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Lebensmittelkartons aus recycelten Druckprodukten am Pranger

Forderungen nach neuer Regelung zu Mineralöl in Druckfarben verstärken sich

Die Rückstände von Mineralöl in Lebensmitteln sorgen für eine neuerliche Diskussion um Druckfarben- und Verpackungsverordnungen.

Die öffentliche Diskussion um Rückstände von Mineralöl und daraus entstehende Kohlenwasserstoffe in Lebensmitteln, die durch recycelte Druckprodukte migrieren können, nimmt erneut Fahrt auf. Nachdem das ARD-Fernsehmagazin Plusminus im Herbst vergangenen Jahres über entsprechende Verunreinigungen von Lebensmittel berichtet hatte, nahm das ZDF-Fernsehmagazin Wiso kürzlich den Faden wieder auf. Heute berichtet das Portal SWR.de über Rückstände von Kohlenwasserstoffen aus Mineralöl in Nahrungsmitteln, die direkten Kontakt mit recycelten Kartonverpackungen haben. Verbraucherschutzverbände fordern nun verstärkt neue Verordnungen für Druckfarben und Verpackungen.

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums sei eine Verordnung in Arbeit, die die Verwendung bestimmter Stoffe bei der Herstellung von Druckfarben anhand einer "Positv-Liste" regelt.

Rückstände aus Mineralöl

Die Rückstände von Mineralöl wurden beispielsweise in Nudeln, Reis oder Frühstücksflocken gefunden. Plusminus, Wiso und SWR.de beziehen sich auf Lebensmittelanalysen des Kantonalen Labors Zürich. Bei den Lebensmittelanalysen im Auftrag des ARD-Fernsehmagazins Plusminus waren nach Angaben von Spiegel-Online in jeder zweiten Probe Spuren von Mineralöl gefunden worden. So hätten Frühstücksflocken und Grieß Ölspuren bis zu 2,6 mg je kg Nahrung enthalten. Insgesamt untersuchte das Kantonale Labor Zürich acht Proben. Das Öl stammte demnach aus den Druckfarben von Zeitungen, die zu Recycling-Verpackungen verarbeitet wurden. Es verwandele sich in Gas und gelange so in die Nahrung. Dabei spielen Kohlenwasserstoffe im Mineralöl eine wichtige Rolle, die nicht vom Körper abegbaut werden können. Diese könnten selbst aus winzigen Farbresten auf den Altpapierfasern ausdünsten und in die Kartonverpackungen migrieren.

Wiso berichtet weiter, dass das Kantonale Labor Zürich bereits 1995 zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sei, aber weder Industrie noch Regierung hätten darauf reagiert. Die Reste des Mineralöls könnten laut Konrad Grob vom Kantonalen Labor Zürich für den Menschen durchaus gesundheitsschädlich sein. Beispielsweise könnten sie in verschiedenen Organen Entzündungen hervorrufen oder das Risiko für Krebs erhöhen.

Regelung gefordert

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (Berlin) empfahl nun die Verwendung anderer Verpackungen und mineralölfreier Druckfarben im Allgemeinen. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (Berlin) fordert auf lange Sicht ebenso die Verbannung mineralölhaltiger Druckfarben. Einige Druckfarbenhersteller bieten hier schon Farben an, die auf vegetabilen Ölen basieren. Kurzfristig könne man laut Verbraucherzentrale Bundesverband durch Innenbeutel die Berührung der Lebensmittel mit der Kartonverpackung vermeiden oder Frischfaserkartons verwenden.

Verbraucherschutzministerium bringt nationale Verordnung auf den Weg

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stellte im Gespräch mit Deutscher Drucker fest, dass eine zum Thema passende Verordnung auf den Weg gebracht sei. Diese nationale von der EU-unabhängige Verordnung liege momentan den Ländern und betroffenen Wirtschaftsverbänden zur Entscheidung vor. Darin werde die Verwendung von Stoffen in Druckfarben anhand einer „Positiv-Liste“ geregelt. Demnach dürften nur Stoffe, die vorher durch das Bundesinstitut für Risikobewertung geprüft und für unbedenklich befunden wurden, bei der Herstellung von Druckfarben verwendet werden. Dies basiere auf einer festgelegten Nachweisgrenze, die eine Gefährdung der Gesundheit ausschließen soll.
Was dies für das Mineralöl in Druckfarben bedeutet, kann wohl erst gesagt werden, wenn die Veordnung erlassen wird. Wann das genau geschieht, steht noch nicht fest.

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