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Großbuchbinderei H. Wennberg: Sanierung in Eigenverwaltung

Sanierungsplan ist in Arbeit, Geschäftsführung leitet Unternehmen weiterhin
 

Dr. Holger Leichtle, Fachanwalt für Insolvenzrecht, unterstützt als vorläufiger Sachverwalter die H. Wennberg GmbH bei ihrem Vorhaben der Sanierung in Eigenverwaltung.

Mit einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung will sich die H. Wennberg GmbH, Großbuchbinderei mit Sitz in Vaihingen/Enz bei Stuttgart, neu aufstellen. Einen entsprechenden Insolvenzantrag stellten die geschäftsführenden Gesellschafter Christian und Martin Wennberg beim Amtsgericht Heilbronn. 

Unterstützung bei ihrem Vorhaben der Sanierung in Eigenverwaltung erhalten die beiden Geschäftsführer durch die Sanierungsexperten der Beratungsgesellschaft Planer & Kollegen sowie dem Rechtsanwalt Dr. Holger Leichtle von Schultze & Braun, Rechtsanwaltsgesellschaft für Insolvenzverwaltung, der vom Amtsgericht Heilbronn als vorläufiger Sachwalter bestellt wurde. 

Im Rahmen des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens erarbeitet das Sanierungsteam derzeit ein Sanierungskonzept, das mit allen Verfahrensbeteiligten abgestimmt und bis zum Jahresende 2015 umgesetzt werden soll. Die Geschäftsführung wird das Unternehmen auch in dieser Phase weiterhin eigenständig leiten. Die Löhne und Gehälter der rund 150 Mitarbeiter seien bis Ende Juni über das Insolvenzgeld abgesichert. Das Unternehmen sei zur Zeit nicht zahlungsunfähig war von Schultze & Braun zu erfahren.

„Seit 2011 erleben wir einen kontinuierlichen Umsatzrückgang um etwa ein Viertel, der durch Auflagenrückgänge und sinkende Marktpreise verursacht wurde, und einen Verfall der Altpapiererlöse um 50 Prozent“, sagt Geschäftsführer Martin Wennberg über die Gründe des Sanierungsverfahrens. Der Trend zur Digitalisierung habe in Deutschland und Mitteleuropa in den vergangenen Jahren zu den deutlichen Rückgängen der Auflagen geführt. So seien frühere Hauptauftragsgruppen wie Straßenkarten, die Städteverbindungsbücher der Bahn oder Handbücher für elektronische Geräte, die früher das Rückgrat der Auftragsstruktur bildeten, ganz oder fast verschwunden.

„Deshalb haben wir bereits in den vergangenen zwei Jahren umfangreiche Einsparmaßnahmen eingeleitet“, so Wennberg. So seien beispielsweise durch den Betrieb einer Hackschnitzelheizung und den Verkauf von Wärmeenergie an ein Nachbarunternehmen die Energiekosten deutlich gesenkt werden worden, außerdem habe man mit einem modernen Energiemanagement zusätzliche Energieeinsparungen erreicht. Beim Personal habe man die natürliche Fluktuation für eine sozialverträgliche Reduzierung der Kosten genutzt.

„Derzeit sehen wir uns jedoch erneut mit Forderungen nach Preisreduzierungen konfrontiert. Wir können dem nur begegnen, indem wir die Kostenstruktur des Unternehmens noch weiter den Bedingungen des Marktes anpassen …“, erklärt Geschäftsführer Wennberg. Und weiter: "Für das Gesamtjahr 2015 haben wir eine gute Auslastung und eine sehr gute Kundenstruktur. Zudem konnten wir einen Neukunden im Großauflagenbereich gewinnen. Es sollen daher keine Änderungen in der Auftrags- oder Kundenstruktur vorgenommen werden. Die Klebebindung wird vollumfänglich weitergeführt.“ 

H. Wennberg verarbeitet täglich bis zu 500 Tonnen Papier. Das Unternehmen ist laut eigenen Angaben der größte konzernunabhängige Broschürenhersteller in Deutschland.

Hintergrund:
Dem Insolvenzantrag der H. Wennberg GmbH vorausgegangen war die Insolvenz der DVN Medienservice GmbH & Co. KG (Nürnberg) im November 2014, mit der die H. Wennberg Großbuchbinderei GmbH im August 2012 eine gemeinsame Großbuchbinderei gegründet hatte. 

Die DVN Perfect Binding (Nürnberg), eine Gemeinschaftsgründung der Stark Holding und der Großbuchbinderei H. Wennberg GmbH, die daran 49 Prozent hielt, meldete ebenfalls im November 2014 Insolvenz an.

Im November 2012 musste die Münchner Industriebuchbinderei einen Insolvenzantrag stellen, mit der unter anderem die Großbuchbinderei Wennberg einem gemeinsamen Firmenverbund angehörte. Rechtlich und wirtschaftlich soll es sich aber um vollkommen getrennte Firmen gehandelt haben. 

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