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„Next-Generation PDF“: Wird das Dateiformat bald responsiv?

Arbeit an einem Standard, der PDFs an alle möglichen Ausgabe-Optionen anpassen soll, läuft
 

Die PDF Association bringt einen neuen Standard auf den Weg. „Next-Generation PDF“ soll reflowable PDF auf alle Displays bringen. Die bekannten Vorteile für den Druck werden weiterhin geboten.
(Bildquelle: PDF Association)

Die PDF Days Europe 2017 sind Vergangenheit. Zentrale Themen für die Publishing-Industrie auf dem Event in Berlin waren das brandneue PDF 2.0 und das in der Konzeptionsphase befindliche, responsive „Next-Generation PDF“. Nicht zuletzt konnte man bereits einen Blick auf den für die Printbranche relevanten, kommenden PDF/X-6-Standard werfen. Die Highlights der Veranstaltung lesen Sie hier auf print.de – zusammengestellt (samt der wichtigsten Vortragsvideos) von unserer Autorin Alexandra Oettler.

Mit der neuen Version PDF 2.0 ist die Einrichtung eines nicht passwortgeschützen Umschlags möglich (Unencrypted Wrapper), was man zum Beispiel für eine frei zugängliche Titelseite nützen könnte, während der eigentliche Inhalt des PDF-Dokuments verschlüsselt ist. Über die sogenannten „Assoziierten Dateien“ können dem PDF weitere, Nicht-PDF-Daten beigelegt werden; eine Technologie, die in PDF/A-3 etwa bei elektronischen Rechnungen bereits sehr erfolgreich eingesetzt wird. Der Bereich „Tagged PDF“ (strukturiertes PDF) wurde komplett aufgeräumt und unter anderem um „Pronunciation Hints“ für die Sprachausgabe von PDF erweitert, was für barrierefreie PDF-Dateien interessant ist. Die Arten der Anmerkungen wurden ausgeweitet. So sind jetzt auch 3D- und Rich-Media-Annotations möglich. Der Bereich Signaturen wurde auf aktuelle Technologien und Vorgaben hin angepasst.
Neben Verbesserungen für die Langzeitarchivierung gibt es jetzt auch einen Document Time Stamp, DTS, und eine Unterstützung für Geo-Koordinaten. Metadaten basieren in PDF 2.0 auf XMP (selbst ebenfalls ein Standard) und es wurden Document Part Metadata „DPM“ und „DPart“ eingeführt. Dies ist eine Anweisung, die ursprünglich aus PDF/VT stammt. Dafür ist der „DocInfo“-Eintrag abgeschafft worden. Neu hinzugekommen ist auch die Beschreibung und Handhabung der Tiefenkompensierung (Black Point Compensation), was auch auf PDF/X-6 Auswirkungen haben wird. Output Intents lassen sich nun seitenweise zuweisen; auch dies ist wichtig für PDF/X-6. Bezüglich Transparenz werden spektrale Daten (CxF) unterstützt und die 3D-Umsetzung verbessert. Es wurden auch einige Punkte abgeschafft. So ist zum Beispiel OPI kein Thema mehr.

Neuigkeiten für die Druckindustrie.
Dov Issacs von Adobe Systems zeigte auf, was es für Folgen haben wird, dass das kommende PDF/X-6 auf PDF 2.0 basiert. Er sieht durch das Hinzukommen der Tiefenkompensierung (die übrigens selbst ein ISO-Standard ist) durchaus auch Probleme für den in Arbeit befindlichen Substandard. Gerade im Zusammenhang mit den Neuerungen rund um Transparenzen ist Vorsicht geboten. Dov Issacs empfiehlt daher unter PDF/X-6 Transparenzgruppen nur gezielt zu verwenden. Mit PDF 2.0 werden Output Intents seitenweise möglich. Wie dies in Erstellungsprogrammen und Viewern umgesetzt wird, ist laut Dov Issacs noch weitgehend offen. Was soll etwa beim Scrollen geschehen, wenn gleichzeitig zwei Seiten mit jeweils eigenem Output Intent dargestellt werden sollen? PDF/X-6 muss in der Lage sein, Output-Intent-Punkte zu steuern, etwa auch bei platzierten PDF-Dateien. Auch spektrale Farben – CxF –, die etwa in der Verpackungsindustrie Verwendung finden, werden mit PDF/X-6 berücksichtigt werden.
Bei PDF/X-6 wird eher seitenmäßig gedacht, wie man es von PDF/VT her kennt. Es sind etwa Seitentypen für Text, Cover und weiteres möglich. Dies wird Auswirkungen auf RIPs und Jobtickets haben. Insgesamt sollen Verbesserungen für Digitaldruck und eine engere PDF/A-Integrierung zu erwarten sein. Auch die Handhabung von Formularen dürfte einfacher werden. Etwa 2018/19 soll PDF/X-6 in drei Konformitätsleveln veröffentlicht werden.

  

PDF auf allen Ausgabekanälen.
„Next-Generation PDF“ ist der Arbeitstitel für einen von der PDF Association initiierten Standard, der das Dateiformat für alle möglichen Ausgabe-Optionen – sei es digital oder gedruckt – anpassen soll. Gleich mehrere Referenten steuerten in einem Special-Track ihre Ideen für ein responsives PDF bei, darunter Matt Kuznicki (Adobe) in einer Keynote. In seinem per Internet zugespielten Beitrag zu „Next-Generation PDF“ zeigte Duff Johnson, Geschäftsführer der PDF Association, dass vor allem die Verbesserungen von strukturiertem PDF, die mit PDF 2.0 erreicht wurden, für ein komplett Multichannel-fähiges PDF entscheidend sind. Er wies zudem darauf hin, dass „Next-Generation PDF“ viel leistungsfähiger sein wird, als HTML beziehungsweise HTML5 es allein je sein könnten, da bei letztgenannten Formaten die verbindliche Repräsentation für den Druck fehlt. Über einen Algorithmus lässt sich aus getaggtem PDF eine HTML-Ausgabe ableiten. Das PDF selbst könnte alle Informationen zu einer Darstellung auf verschiedensten Geräten (Smartphone, Tablet, Monitore, Smartwatch) enthalten und bereitstellen. Dasselbe PDF ließe sich zudem in gewohnter Qualität in verschiedenen Druckverfahren ausgeben.

 

Nähere Informationen zu „Next-Generation PDF“ und den PDF Days Europe 2017 finden Sie im aktuellen Deutschen Drucker Nr. 12/2017. [882]

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