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Phoenix Print Würzburg will sich durch Insolvenzplan sanieren

Unternehmen stellt Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung
 
Ramona Weiß-Weber

Ramona Weiß-Weber soll dem Unternehmen Phoenix Print Würzburg nach der gescheiterten Fusion durch ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung wieder auf die Beine helfen. (Archivbild)

Auch die Würzburger Phoenix Print steht vor einem Insolvenzverfahren. Dies geht aus einem Brief an die Kunden und Geschäftspartner hervor. Phoenix Print soll, wie es heißt, "nach Scheitern der Fusion mit der Himmer AG" einer umfassenden Sanierung unterzogen werden. Deshalb hat das Unternehmen am 29. September 2015 beim Amtsgericht Würzburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Geschäftsführer Ronald Hof hat indes sein Amt niedergelegt.

In dem von Geschäftsführerin Ramona Weiß-Weber unterzeichneten Schreiben heißt es: "Die Entscheidung wurde unausweichlich, nachdem Altverbindlichkeiten sowie unerwartete operative Belastungen unsere Liquidität bedrohten. Es ist indes unser Ziel, das Unternehmen auf Grundlage eines umfassenden Insolvenzplans auf eine nachhaltig solide Basis zu stellen. Noch in dieser Woche rechnen wir mit dem positiven Bescheid des Amtsgerichts über die Eigenverwaltung sowie über die Bestellung unseres Sachwalters."

Ronald Hof hat am 28. September sein Amt als Geschäftsführer des Unternehmens niedergelegt. Er werde aber, so wird mitgeteilt, "der Geschäftsführerin Ramona Weiß-Weber sowie dem Unternehmen weiterhin unterstützend zur Seite stehen". Man wolle "ungeachtet der jüngsten Entwicklung [...] ein berechenbarer, verlässlicher Partner bleiben bzw. in Kürze wieder werden".

Ramona Weiß-Weber war erst zum 1. Juli 2015 als Finanzchefin (CFO) ins Unternehmen gekommen. Die Dipl.-Ingenieurin war zuvor unter anderem für die Druckmaschinenhersteller Manroland und Koenig & Bauer in Führungspositionen tätig gewesen.

Was wird aus Augsburg?

Die Phoenix Print Augsburg GmbH, die aus der Augsburger Druckerei Himmer hervorgegangen war, ist bereits seit Anfang August 2015 im vorläufigen Insolvenzverfahren. Zwischen den Alteigentümern, der Phoenix-Print-Geschäftsleitung und den Mitarbeitern herrscht seit Wochen Streit über die Ursache des Scheiterns der Unternehmensfusion. Diese Auseinandersetzung wird zum Teil auch über Kommentare auf print.de und auf der Facebook-Seite von print.de ausgetragen. Ursprünglich wollte der vorläufige Insolvenzverwalter des Augsburger Betriebes, Christian Plail, bis Ende September eine Fortführungs-Lösung finden.

Phoenix Print Würzburg hat sich nach eigener Aussage schon am 20. August  "vollständig vom insolventen Schwesterbetrieb Phoenix Print Augsburg gelöst". Das Unternehmen sowie sämtliche Prozesse seien "von denen der Augsburger GmbH isoliert".

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Leserkommentare (3)

Jürgen Zimmer | Freitag, 09. Oktober 2015 10:46:05

Phönix Print Würzburg

Michael Dörner trifft den Nagel auf den Kopf. Eine Insolvenz in Eigenregie dient nur dazu Gläubiger und Mitarbeiter über den Tisch zu ziehen. An der Grundlage der Insolvenz, nämlich zu niedrige Erlöse wird nämlich nichts geändert. Man tritt bei Kunden auf und sagt "keine Angst, wir machen die bisherigen Preise weiter", macht noch Dumpingpreise bei eventuellen Neukunden und entschuldet sich mit der nächsten Insolvenz. So wird die gesamte Wirtschaft beerdigt.

Dr. Andreas Selling | Freitag, 09. Oktober 2015 10:46:02

Räuber-Tragödie

Lieber Herr Dömer,

da ist Ihnen wirklich uneingeschränkt zuzustimmen. Welche Rabauken-Tragödie dort in Würzburg und Augsburg gespielt wird, kann man ja anhand der Aussagen von Beteiligten (http://www.print.de/News/Markt-Management/Phoenix-Print-Augsburg-vor-dem-Aus_9055#comment) nur erahnen. Ich habe bereits in einem Leserbrief am 05. August geschrieben: "In wirtschaftlich schwierigen Zeiten bleibt Manches und Mancher auf der Strecke. Anstand, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit (gegenüber Mitarbeitern, Lieferanten, Partner), kurz: der "ehrbare Kaufmann", scheinen dazu zu gehören." Und dann kommt irgendwann eine Meldung, die toppt noch einmal alles bisher Dagewesene.

"Ich finde es einfach nur zum k..." hat mir ein geschätzter Kollege - den ich zu den ehrbaren Kaufleuten zähle - im Zusammenhang mit dem von Ihnen zitierten Kundenbrief geschrieben. "Es ist in der Tat immer die gleiche Sch..." habe ich ihm darauf geantwortet. Ich gebe gerne zu: Kein Gedankenaustausch auf hohem intellektuellem Niveau. Aber manchmal fällt einem wirklich nichts Anderes mehr ein!

Freundliche Grüße aus Göttingen

Michael Dömer | Freitag, 02. Oktober 2015 16:56:02

Unglaubliche Zustände

Erneut ein skandalöser Fall von Wettbewerbsverzerrung. Haben wir überhaupt noch einen Markt?

Es häufen sich die Fälle, in denen gescheiterte Unternehmen Antrag auf ein Verfahren in Eigenregie stellen. Die Geprellten sind die Gläubiger, die Wettbewerber und zum Teil auch die Mitarbeiter. Großen Schaden nimmt das Vertrauen in den Markt, der eigentlich den Tüchtigen fördert und nicht bestraft. Die besonders dubiosen Vorgänge im Zusammenhang mit diesem Unternehmen und die vorherige Insolvenz sind bekannt.
Es ist zu hoffen, dass Justitia und letztlich auch die Gläubiger diesem Treiben ein Ende setzen. Das zitierte Schreiben der Geschäftsführung ist zynisch.

Zusätzlich zu den genannten Argumenten sei auf die Situation der Branche verwiesen: Wie soll diese zur Bereinigung kommen, wenn totgerittene Gäule von den gesunden zwangsweise getragen werden und dadurch auch geschwächt werden?
In der vorigen Woche bekam ich ein Schreiben eines anderen Rollenoffsetunternehmens mit dem gleichen Ansinnen. Das gescheiterte Management bietet 5% Quote bei Zustimmung zum Verfahren in Eigenregie an und legt ein Sanierungskonzept vor, das für ein Kabarett geeignet ist. Falls es durchkommt, kann man wetten, dass die nächste Insolvenz vor der Türe steht. In der Zeit dazwischen aber wird weiterer Schaden in der Branche angerichtet. Irgendjemand aber profitiert.
Jeder, der aufrichtig seine Verbindlichkeiten bezahlt muss sich für einen Idioten halten.

Es gibt Wege, mit Managementkompetenz wieder aus der Krise zu führen. Ich weiß aus eigener Erfahrung genügend Beispiele. Auch und gerade als Berater, besonders aber als bekennender Marktwirtschaftler traue ich mich, das hier so offen anzusprechen und hoffe, dass die öffentliche Entrüstung mit Zunahme dieser Fälle auch wächst.

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