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Schlott-Insolvenz: MBO bei Biegelaar, Schießl kauft Broschek Lübeck, Stark-Gruppe übernimmt auch Reus

Insolvenzverwalter Siegfried Beck erwartet einen mehrjährigen "Verwertungsprozess"
Siegfried Beck

Insolvenzverwalter Beck sieht den Erhalt von 650 Arbeitsplätzen aus den deutschen Unternehmen der Schlott-Gruppe als Erfolg.

Der Insolvenzverwalter der Schlott-Gruppe AG, Siegfried Beck, hat die letzten noch verbliebenen Gesellschaften an Investoren verkauft. Die Broschek Rollenoffset GmbH (Lübeck) ging an die Schießl & Co. GmbH (Königsbrunn bei Augsburg). Der Investor hat laut Beck zugesagt, 79 der 130 Mitarbeiter am Standort Lübeck zu übernehmen. Schießl hatte 2008 auch die Firma Frotscher (Gerichshain bei Leipzig) nach der Insolvenz der Schmelzle-Gruppe gekauft und fortgeführt. Die Tiefdruckerei Biegelaar (Maarssen/Niederlande) der Schlott-Gruppe wurde im Wege eines Management Buy-Outs von führenden Mitarbeitern übernommen. Dort bleiben 140 von 165 Arbeitsplätzen erhalten.

Die tschechische Tochtergesellschaft Reus wird an die Stark-Gruppe verkauft, die alle 253 Arbeitnehmer weiterbeschäftigen will. Die Verkaufsverhandlungen seien dazu abgeschlossen, die Beurkundung des Kaufvertrags stehe unmittelbar bevor, heißt es seitens des Insolvenzverwalters. Das Bremer Unternehmen Stark hatte auch schon die Firmen DVN Druckverarbeitung und Media-2-Print (beide in Nürnberg) aus der Schlott-Insolvenz übenrommen.

650 von 1.300 Arbeitsplätzen in Deutschland erhalten

Im Zuge des „Investorenprozesses“ konnte Insolvenzverwalter Beck für fünf von sieben operativen Schlott-Gesellschaften in Deutschland damit Investoren finden. Rund 650 von ursprünglich knapp 1.300 Arbeitsplätzen wurden erhalten. Das sei „vor dem Hintergrund des enormen Wettbewerbs- und Konsolidierungsdrucks in der Branche eine durchaus positive Bilanz“, so Beck. Hinzu kämen 393 gerettete Arbeitsplätze durch den Verkauf der ausländischen Töchter Reus und Biegelaar.

Bereits zuvor waren folgende Schlott-Gesellschaften durch Verkauf an Investoren gerettet worden: U. E. Sebald Druck GmbH (Nürnberg, 231 erhaltene Arbeitsplätze; Käufer: Burda Druck GmbH), DVN Druckverarbeitung GmbH (Nürnberg, 160 erhaltene Arbeitsplätze; Käufer: Stark Unternehmensgruppe), Media-2-Print GmbH (Nürnberg, 35 erhaltene Arbeitsplätze; Käufer: Stark Unternehmensgruppe), WWK Druck GmbH (Landau, 115 erhaltene Arbeitsplätze; Käufer: Rose Druck GmbH).

Mangels Investoreninteresse, so Beck, mussten die Schlott GmbH Freudenstadt (280 Mitarbeiter) und die Broschek Tiefdruck GmbH Hamburg (160 Mitarbeiter) stillgelegt werden, außerdem die Vertriebs- Service- und Logistikstandorte der Gruppe mit insgesamt rund 140 Mitarbeitern. Ein Teil dieser Mitarbeiter sei jedoch bereits von den produzierenden Betrieben mit neuen Eigentümern übernommen worden bzw. würden dort wieder Beschäftigung finden.

Nun beginnt die Verwertungsphase

Nach Abschluss des Investorenprozesses beginnt im Insolvenzverfahren nun die so genannte „Verwertungs- und Abrechnungsphase“. Sämtliche Ansprüche von Gläubigern – bzw. der Schlott-Gruppe selbst – werden dabei durch den Insolvenzverwalter geprüft und gegebenfalls befriedigt. Erst wenn dies beendet ist, stehe die tatsächliche Insolvenzmasse fest und könne an die Gläubiger verteilt werden.

Erfahrungsgemäß, so Siegfried Beck, könne sich die Verwertungsphase bei einem komplexen Unternehmen wie der Schlott-Gruppe über mehrere Jahre hinziehen. Bis auf Weiteres seien derzeit noch rund 30 Schlott-Mitarbeiter in Nürnberg mit Verwaltungsfunktionen im Zusammenhang mit der Abwicklung der Schlott-Gruppe AG beschäftigt.

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