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Kurt Weidemann im Alter von 88 Jahren verstorben

Schriftgestalter, Typograf und unerschrockener Mahner

Mit Kurt Weidemann verliert die Kreativszene einen ihrer einflussreichsten Schriftgestalter und Typografen.

Kurt Weidemann ist tot. Er starb am 30. März 2011 im elsässischen Sélestat/Schlettstadt, wo er einen Freund besucht hatte. 

Gestalter nannte er sich schlicht oder „Dienstleister mit künstlerischem Gespür“. Kurt Weidemann war vieles: Soldat und Oberstleutnant, Schriftsetzer und Schriftgestalter, Typograf, Grafiker, Lehrer und bis ins hohe Alter hinein Berater, Kommunikator und ein Meister der pointierten Rede. Vielfach ausgezeichnet und gewürdigt (unter anderem mit dem Lucky Strike Designer Award und dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse), gehört Weidemann zu den einflussreichsten deutschen Gestaltern des 20.Jahrhunderts.

Geboren am 15. Dezember 1922 im ostpreußischen Eichmedien und aufgewachsen in Lübeck, prägten ihn die Schrecken des Krieges an der Ostfront; aus zehnjähriger Kriegsgefangenschaft kehrte er gezeichnet heim. Sein zweites Leben begann mit der Schriftsetzerlehre in Lübeck und führte ihn 1953 nach Stuttgart, wo er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Buchgrafik und Typografie studierte. Von 1965 bis 1985 lehrte er dort als Professor für „Information und Grafische Praxis“. Nicht nur handwerkliche und künstlerische Fähigkeiten wollte er ausbilden; besonders wichtig war ihm „Haltung“, im Beruf und im Leben überhaupt – Motto: „Bedenken, was man sagt, und sagen, was man denkt“.

Zudem entwarf und überarbeitete Weidemann in seinem Ein-Mann-Büro die Erscheinungsbilder etwa von „co op“, Zeiss, Merck, Daimler-Benz, Porsche und Deutsche Bahn, und gestaltete mit der erst Biblica, dann ITC Weidemann getauften Schrift einen platzsparenden und dennoch angenehm lesbaren Schriften-Bestseller – eingesetzt viele Jahre lang als Texttype auch im Deutschen Drucker . Mit der Corporate ASE für Daimler-Benz entwickelte er einen Corporate-Font zu einer Zeit, als es diesen Begriff noch gar nicht gab.

Kurt Weidemann war ein Denker. Er blickte über den eigenen Tellerrand hinaus und machte im Dienste der „verbalen und visuellen Kommunikation“ unermüdlich seinen Einfluss geltend. Befreundet mit vielen Größen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, gründete er gleich mehrere Hochschulen mit (Koblenz, Karlsruhe), und war immer zur Stelle, wenn man ihn rief. Weidemann, der unerschrockene Mahner und Wachrüttler, der so bewusst Schrift wie auch Worte setzende Kommunikator wird fehlen. In seinen eigenen Büchern und in den Publikationen und Filmen über ihn bleibt er lebendig.

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