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Sind prozessfreie CtP-Druckplatten wirklich am teuersten, aber alternativlos?

Gesamtkosten verschiedener CtP-Plattensysteme im direkten Vergleich (anhand konkreter Beispielrechnung)
 

Die prozessfreie Sonora UV von Kodak wird in die Druckmaschine eingehängt. Die Entschichtung erfolgt beim Druckmaschinen-
anlauf, wobei die Emulsion der nicht druckenden Plattenbereiche auf die Anlaufmakulatur übertragen wird. (Bildquelle: Kodak)

Die Preise von CtP-Druckplatten sind bei den Herstellern „top secret“. Da die Preise im Markt zudem erheblich differieren, ist eine pauschale Detail-Veröffentlichung einigermaßen unseriös. Jedoch ist davon auszugehen, dass sich Preisveränderungen mehr oder minder parallel auf alle Plattentypen auswirken und dass die prozentualen Abstände zwischen den verschiedenen Plattensystemen als Gradmesser für Kaufentscheidungen gewahrt bleiben. Denn Standard-Thermoplatten liegen kostenmäßig rund 20 Prozent unter denen der prozessfreien Platten – und UV-Platten sind nochmals um etwa 15 Prozent günstiger. So konnte print.de-Autor Eberhard Friemel anhand eines konkreten Praxisbeispiels doch noch eine interessante Kostenkalkulation erstellen!

Das Ergebnis liegt jetzt in Form einer Infografik vor. Demnach sind „teure“ prozessfreie Platten (rote Linie in der Grafik) bis zu einem Jahresbedarf von etwa 3.000 qm selbst gegenüber den „billigen“ UV-Platten (grüne Linie) kostengünstiger. Thermo-Druckplatten (blaue Linie) sind bei einem Bedarf von 1.000 qm um etwa 75 Prozent teurer als prozessfreie Platten. Die rote und blaue Linie kreuzen sich bei einem Durchsatz von etwa 6.500 qm. Bei diesem Bedarf (entspricht rund 14.500 B2-Platten) ist prozessfrei erneut günstiger.
Bei einem Plattenbedarf von 10.000 qm (entspricht ungefähr 22.000 B2-Platten bzw. 12.000 B1-Platten) verteuern sich die prozessfreien Platten um etwa 5.000 Euro. Die Prozessfrei-Vorteile dürften diese Zusatzkosten aber mehr als kompensieren. Bei Produktion mit einer CtP-Doppelkonfiguration tendieren die Kosten ebenfalls „alternativlos“ in Richtung prozessfrei.
Günstiger ist die Kostensituation für die klassischen UV-Druckplatten mit etwa 20.000 Euro Differenz bei einem Plattenbedarf von 10.000 qm. 

Fazit.
Sind prozessfreie Platten teurer? Ein klares: Jein! Für Klein- und Mittelbetriebe sind diese Platten in der Addition aller relevanter Kosten keineswegs teurer.
Sind prozessfreie Platten wirtschaftlicher? Auch in Betrieben mit einem Plattenbedarf bis 10.000 qm pro Jahr sollte die neue Plattengeneration die Produktion zu den bisherigen Kosten sichern und letztlich die Wirtschaftlichkeit erhöhen.
Alternativlose prozessfreie Platten? Für Klein- und Mittelbetriebe gibt es in der Tat keine Alternative, weder in den Kosten noch in der Technologie (ein Vergleich mit Diesel-Pkws drängt sich auf. Der Verkauf der „Umweltverschmutzer“ ist stark rückläufig, die Elektromobilität steht vor dem Durchbruch).
Näheres lesen Sie im neuen Deutschen Drucker Nr. 13/2017  ... ab sofort online bestellbar.

 
 

(Bildquelle: Eberhard Friemel)

factbox 

Kompensation höherer Plattenpreise:

Bei einem geringen Plattenbedarf können die Entwicklungskosten sogar höher sein als die Plattenpreise. Bei einem Bedarf von 10.000 qm/Jahr sinkt der Entwicklungskostenanteil auf 15 bis knapp 25 Prozent – je nach Plattenkosten. Welche Kosten sind relevant? 

  • Prozessor mit Onlinebrücke. Für die Berechnungen wurden die Investitionskosten von Prozessoren mit 85 cm Einlaufbreite für einen Plattenbedarf bis 5.000 qm sowie der Einlaufbreite von 125 cm für einen Bedarf ab 7.500 qm angenommen. Davon abhängig sind die Tankgrößen und der Raumbedarf. Als Abschreibungszeitraum wurden sieben Jahre angesetzt. Das manuelle Plattenhandling wird in der Regel teurer sein als der personalunabhängige Onlinebetrieb und wird nur bei einem geringen Plattenbedarf empfohlen.
  • Chemie und Wasser. Entwickler, Gummierung, Wasser und Abwasser haben unterschiedliche Preise. Hier wurden vier Neufüllungen der Tanks pro Jahr nach den Reinigungen angenommen. Die Entwickler- und Gummierungs-Regenerierung bezieht sich nicht nur auf den Plattendurchsatz, sondern mit geringerer Menge auch auf den Standby-Betrieb. Hinzu addieren sich die Kosten für die Chemieentsorgung sowie für das Wasser und Abwasser.
  • Chemieansatz, Produktionsüberwachung und Prozessorreinigung. Für vier Chemiewechsel und Prozessorreinigungen pro Jahr wurden in unserer Kalkulation jeweils drei Stunden angesetzt sowie zusätzlich eine Stunde pro Woche für die Produktionsüberwachung (das entspricht 60 Stunden/Jahr).
  • Energiekosten. Bei einem angenommenen Druckplatten-Durchsatz von maximal 12.500 qm/Jahr (ca. 14.000 Platten im Format B1) ist Einschichtbetrieb möglich. Der Energieverbrauch ist beim Produktions- und Standby-Betrieb unterschiedlich.
  • Raummiete. Für den Prozessor mit Onlinebrücke und Plattenaufnahme (Stacker), den Platz neben und hinter dem Prozessor sowie für einen Raum für die Chemielagerung wurden 20 qm angesetzt.
  • Noch höhere Kosten. Betriebe mit hohem Plattenbedarf produzieren häufig mit zwei Computer-to-Plate-Systemen und zwei Prozessoren. Die Doppelkonfiguration mit hohen Zusatzkosten begünstigt ebenfalls den Einsatz prozessfreier Platten.

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