickt der Goss-Standort Montataire einer ungewissen Zukunft entgegen.

Goss International France, das Tochterunternehmen des amerikanischen Rollendruckmaschinenbauers Goss International, hat nach französischem Recht einen Antrag auf ein Reorganisationsverfahren gestellt. Hintergrund ist die drohende Zahlungsunfähigkeit des französischen Tochterunternehmens. Vor dem Handelsgericht in Compiègne wird darüber heute ab 11 Uhr verhandelt. Dies meldeten übereinstimmend mehrere französische Wirtschaftsmedien. Demzufolge will Goss Frankreich bei dem heutigen Gerichtstermin einen detaillierten Restrukturierungsplan vorlegen. Fast gleichzeitig gab Goss International einen Großauftrag über sechs Rollendruckmaschinen bekannt: Der britische Druckkonzern Polestar bestellte sechs Rotationen zu einem Gesamtpreis von fast 60 Mio. Euro.

Goss International France (420 Mitarbeiter) gehört zur amerikanischen Goss-International-Gruppe (2.200 Mitarbeiter in USA, Asien und Europa) und war 2010 gemeinsam mit dem Mutterunternehmen zu 100 Prozent durch den chinesischen Konzern Shanghai Electric (60.000 Mitarbeiter) übernommen worden. Über mehrere Jahre hat das französische Tochterunternehmen Verluste eingefahren. Nach drei Restrukturierungsprogrammen hatte sich unter anderem die Mitarbeiterzahl in Montataire und Nantes nahezu halbiert. Offensichtlich reichten die Maßnahmen für einen Turnaround nicht aus.

Wie französische Gewerkschaftsvertreter nun mutmaßen, plant Shanghai Electric, in China eine neue Produktionsstätte für Rollenoffsetmaschinen zu errichten. In Frankreich befürchtet man deshalb mittelfristig die Verlagerung der Druckmaschinenproduktion nach Asien. Inwiefern sich der Großauftrag der Polestar-Gruppe auf die Situation bei Goss Frankreich auswirken kann, ist noch nicht klar. Es dürfte aber als sicher gelten, dass Goss diesen Auftrag nicht umsonst so kurz vor dem Handelsgerichtstermin kommuniziert hat.

Goss und Polestar berichten, dass die Bestellung zwei 96-Seiten-, zwei 64-Seiten- und zwei 16-Seiten-Maschinen beinhaltet. Gegenüber unserer englischen Partnerzeitschrift „Print Business“ erläuterte Polestar, dass die erste der beiden 96-Seiten-Maschinen im März 2014 aufgestellt werden soll, die zweite bereits einen Monat später. Die zwei 16-Seiten-Maschinen sollen mit sechs Farbwerken geliefert und vor allem für Umschlagproduktionen eingesetzt werden. Geplant sei, alle sechs Rotationen innerhalb der nächsten zwei Jahre zu installieren. Komplettiert wird die Technik durch Kodak-Plattenbelichtungssysteme und eine Weiterverarbeitung von Ferag.

Polestar ist mit seinen sieben Standorten in Großbritannien der größte verlagsunabhängige Druckdienstleister Europas. Zum Hintergrund der Maschinenbestellungen erklärten Polestars CEO Barry Hibbert und Verkaufsdirektor James Povey gegenüber „Print Business“, dass Kunden langfristige Druckaufträge platziert hätten. Deshalb sei das Investment möglich geworden. Ursprünglich waren die neuen Maschinen als Ersatzinvestitionen gedacht. Nach jüngsten Kundengesprächen will Polestar jedoch nochmals überprüfen, ob und welche Kapazitäten aufgrund der Neumaschinen wirklich stillgelegt werden sollen. Die Frage, an welchen Standorten die sechs Goss-Rotationen aufgestellt werden, hat das Unternehmen noch nicht beantwortet. In Großbritannien wird diese Entscheidung mit großer Spannung erwartet.

Anzeige

Firmen-Suche

Leserkommentare

Noch keine Kommentare. Geben Sie den Ersten ab!

Markt & Management

Manroland Web Systems hat Fertigung ausgelagert

280 Mitarbeiter sind in neue Produktionsgesellschaft gewechselt
Manroland Web Systems

Der Druckmaschinenhersteller Manroland Web Systems hat seine Fertigung in eine neu gegründete Firma ausgelagert. Bereits am 12. Juni 2017 wurde die Manroland Web Produktionsgesellschaft mbH gegründet, die ebenfalls zur Lübecker Possehl-Gruppe gehört. Das neue Unternehmen soll, wie es in einer Pressemitteilung von Manroland Web Systems heißt, „zukünftig als Fertigungsunternehmen für sämtliche Branchen agieren“.

» mehr

IT meets Print – Jetzt Tickets ordern!

CHIP-Logo

Deutscher Druck- und Medientag 2017

Jetzt NEU

Die print.de-Karte der wichtigen Branchenkontakte

Mehr Details zu den einzelnen Anbietern in Ihrer aktuellen Ausgabe des Deutschen Druckers unter Service/Das Branchenverzeichnis A-Z
mehr

Top-Themen

Geschäftsführer Christian Aumüller (Aumüller Druck) hinterfragt den ökologischen Sinn von Forstwirtschaftszertifikaten für Druckereien.

"Fürs FSC/PEFC-Zertifikat werden Druckereien ordentlich gegängelt!"

Am Rande eines Interviews mit „print.de“ über das Engagement der Industriedruckerei Aumüller Druck in Regensburg in Sachen betrieblicher Umweltschutz berichtete Geschäftsführer Christian Aumüller über seine jahrelangen Praxiserfahrungen mit der FSC/PEFC-Zertifizierung und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit für die Druckindustrie.
mehr

Ganz so unbedeutend ist die Druckbranche gar nicht

Wenn das Geschäft einer Druckerei nicht mehr auskömmlich ist, hört man immer wieder dieselben Begründungen: „Das Internet macht uns das Leben schwer.“ Oder: „Wegen des ruinösen Preiskampfes haben wir keine Chance.“ Warum solche negativen Statements der Printbranche nicht gerecht werden und warum Zeitschriften als Premiumprodukte auch häufiger als alle zwei Monate erscheinen können, erläutert Bernhard Niemela, Geschäftsführer Deutscher Drucker.
mehr

Aktuell bei Top 10

Die 10 besten Schriften 2016

Das sind die 10 besten Schriften des Jahres 2016 – zumindest wenn es nach der britischen Type Foundry "HypeForType" geht. Das britische Versandhaus für Schriften hat die aus seiner Sicht besten Schriften des vergangenen Jahres gekürt.
mehr

Ganz großes Kino für Print: Wie die Creatura-Initiative begeistert

CGI – So sieht die Zukunft der Bildbearbeitung aus

Umfrage

Wie informieren Sie sich über Ihren Urlaubsort?

Jetzt abstimmen

Kommentare

Services

Bitte warten...