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Neschen AG: Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet

Insolvenz soll zur Entschuldung genutzt werden
 

Die Neschen AG will laut eigenen Angaben gestärkt aus der Insolvenz hervorgehen.

Am 17. April 2015 hat der Vorstand der Neschen AG, international agierendes Unternehmen für Selbstklebeprodukte und beschichtete Medien, beim zuständigen Amtsgericht Bückeburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, um den laufenden Restrukturierungsprozess in Eigenregie fortsetzen zu können.

Der operative Geschäftsbetrieb der Neschen AG bleibe davon unberührt, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Die europäischen Vertriebsgesellschaften seien davon nicht betroffen.

Das Amtsgericht Bückeburg – Insolvenzgericht – hat dem Antrag laut Neschen bereits entsprochen und das Eröffnungsverfahren in Eigenverwaltung mit dem Ziel der Sanierung des Unternehmens zugelassen. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Arndt Geiwitz von der Kanzlei Schneider Geiwitz & Partner bestellt. Die unternehmerische Verantwortung bleibe laut Neschen-Pressemitteilung in den Händen des Vorstands, in den neben CEO Henrik Felbier als CRO (Sanierungsgeschäftsführer) die Insolvenzexpertin Dr. Bettina E. Breitenbücher berufen wurde. Sie soll als Vorstand die Restrukturierung in der Insolvenz begleiten.

Laut Neschen hatte Vorstand Michael Aupke zuvor dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt angeboten. Der Aufsichtsrat habe diesen mit sofortiger Wirkung angenommen und dankte ihm ausdrücklich für die geleistete Arbeit. „Da uns die Ertragswende bereits gelungen ist, wollen wir die Insolvenz nun zu einer Entschuldung des Unternehmens nutzen. Wir wollen, dass das Unternehmen gestärkt aus der Insolvenz hervorgeht“, so CRO Bettina Breitenbücher. In den kommenden Wochen werde der Vorstand gemeinsam mit den Gläubigern und dem Betriebsrat einen Sanierungsplan abstimmen, der insbesondere die notwendigen Sanierungsschritte beinhalte und die Grundlage der Restrukturierung bilde.

Das Unternehmen habe den Insolvenzantrag wegen Überschuldung stellen müssen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Der Neschen AG wurde von Wirtschaftsprüfern keine positive Fortbestehensprognose ausgestellt und ebenfalls habe es keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die Verhandlungen mit den Kreditgebern erfolgreich abgeschlossen werden könnten. Mit dem Haupt-Kreditgeber konnte nach zahlreichen Verhandlungsversuchen keine Einigung über eine Refinanzierung von 24,3 Mio. Euro (plus Besserungsschein über 20 Mio. Euro) erzielt werden, so die Neschen AG. Die Insolvenz soll nun zu einer Entschuldung des Unternehmens genutzt werden. CEO Henrik Felbier: „Obwohl wir das Unternehmen operativ erfolgreich saniert haben, hätten wir die Kredite aus den Erträgen nicht ordnungsgemäß bedienen können. Wir bedauern, dass Sandton (Anm. der Redaktion: New Yorker Hedgefond Sandton Capital Partners) nicht bereit war, konstruktiv an einer Refinanzierung mitzuwirken. Da die Aktionäre sich zuvor außerdem gegen einen Tausch des Fremdkapitals in Eigenkapital ausgesprochen hatten, blieb uns nur die Insolvenzanmeldung. Wir können nur schlussfolgern, dass Sandton von Anfang an kein Interesse an einer zukunftsfähigen Lösung für Neschen außerhalb der Insolvenz hatte.“

Verschärft wurde laut Neschen die Situation dadurch, dass derzeit unklar sei, wer rechtmäßiger Eigentümer der Neschen-Kredite ist – J.P. Morgan Chase & Co. (Anm. der Redaktion: US-amerkanische Bank mit Sitz in New York City) oder Sandton. Der von Sandton zum Kauf des Kredits von J.P. Morgan eingerichteten Gesellschaft in Luxemburg fehlen offenbar die aufsichtsrechtlichen Genehmigungen, um Bank- oder sonstige Finanzgeschäfte zu betreiben. Die Gesellschaft habe die Durchführung solcher Geschäfte in ihrer Satzung sogar ausdrücklich ausgeschlossen. Aufgrund dieser Erkenntnis habe Neschen in der vergangenen Woche Klage beim Landgericht Bückeburg eingereicht. Das Landgericht soll feststellen, dass Sandton Financing III (Luxemburg) S.à r.l. - "Sandton III" - nicht Gläubiger des 24,3 Mio. Euro-Kredits nebst Sicherheiten geworden ist. In einer einstweiligen Verfügung hat das Landgericht Bückeburg inzwischen erhebliche Zweifel geäußert, dass Sandton rechtmäßig Eigentümer der Neschen-Kredite geworden ist. Für den Fall, daß J.P. Morgan unverändert Eigentümer des Kredites sein sollte, hatte Neschen auch J.P. Morgan aufgefordert, an einer Refinanzierung mitzuwirken. J.P. Morgan hatte auf die Forderung des Unternehmens jedoch bisher nicht reagiert.

Hintergrund:  
Bereits im November 2014 forderte der Vorstand der Neschen AG, Bückeburg, laut einer damaligen Pressemitteilung des Unternehmens, Klarheit vom New Yorker Hedgefonds Sandton Capital Partners über Refinanzierungsoptionen. Der Hedgefonds hatte im Mai ein Kreditpaket von JP Morgan übernommen und ließ bereits damals das Unternehmen über seine Pläne im Unklaren. Mal favorisierte Sandton einen Debt to Equity Swap, also einen Tausch von Schulden in Eigenkapital, bei dem die Anteile der bestehenden Aktionäre deutlich verwässert werden sollen, mal solle der Kredit gegen eine Teiltilgung erlassen werden. Zum damaligen Zeitpunkt hieß es, Neschen sei bis Ende 2015 durch eine Vereinbarung mit Sandton geschützt. Auf Dauer sei aber ein Moratorium nicht ausreichend.

Nach zahlreichen Verlustjahren war Neschen laut eigenen Angaben im Jahr 2014 die Ertragswende gelungen. Zum ersten Halbjahr hatte – laut Pressemitteilung des Unternehmens – Neschen bereits ein operatives Ergebnis (EBITDA) in Höhe von 1,9 Mio. Euro erwirtschaftet. Dazu hätten sowohl die Restrukturierung als auch die Innovationsoffensive des Unternehmens beigetragen, heißt es weiter.

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