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Eine Giraffe ohne Kopf – das schönste der schönsten deutschen Bücher 2012 …

Die Stiftung Buchkunst feiert ihre Preisträger im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst
 

Von links: Markus Götzfried, Druckerei Pustet, Regensburg, Suhrkamp-Herstellerin Ute Fahlenbock, Autorin + Gestalterin Judith Schalansky sowie Suhrkamp-Lektorin Dr. Doris Plöschberger.

Das Geheimnis ist gelüftet: Dr. Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, verkündete am Ende seines flammenden Plädoyers fürs Buch (und fürs Fernsehen), an wen der Preis der Stiftung Buchkunst geht: an Inge Lohmark. Inge wer? Gratulation und Urkunde nahm dann freudestrahlend Judith Schalanksy entgegen. Sie ist die Autorin und Gestalterin des Suhrkamp-Titels „Der Hals der Giraffe“; die Protagonistin in diesem „Bildungsroman“ heißt Inge Lohmark. In seiner Begeisterung hatte Peter Frey die Schöpferin mit ihrer Schöpfung eins werden lassen.

 
 

Judith Schalansky ist eine Gestalterin im doppelten Wortsinn: mit Wörtern formulierend, entwirft sie Welten, in die man als Leser unmittelbar hineingezogen wird; zudem gibt sie als ausgebildete Kommunikationsdesignerin ihren Texten sensibel die bestmögliche Form. Inhalt, Typografie, Materialwahl – alles aus einer Hand. Im Reigen der Hochglanzcover fällt der Einband aus griffigem groben Leinen auf (es geht auch ohne Umschlag!); nicht weniger auffallend ist das Giraffenskelett darauf, kopflos, aber mit schönem, langem Hals. Auch innen ist alles aufs feinste komponiert: Schriftwahl (Miller Text von Matthew Carter), Satzspiegel, lebender Kolumnentitel – die Typografie bietet Lesefreude pur. Hinzu kommen sparsam eingestreute zarte, historische Abbildungen von Quallen, Fruchtfliegen, einer Fledermaus, nicht zu vergessen die Steller’sche Seekuh. Denn darum geht es in diesem Roman: um Evolution, um die Naturgesetze, für deren Einhaltung Inge Lohmark kämpft – als Biologielehrerin an einer Schule im vorpommerschen Hinterland, der langsam die Schüler ausgehen. 

"Wiederholungstäterin"

Bereits zum zweiten Mal wurde Judith Schalansky mit dem Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet („Atlas der abgelegenen Inseln“, 2010). Sie erweist sich als kreative Reiseverführerin in fremde Regionen, ob es nun um Inseln geht, „auf denen ich nie war und nie sein werde“, oder um die Gedankenwelt einer alternden Biologielehrerin. Judith Schalansky machte in Frankfurt noch etwas anderes deutlich: schöne Bücher zu machen, ist Teamarbeit. Sie holte deshalb ihre Lektorin Dr. Doris Plöschberger, die Suhrkamp-Herstellungsleiterin Alexandra Stender, die Herstellerin Ute Fahlenbock und für die Druckerei Pustet Markus Götzfried mit auf die Bühne. Applaus! Nicht unterschlagen sei, dass der Einband-Siebdruck von Seismografics stammt.

Herausgelöst aus dem Kontext der Buchmesse

 
 

Die Preisverleihung des umstrukturierten Wettbewerbs der Stiftung Buchkunst fand erstmals im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst statt und soll so, herausgelöst aus dem Kontext der Buchmesse, aufgewertet werden. Karin Schmidt-Friderichs, die Stiftungsvorsitzende, führte gemeinsam mit der neuen Geschäftsführerin Alexandra Sender charmant durch die Veranstaltung. Manches mag noch optimierbar sein, insgesamt war es eine gelungene Premiere. Es begann mit der Verleihung der Urkunden für die nun exakt 25 schönsten Bücher aus nur noch fünf Sachgruppen. Die drei mit jeweils 2.000 Euro dotierten „Förderpreise für junge Buchgestaltung“ überreichte Prof. Dr. Felix Semmelroth, Frankfurts Dezernent für Kultur und Wissenschaft, den mit 10.000 Euro ausgestatteten „Preis der Stiftung Buchkunst“ übergab Eva Kühne-Hörmann, Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kultur.
Die prämierten Bücher sind auch dieses Jahr während der Frankfurter Buchmesse ausgestellt. Vorab kann man sich im punktgenau zur Preisverleihung erschienenen Katalog (16 Euro) informieren. Weitere Infos unter: www.stiftung-buchkunst.de

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