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„Wir liegen über den Kennzahlen des Restrukturierungsplans“

Geschäftsführerin Sylvie Weigel spricht über die Planinsolvenz der Buchbinderei Lachenmaier

Sylvie Weigel, Geschäftsführende Gesellschafterin der Buchbinderei Lachenmaier in Reutlingen.

Die Reutlinger Buchbinderei Lachenmaier hat am 5. September 2016 beim Amtsgericht Tübingen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, der am 1. November bewilligt wurde. Dabei kann das Unternehmen weiterhin die Insolvenzmasse selbst verwalten, es unterliegt lediglich der Aufsicht eines Sachwalters. Die Geschäftsleitung bleibt ebenfalls im Amt.
Print.de fragte die Geschäftsführerin Sylvie Weigel nach den Hintergründen der Insolvenz und warum das Unternehmen so gute Aussichten auf eine Sanierung hat.

Was hat in Ihrem Fall zum ­Insolvenzantrag geführt?
Das Unternehmen ist aus vielerlei Gründen durch bewegte Zeiten gegangen. Thomas Zigan und ich haben zum 1. Mai nicht nur die Mehrheit des Unternehmens, sondern auch die operative Verantwortung durch die Geschäftsführung übernommen. Lachenmaier befindet sich wieder in Unternehmerhand. Im Laufe der ersten Monate wurde sichtbar, dass die Verbindlichkeiten deutlich höher waren als zunächst angenommen und ein klarer Schnitt notwendig war, um Lachenmaier für die Zukunft aufzustellen. Mithilfe juristischer Beratung haben wir dann die Planinsolvenz in die Wege geleitet.

Wie sieht die aktuelle Lage aus?
Die Planinsolvenz bedeutet ja, dass wir als Geschäftsführung weiter voll handlungsfähig sind. Wir haben einen Sachwalter zur Seite gestellt bekommen, der uns unterstützt und der auch die Verhandlungen mit den Gläubigern führt. Aber ansonsten sind wir unternehmerisch voll handlungsfähig. Die Auslastung und die wirtschaftlichen Kennzahlen sind seit dem Sommer so erfreulich, dass wir davon ausgehen können, dass wir spätestens im März wieder aus der Insolvenz heraus sind. Wir haben uns einen recht kurzen Zeitrahmen gesteckt.
 
Die Planinsolvenz wird nur bewilligt, wenn realistische Chancen für eine Sanierung bestehen. Wie sieht Ihr Plan zur Sanierung aus?
Wir haben sofort mit der Neuausrichtung des Unternehmens begonnen und die ersten Maßnahmen greifen bereits. Wir beschäftigen derzeit 64 Mitarbeiter und unsere Auslastung ist, wie gesagt, so gut, dass unser Ziel, keine weiteren personellen Einschnitte zu machen, sehr realistisch ist. Während der Planinsolvenz sind keine Investitionen möglich, aber wenn wir diese im März hinter uns haben, werden wir das Unternehmen durch sukzessive Investitionen in einem wirtschaftlich verträglichen Tempo kontinuierlich stärken.  

Wie haben Ihre Kunden reagiert?
Wer ist schon begeistert von einer Insolvenz? Aber eine Planinsolvenz unterscheidet sich eben durch die realistischen Chancen für eine Sanierung von der sonst üblichen Form der Insolvenz. Die Branche steckt in schwierigen Zeiten, daher stößt man im Gespräch trotz allem auf Verständnis für die Situation von Lachenmaier. Nachdem einige Kunden sich im Frühsommer zuerst über die Modalitäten einer Insolvenz mit Eigenverwaltung informiert haben, sind sie dann wieder auf uns zugekommen. Wir sind mit der Auftragslage derzeit sehr zufrieden und liegen über den Kennzahlen des Restrukturierungsplans.

Lachenmaier ist vor allem im Premiumsegment unterwegs. Haben Sie auch Ihr Portfolio angepasst?
Lachenmaier steht schon seit Jahrzehnten für hochwertige Verarbeitung, für ausgefallene Bindearten und für hohe handwerkliche Qualität. Wir gelten als Spezialisten für ein- und mehrfarbige Prägungen und können noch individuelle Wünsche realisieren, die bei Großbindereien keine Chance haben. Daher werden wir unsere Stärken weiter stärken und nicht gegen die Goliaths der Branche ankämpfen. Mit unseren Spezialisten sind wir die richtigen Ansprechpartner für Verlage und Agenturen, die gut gemachte Bücher und haptische Ausstattungen schätzen. Das zeigte sich gerade auch bei den Schönsten Deutschen Büchern, wo wir mit drei prämierten Titeln vertreten sind.
Wir sind perfekt aufgestellt für kleine bis mittlere Auflagen. Durch die kurzen Wege sind wir agil und flexibel, wir können schnell auf kurzfristige Anfragen reagieren, wenn gut laufende Bücher im Weihnachtsgeschäft erfreulicherweise noch nachgedruckt werden müssen.   

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