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KBA: Moderater Rückgang bei Investitionen in Zeitungstechnik?

Was bringt die Kombination Offset- und Inkjet-Zeitungsdruck? – KBA-Vorstandschef Claus Bolza-Schünemann auf der World Publishing Expo 2013 in Berlin zu den Perspektiven im Zeitungsmarkt
 

Über die Tochtergesellschaft Print-House-Service GmbH (PHS) übernimmt KBA die Komplettbetreuung der technischen Anlagen in Zeitungs- und Akzidenzdruckereien mit Personal vor Ort.

Eigenen Angaben zufolge hat die Koenig & Bauer AG (KBA) im Jahr 2012 knapp 40% und im laufenden Jahr über 40% der von der internationalen Zeitungsindustrie vergebenen Aufträge für neue Zeitungsrotationsanlagen erhalten. Trotz des KBA-Marktanteils reiche das seit 2006 um über 70% auf unter 300 Mio. Euro geschrumpfte Volumen der Neuinvestitionen in Zeitungsdrucktechnik nicht aus, um die bereits deutlich reduzierten Kapazitäten des Zeitungsanlagen-Lieferanten zu füllen. In der Pressekonferenz des Unternehmens zur World Publishing Expo (WPE) in Berlin wies der KBA-Vorstandsvorsitzende Claus Bolza-Schünemann darauf hin, dass die in 2010 noch erwartete Belebung des Marktes für neue Zeitungstechnik aus strukturellen und konjunkturellen Gründen (Medienwandel, Eurokrise) nicht eingetreten ist und man sich angesichts der Medienentwicklung, der Konzentrationstendenzen und der Neuorientierung in der Zeitungsbranche mittelfristig eher auf einen weiteren moderaten Rückgang bei den Investitionen in neue Offsetrotationen, Vorstufen- und Versandraumtechnik als auf eine signifikante Erholung einstellen sollte.

Nach neuesten Marktanalysen erreichten die Umsätze der Lieferindustrie mit neuen Akzidenz- und Zeitungsrotationen (ohne Gebrauchtmaschinen, Service und Verbrauchsmaterialien) nach 1,7 Mrd. Euro in 2007 mit 600 Mio. Euro im Krisenjahr 2009 einen Tiefpunkt und gingen nach einem kurzzeitigen Anstieg auf 800 Mio. Euro in 2010 wieder auf 630 Mio. Euro in 2012 zurück. Für 2013 erwartet KBA einen weiteren Rückgang auf etwa 500 Mio. Euro. Bis 2015 geht man davon aus, dass die Talsohle bei den jährlichen Investitionen in neue Rollenoffsettechnik bei etwa 400 Mio. Euro erreicht wird. Vor diesem Hintergrund hält Bolza-Schünemann die bisherige Kapazitätsreduzierung auf der Anbieterseite noch nicht für ausreichend und marktkonform.

Neben einer weiteren Kapazitätsanpassung will KBA den geringeren Umsatz mit neuen Rollenoffsetmaschinen soweit wie möglich durch mehr Servicegeschäft, ein breiteres Portfolio für den weiter wachsenden Verpackungsdruck und das neue Geschäftsfeld Digitaldruck kompensieren. Vor diesem Hintergrund hat KBA sein Offset-Programm für die Zeitungsindustrie um die Digitaldruckanlage KBA Rotajet erweitert, die den Messeauftritt des Unternehmens in Berlin auf dem KBA-Stand und den im Media Port „Power of Print“ eingerichteten Digital Pavillon prägte. 

Laut Bolza-Schünemann wurden inzwischen zwei Rotajet-Anlagen in andere Marktsegmente verkauft und KBA registriert neben dem zunächst adressierten Bücher-, Direct-Mail- und Werbedruck zunehmendes Interesse aus der Zeitungsindustrie.

Während das heutige Zeitungs- und Beilagengeschäft aus der Sicht von Oliver Baar, bei KBA Projektmanager für Business Development Digital Web Presses, nur noch ein limitiertes Marktpotenzial bietet, sieht er im Digitaldruck durch die noch konsequentere Zielgruppenorientierung der Zeitung (hyperlokale oder interessenspezifische Kleinauflagen), die Erweiterung des Print-Portfolios zur Leser- und Kundenbindung bzw. Erreichung neuer Kundenkreise sowie die sehr flexibel mögliche Vernetzung von Print- und Online-Medien noch Möglichkeiten für ein nachhaltiges und profitables Zusatzgeschäft. In diesem Zusammenhang zitierte Oliver Baar den amerikanischen Finanzinvestor Warren Buffett, der in den USA gegen den Trend über 30 Regional- und Lokalzeitungen erworben hat und die einseitige Kostensenkungsstrategie der amerikanischen Zeitungsindustrie zu Lasten des Inhalts oder der Erscheinungsfrequenz kritisiert. Als weiteres Beispiel nannte er die kanadische Zeitungsgruppe Glacier Media Commercial, die in allen Ausgaben erfolgreich AR-Codes zur Verknüpfung von Print mit der digitalen Welt (Online-Videos als Ergänzung) einsetzt. Ähnlich agieren inzwischen Die Welt und Focus in Deutschland.

Weitere Optionen ergeben sich laut Baar mit der Nachrüstung von Inkjet-Eindrucksystemen (aktuell Kodak Prosper S30) in Offsetrotationen für mögliche Coupons, Gewinnspiele oder Adresseneindrucke. KBA hat solche Inkjet-Retrofits bereits durchgeführt. Noch weiter geht der kombinierte Einsatz älterer Offset-Anlagen wie zum Beispiel einer KBA Colora und einer Inkjet-Rolle wie der KBA Rotajet für stark lokalisierte Produktionsszenarien (Microzoning) in der Zeitung sowie formatflexible zusätzliche Printprodukte auf unterschiedlichsten Papieren für Leser und Werbekunden im Digitaldruck. Klassische Geschäftsmodelle der Zeitungsbranche lassen sich so erweitern, wobei bei kleinteiligen Auflagen die Prozesskosten deutlich sinken. Während im Offset heute für Zeitungen, Semicommercials, Bücher, Zeitschriften und Akzidenzprodukte meist Zeitungs-, Akzidenzrotationen und Bogenoffsetmaschinen zum Einsatz kommen, deckt die KBA Rotajet diese Marktsegmente bei Kleinauflagen weitgehend ab und ermöglicht so zusätzliches Geschäft, so Baar weiter.

Obwohl KBA mit der Rotajet sein Angebot um den digitalen Zeitungsdruck erweitert, werden nach Expertenmeinung leistungsstarke Offsetrotationen auch in den nächsten Jahren die Zeitungsproduktion dominieren. Wie Christoph Müller, Vorstand für das Produkthaus Rollendruckmaschinen, berichtete, konnte KBA nach der marktbedingten Straffung seines Produktprogramms vor zwei Jahren zuletzt vor allem Bestellungen für die zur Ifra-Expo 2011 in Wien neu eingeführte, modular automatisierbare Commander CL verbuchen. Seitdem wurden in Europa, den USA und China zehn Anlagen verkauft, wobei sich in 2013 Ouest-France in Rennes, Pressedruck in Potsdam und das Main-Echo in Aschaffenburg für die jüngste KBA-Zeitungsmaschine entschieden haben. In der High-End-Klasse ist nach wie vor die Kompaktanlage Commander CT erfolgreich am Weltmarkt. 27 Kundenanlagen mit zusammen 124 Drucktürmen und fast 1.000 Druckstellen stehen inzwischen auf der Referenzliste. Vor wenigen Wochen kamen das Badische Druckhaus in Baden-Baden und Mittelland Zeitungsdruck im schweizerischen Aarau als jüngste Kunden hinzu.

Im Hinblick auf die Schwestermaschine KBA Cortina, ist die von der Volksfreund-Druckerei Nikolaus Koch in Trier (Saarbrücker Zeitungsgruppe) bestellte Cortina nun die 20. bestellte Anlage und die erste, die von Beginn an mit zwei Lackierwerken ausgestattet wird. 

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