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Heidelberg kündigt E-Commerce-Portal für Verbrauchsmaterialien an

Schwächelndes Chinageschäft belastet Umsatzzahlen im 1. Halbjahr 2014/2015
 

Die Heidelberger Druckmaschinen AG legte ihre Umsatzzahlen vor. Dahinter steht ein tiefgreifender Konzernumbau.

Die Halbjahreszahlen, die Heidelberg-Chef Gerold Linzbach bekannt gab, liegen im prognostizierten Bereich: mit 996 Mio. Euro verfehlte der Konzernumsatz nach sechs Monaten des Geschäftsjahres 2014/2015 nur leicht den Vergleichswert des Vorjahres (1.097 Mio. Euro). Das Finanzergebnis des Konzerns liegt zum Halbjahr bei -33 Mio. Euro (Vorjahr -28 Mio. Euro). Wie Heidelberg-Chef Gerold Linzbach in einer Telefonkonferenz klar machte, verbirgt sich hinter diesen Zahlen ein tiefgreifender Konzernumbau. Standen früher die Serienfertigung gleichartiger Druckmaschinen im Mittelpunkt, so nähere sich die Produktion der eines Anlagenbauers.

Unprofitable Bereiche, die nicht zum strategischen Geschäft gehören, werden zurückgefahren. Dazu gehört, dass weitere 400 bis 500 Stellen abgebaut werden müssen. Der Rückzug aus dem Postpress-Bereich würde ab dem nächsten Geschäftsjahr eine Ergebnisverbesserung von rund 30 Mio. Euro bringen. Andere Geschäftsfelder, die Wachstum versprechen, wie der Digitaldruck und der Handel mit Verbrauchsmaterialien, werden hingegen deutlich forciert. Sichtbarer Effekt ist die Etablierung eines E-Commerce-Portals für Verbrauchsmaterialien, das zum Jahresende an den Start gehen soll.
 
Gerold Linzbachs Ziele sind klar: „Durch aktives Portfoliomanagement wollen wir das margenstarke und konjunkturunabhängigere Geschäft mit Service und Verbrauchsmaterialien ausbauen, um damit einen Konzernumsatzanteil von über 50 Prozent zu realisieren.“ Bei den Verbrauchsmaterialien sieht das Unternehmen besonderes Potenzial. „Glücklicherweise für uns ist das ein sehr fragmentierter Markt“, so Linzbach. Als Consumables-Lieferant will das Unternehmen seinen „kaum zu schlagenden Vorteil“ (Linzbach) des eigenen weltweiten Vertriebsnetzes nützen. „Wenn man in der Lage ist, Ersatzteile in 24 Stunden zum Kunden zu bringen, dann muss man auch in der Lage sein, Verbrauchsmaterialien in 24 Stunden zum Kunden zu bringen.“ Im Verbrauchsmaterialiensektor könne man „durch Akquisitionen schnell an Größe gewinnen“. Die Übernahme des belgischen Anbieters von Verbrauchsmaterialien, Blue Print Products NV, sei hierfür ein erster Schritt. Heidelberg erwirbt damit Know-how in der Entwicklung und Herstellung von Druckchemikalien. Die Manroland-Mutter Langley hatte gestern mit der Akquisition von Druck-Chemie einen ähnlichen Schritt unternommen. Durch eine E-Commerce-Plattform will Heidelberg den Consumables-Verkauf ab dem Jahresende zusätzlich ankurbeln.
 
Ein weiteres Wachstumsfeld ist für Heidelberg der Digitaldruckbereich. So wurde im Oktober die vollständige Übernahme des Software-Herstellers Neo7even abgeschlossen. Mit den Kooperationspartnern Fujifilm und Ricoh wurden neue Digitaldrucksysteme vorgestellt. Ziel ist es, im Digitalgeschäft mittelfristig einen Umsatz von über 200 Mio. Euro jährlich zu generieren. Anders als bei dem früheren Digitaldruck-Engagement von Heidelberg (Nexpress), bei dem man überschätzt hätte, wie groß der Markt für die industrielle Digitaldruckproduktion sein würde, erfolge der Markteintritt in diesen Bereich jetzt mit Partnern. Während sich Fujifilm auf die Software und Druckköpfe konzentriere, befasse sich Heidelberg vor allem mit dem Papiertransport durch die Maschine. Und hier gäbe es eine große Nähe zwischen Digitaldruck und Bogenoffset. „Ansonsten wäre es auch nicht zu verstehen, wie wir innerhalb eines halben Jahres 150 Entwickler auf das Thema Digitaldruck setzen konnten“, so der Heidelberg-Chef.
 
Wie Gerold Linzbach in der Pressekonferenz ebenfalls bekannt gab, sind die im Sommer bekannt gewordenen Pläne, mit dem chinesischen Maschinenbauer Masterworks eine gemeinsame Druckmaschinenproduktion aufzubauen, noch nicht so weit gediehen. Bevor an eine gemeinsame Fertigung zu denken sei, müsse erst noch die Kapazität und die Qualität der Zulieferer geklärt sein. Linzbach konkret: „Die Zulieferer müssen wir noch zuverlässiger machen.“ Wichtig war dem Heidelberg-Chef in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass die künftige Produktion des Joint-Ventures mit Masterworks ausschließlich dem lokalen Markt zugute kommen soll: „China ist eine Produktionskapazität für den lokalen Markt.“

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