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Heidelberg: Auftragseingang hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert

Bernhard Schreier sieht »Anzeichen für ein Licht am Ende des Tunnels«

Bis in den Sommer 2008 hinein sei das Geschäft ordentlich verlaufen, so Heidelberg-Vorstandschef Bernhard Schreier auf der gestern (23. Juli) durchgeführten Hauptversammlung der Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) zum Geschäftsjahr 2008/2009 (1. April 2008 bis 31. März 2009). Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres habe man die Investitionszurückhaltung der Kunden und damit das rückläufige Geschäft aber bereits deutlich zu spüren bekommen. In den Quartalen drei und vier seien dann nur noch Aufträge im Wert von durchschnittlich 520 Mio. Euro eingegangen. »Dies ist der niedrigste Stand seit über zehn Jahren, einen derart freien Fall wie in diesen beiden Quartalen gab es noch nie. Zum Vergleich: In denselben Quartalen des Vorjahres lag unser Aufragseingang noch durchschnittlich bei rund 940 Mio. Euro, also fast doppelt so hoch«, so Schreier wörtlich.
Für das gesamte Geschäftsjahr bedeutet dies, dass der Auftragseingang um 20 % auf 2,91 Mrd. Euro nach unten sackte. In nahezu allen Märkten und Regionen legten Kunden ihre Investitionsvorhaben im zweiten Halbjahr auf Eis. Besonders stark betroffen waren die meisten der größten und wichtigsten Heidelberg-Märkte: In den USA, Großbritannien und China mussten die Heidelberger Einbußen bei den Bestellvolumina von bis zu 35 % gegenüber dem Vorjahr hinnehmen; in Deutschland fiel der Rückgang mit 6 % laut Schreier nur deshalb moderat aus, »weil wir hier stärker von den Bestellungen auf der Drupa 2008 profitieren konnten. Lediglich einige kleinere Märkte – wie die Schweiz, die Türkei oder Tschechien – entwickelten sich positiv und schwächten so den Gesamtrückgang etwas ab.« Der Einbruch gelte nicht nur für die Sparte Press, sondern in gleichem Maße auch für die Sparte Postpress.
Erfreulich sei laut Schreier jedoch »die vergleichsweise hohe Nachfrage von Verpackungsdruckereien nach unseren Bogenstanzen. Auch im Produktbereich Klebebinden erzielten wir ein Plus im Auftragseingang.«
Der Ausbau des relativ konjunkturunabhängigen Geschäfts mit Verbrauchsmaterialien und Services konnte fortgesetzt werden. In beiden Bereichen konnte trotz der Krise der Umsatz gehalten bzw. durch Akquisitionen im Geschäft mit Verbrauchsmaterialien sogar weiter ausgebaut werden. Sowohl Auftragseingang als auch Umsatz der beiden Bereiche stiegen auf knapp 740 Mio. Euro nach rund 700 Mio. Euro im Vorjahr. »Im Berichtsjahr haben wir mit Verbrauchsmaterialien allein einen Umsatz von rund 300 Mio. Euro erzielt – im Vorjahr rund 280 Mio. Euro – und damit einen Marktanteil von knapp 4 % erreicht«, führte Schreier weiter aus.
Als Folge des deutlich geringeren Auftragsvolumens lag auch der Auftragsbestand zum Geschäftsjahresende unter dem Wert des Vorjahres und spiegelt den Verlauf des vergangenen Geschäftsjahres wider: Lag er nach dem ersten Halbjahr zum 30. September 2008 mit rund 1,2 Mrd. Euro noch auf Vorjahresniveau, so hat er sich in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres bis zum 31. März 2009 aufgrund der starken Investitionszurückhaltung mit 650 Mio. Euro fast halbiert. »Zu diesem Zeitpunkt lasteten uns die Aufträge noch für rechnerisch 2,6 Monate aus, im Vorjahr waren es noch 2,9 Monate. Ähnlich wie beim Auftragseingang ist zwangsläufig auch die Entwicklung beim Umsatz: Dieser lag mit – leicht gerundet – 3 Mrd. Euro um 18 % unter dem Wert des Vorjahres. Der Umsatz ist damit so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr«, betonte Schreier. Überdurchschnittlich hoch fielen die Rückgänge bei den Auftragseingängen und beim Umsatz in den Regionen North America, Eastern Europe und Asia Pacific aus. Vergleichsweise moderat war der Rückgang dagegen in der umsatzmäßig stärksten Region Europe, Middle East and Africa. Der Anteil der Schwellenländer an den Erlösen stagnierte bei rund 35 %. Im Zuge der Finanzkrise erfolgt dort die Kreditvergabe noch restriktiver als in den Industrienationen. Dennoch sei man nach wie vor davon überzeugt, dass die Schwellenländer auf mittlere Sicht ein stärkeres Wachstumspotenzial für die Printmedienindustrie besitzen als die klassischen Industrieländer.
Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen ist im vergangenen Geschäftsjahr bei Heidelberg auch der Refinanzierungsbedarf deutlich gestiegen. Dies hat dazu geführt, dass sich das Finanzergebnis von minus 69 auf nunmehr minus 119 Mio. Euro verschlechtert hat. In der Summe ergibt sich daraus ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von minus 347 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es noch plus 199 Mio. Euro. Der Jahresfehlbetrag betrug minus 249 Mio. Euro und lag damit ebenfalls deutlich unter dem Jahresüberschuss des Vorjahres von 142 Mio. Euro. Auch der Free Cashflow litt unter dem schwachen Geschäft und hohen Mittelabflüssen im ersten Halbjahr. Nach einem Plus im Vorjahr von 215 Mio. Euro drehte er auf minus 201 Mio. Euro.
»Ich möchte aber nicht durchgehend schwarz malen«, so Schreier weiter. Erste, wenn auch nur kleine Anzeichen für ein Licht am Ende des Tunnels seien seiner Ansicht nach erkennbar. »Im April, im Mai und im Juni konnten wir uns beim Auftragseingang auf dem niedrigen Niveau der letzten beiden Vorquartale stabilisieren. Ob dies bereits ein Signal für die Trendwende ist, lässt sich im Moment nur schwer beurteilen. Ich persönlich bin da eher vorsichtig, zumal der höhere Auftragseingang vor allem regional auf die Messe China Print im Mai in Peking zurückzuführen ist. Diese Messe, die wichtigste für uns in dieser Region, ist für uns durchaus zufriedenstellend verlaufen. In China scheint der Negativtrend erst einmal gestoppt, unser Geschäft dort fasst wieder Tritt. Dies reicht aber nicht aus, um die Rückgänge in Europa und in Asien zu kompensieren.«
Zusätzliche Wachstumschancen ergeben sich laut Schreier daraus, dass Hersteller von Konsumgütern zur Differenzierung ihrer Produkte auf immer aufwändigere Verpackungen setzen. Die wachsende Markenpiraterie verstärkt zudem den Bedarf
an fälschungssicheren Verpackungen. Derzeit machen Lösungen für den Verpackungsdruck etwa 15 % des Heidelberg-Gesamtumsatzes aus, mittelfristig soll der Anteil auf 25 % gesteigert werden. Das nach wie vor größte Segment, der Werbedruck, wird dann auf unter 50 % sinken. Heute macht dieser Bereich noch rund zwei Drittel des Umsatzes aus.

Heidelberger Druckmaschinen AG http://www.heidelberg.com

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