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Metallpartikel in Offsetfarben: Kleine Ursache, große Probleme

Mit Metallspänen verunreinigte Druckfarbenchargen von Epple haben bereits zu Millionenschäden geführt
 

Vergrößerung einer Probe, bei der metallische Partikel in Druckfarbe gefunden wurden.

Was würden Sie tun, wenn sich im Farbwerk Ihrer Bogenoffset-Druckmaschine metallische Partikel fänden, die nicht dorthin gehören? Sie würden sicher nach der Ursache forschen. Wenn Sie die Walzen im gesamten Farb-/Feuchtwerk absuchen, stoßen Sie möglicherweise auf des „Pudels Kern“: Metallische Partikel mit geometrischen Ausmaßen zwischen etwa 0,1 mm und 0,8 mm Größe. In den Bogendruckmaschinen beschädigen die Metallsplitter dann vor allem die Feuchtdosierwalzen und auch einen Teil der Elastomerwalzen. Diese Erfahrung haben einige namhafte deutsche Druckereien bereits gemacht. Und alle verwendeten Bogenoffset-Druckfarben des Herstellers Epple Druckfarben AG.

Eine bekannte Druckerei reklamierte bereits im Jahr 2013 bei ihrem Druckmaschinen- und Verbrauchsmaterial-Lieferanten, dass an unterschiedlichen Walzen in Farb- und Feuchtwerken der drei Bogendruckmaschinen kleine glänzende Partikel haften blieben, die mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Druckfarbe stammten. Es waren auch bereits Oberflächenbeschädigungen an verschiedenen Walzen aufgetreten. Im Laufe der Zeit kamen weitere Fälle von betroffenen Druckereien hinzu, allesamt bekannte Adressen in der Branche. Im Rahmen genauer Untersuchungen an beschädigten Bogendruckmaschinen durch Sachverständige und Gutachter wurde ermittelt, ob und in welchem Umfang mögliche Partikel vorhanden waren. Auch wurde gründlich untersucht, um was für Partikel es sich handelte und woher diese Partikel stammten.

Dazu wurden Walzen aus den Bogendruckmaschinen sowie Proben von Druckfarben im Labor untersucht. Alle Druckereien verwendeten Druckfarben desselben Herstellers, der Firma Epple Druckfarben AG. Dabei war es das Ziel, einzelne Partikel zu lokalisieren, zu separieren und hinsichtlich der Materialbeschaffenheit zu identifizieren. Auch Proben von im Original verpackten Druckfarben von Epple Druckfarben wurden im Labor untersucht.

Die Untersuchungsergebnisse zeigten eindeutig und schlüssig nachvollziehbar, dass auf nahezu allen untersuchten Walzen über die gesamte Walzenoberfläche metallische Teilchen mit gratiger, stengelförmiger, spanförmiger oder auch plättchenförmiger Form vorhanden waren. Beim Werkstoffmaterial dieser Teilchen handelt es sich um einen gehärteten Werkzeugstahl.

Des Weiteren ergab sich bei den umfangreichen Untersuchungen, dass in einer Reihe inspizierter Farbdosen der Epple Druckfarben AG in erheblichem Umfang metallische Teilchen des aus den untersuchten Kugelmühlen bei Epple stammenden Werkstoffes vorhanden waren. Die äußere Erscheinung der metallischen Teilchen in den Farbdosen entsprach dem Aussehen der metallischen Teilchen auf den Walzenoberflächen. 

Recherchen zur Ursache ergaben, dass die metallischen Teilchen von den Kugeln der Kugelmühlen stammen, die Druckfarbenhersteller wie die Firma Epple verwenden, um Farben fein zu dispergieren. Denn aufeinander prallende Stahlkugeln erzeugen einen Mahleffekt. Werden die Kugeln aber nicht von Zeit zu Zeit ausgetauscht bzw. ersetzt, treten durch zu langen Gebrauch mechanische Überbelastungen an ihnen auf, zum Beispiel Dauerermüdungsbrüche. Es treten Risse an der gehärteten Kugeloberfläche auf und die nächste Folge sind abgeplatzte Metallpartikel. Diese gelangen dann mit der Farbe in die Druckfarbendosen.

In einigen Fällen wurden die Schäden im niedrigen siebenstelligen Euro-Bereich vom Haftpflichtversicherer der Firma Epple nach Vorlage einiger Gutachten reguliert, bei einem in diesem Jahr gemeldeten Schaden an mehreren Bogendruckmaschinen einer großen Online-Druckerei hat man seitens der Epple Druckfarben AG keine außergerichtliche Einigung gefunden und alle Reklamationen abgestritten, so dass nach Vorlage der diesbezüglichen Sachverständigengutachten Klage beim Landgericht Dresden eingereicht wurde (Az.: 44 HK O 242/15).

Eine weitere, große Online-Druckerei lässt derzeit ein Sachverständigengutachten über gleich gelagerte Schäden an ihren Bogendruckmaschinen erstellen.

Der betroffene Hersteller (Epple Druckfarben) betont auf Nachfrage von print.de/Deutscher Drucker, dass der aktuelle Sachverhalt nicht vergleichbar mit zurückliegenden Vorgängen sei. „Es handelt sich um grundverschiedene Fälle. Reklamationen sind stets individuell zu prüfen; es gibt weder aus tatsächlichen noch aus rechtlichen Gründen Anlass dazu, Bewertungen aus einem Reklamationsfall auf andere Fälle zu übertragen", berichtet uns Vorstand Dr. Carl Epple. „Es gibt im Moment einen Rechtsstreit mit einem Kunden, der der Meinung ist, ein fehlerhaftes Produkt geliefert bekommen zu haben. Der Fall wurde sorgfältig auf unsere Initiative hin von neutralen Sachverständigen untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen führen zu dem Schluss, dass die gegen Epple erhobenen Ansprüche unbegründet sind, die Farbe von Epple keinen Schaden verursacht hat", so Dr. Epple weiter. Angesichts ihrer QS-Standards scheue die Epple Druckfarben AG auch keine rechtliche Auseinandersetzung, „mag sie noch so langwierig und aufreibend sein", so Epple abschließend.

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Leserkommentare (3)

Wolfgang >Henkel | Dienstag, 12. Januar 2016 09:06:04

Metallpartikel in Offsetfarben


Sehr geehrte Damen , Herren und Fachleser von print.de,
wenn jemand solch ein Artikel verfasst und gezielt ein Unternehmen in dieser Art und Weise
versucht zu deformieren und das in einer Unsachlichkeit , dass grenzt schon an Inkompetenz .
Eine Druckmaschine ist schon eine komplexe Herausforderung , die, wenn man sich aber auskennt , Abläufe inne hat ,die an allen Typen dieser Baureihen gleich oder ähnlich sind .
Druckfarben haben , wenn sie in einen Farbkasten eingebracht wird ,immer speziell durch
äußere Einwirkung , die Tatsache , dass sich dort auch Schmutzpartikel ansammeln von wo auch immer ! Wenn man jetzt den Prozess des Ablaufes betrachtet und den Weg der Farbe verfolgt , ist bei Systemen , die einen Maximalen Öffnungsschlitz von 0,5 mm haben , es gar nicht möglich , Partikel größer 0,5 mm in das eigentliche Farbwerk zu transportieren .
Dann stellt sich mir noch die Frage , was sich im Farbwerk befindet , verursacht keinen Schaden an Farbreiber und Farbwalzen , oder ?? Ausschlieslich im Feuchtwerk !
Das ist technisch schon sehr hypothetisch und für einen Fachmann , so nicht nachvollziehbar .
Meine Tätigkeit in Fachgebiet Druckmaschinenbau , mit Entwicklungstätigkeiten ( Neuproduckte) und Serviceverantwortung über einen Zeitraum von 47 Jahren , sieht diesen Artikel wie er inhaltlich verfasst und dargestellt wird , mehr als unsachlich und sehr einseitig .
Mit freundlichem Gruß
Wolfgang Henkel

Dr. Gert Meyer | Freitag, 08. Januar 2016 14:27:47

Metallpartikel in Offsetfarben

Viele Offset-Druckereibetriebe, die in der Vergangenheit Farben aus der Produktion der Epple Druckfarben AG eingesetzt haben, werden zurzeit prüfen, ob die Walzen ihrer Maschinen beschädigt sind. In mehreren Fällen hatten Metallpartikel, mit denen die Druckfarben des Herstellers kontaminiert waren, zu Schäden an den Druckmaschinen geführt.

Solche Schäden hat auch eine große Online-Druckerei aus Sachsen festgestellt und daraufhin den öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Druckmaschinen, Dr. Ing. Colin Sailer, München, mit der Feststellung der Schadensursache beauftragt. Nachdem Herr Dr. Sailer am 06.07.2015 sein Gutachten zur Schadensverursachung vorgelegt hatte, wurde ihm durch den Haftpflichtversicherer des betroffenen Druckfarbenherstellers jedoch nahe gelegt, für den geschädigten Druckereibetrieb nicht weiter tätig zu werden.

Was war geschehen?

In den Jahren 2014 und 2015 hatte Herr Dr. Sailer Gutachten im Zusammenhang mit zwei gleichgelagerten Schadenfällen gefertigt. Geschädigt waren in beiden Fällen Druckereibetriebe, die die Farben des betroffenen Herstellers Epple verwendet hatten.

Nachdem man in einem der betroffenen Betriebe auf den Schaden aufmerksam geworden war, informierte man den Hersteller der betroffenen Druckmaschine und den Zwischenhändler, über den man die Farben aus dem Haus Epple bezogen hatte, die daraufhin, am 06.03.2014, Herrn Dr. Sailer mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt haben, und zwar mit der Aufgabenstellung, die Ursache für die Metallpartikelablagerungen auf den Druckwalzen herauszufinden.

Das von Herrn Dr. Sailer daraufhin gefertigte Gutachten vom 03.05.2014 kam zu dem Ergebnis, dass die Verantwortlichkeit für den Schaden bei dem Hersteller der Druckfarben liegt. Auf Grund dessen wurden in der Folgezeit die von zwei Druckereibetrieben geltend gemachten Schäden reguliert.

In seinem Gutachten vom 06.07.2015 für die nunmehr betroffene Online-Druckerei aus Sachsen nahm der Sachverständige Dr. Sailer auf seine Feststellungen in dem früheren Gutachten (vom 03.05.2014) Bezug. Daraufhin erhielt Herr Dr. Sailer am 29.07.2015 eine eMail der zuständigen Sachbearbeiterin des Haftpflichtversicherers, durch die er aufgefordert wurde, die im Zuge der früheren Begutachtung erhaltenen Informationen aus Gründen der Geheimhaltung nicht mehr zu verwenden. Der Sachverständige sei nicht befugt, die aus den früheren Schadensfällen gewonnenen Erkenntnisse zu verwerten. Abschließend wurde mitgeteilt, man behalte sich sämtliche Rechte vor.

Am selben Tag war es zu einem Telefonat zwischen der Mitarbeiterin des Versicherers und Herrn Dr. Sailer gekommen, in dessen Verlauf dem Sachverständigen sogar Parteiverrat vorgeworfen worden war. Ihren Hinweis auf eine hier vermeintlich bestehende Geheimhaltungspflicht bekräftigte die Mitarbeiterin des Versicherers Herrn Dr. Sailer gegenüber in einer weiteren eMail vom 30.07.2015, woraufhin sich Herr Dr. Sailer entschloss, mit rechtlichen Mitteln gegen den einem Teil-Berufsverbot gleichkommenden „Maulkorberlass“ des Versicherers vorzugehen.

Gegenüber dem Versicherer wurde auf die Urheberrechte des Verfassers eines derartigen Gutachtens hingewiesen die höchstpersönlich und damit nicht übertragbar sind. Ferner wurde dargelegt, dass sich eventuelle Geheimhaltungspflichten nur auf Tatsachen beziehen können, die vom Auftraggeber anvertraut wurden, nicht aber auf etwaige durch die Gutachtertätigkeit gewonnenen Ergebnisse und Schlussfolgerungen. Der Versicherer vertrat im Verlauf der sodann anwaltlich geführten Korrespondenz die Auffassung, die Nutzungsrechte an dem ursprünglichen Gutachten (vom 03.05.2014) seien auf ihn übergegangen, da dieser im Zuge der Schadensregulierung auch die Gutachterkosten getragen habe.

Mittlerweile ist beim Landgericht München unter dem Aktenzeichen 21 O 15898/15 eine Klage des Sachverständigen Dr. Sailer gegen den Versicherer anhängig, durch die festgestellt werden soll, dass dem Versicherer bezüglich des (von dritter Seite beauftragten) Gutachtens vom 03.05.2014 keine Nutzungsrechte zustehen, die zu einer Verletzung der Geheimhaltungspflicht seitens des Sachverständigen hätten führen können.

Dr. Gert Meyer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht

Dr. Colin Sailer | Dienstag, 05. Januar 2016 17:34:38

"Metallsplitter in Offsetfarben: Kleine Ursache, große Probleme"

Wenn Herr Dr. Epple schreibt, dass der aktuelle Sachverhalt bei der großen Online-Druckerei nicht vergleichbar mit zurückliegenden Vorgängen ist, dann ist dies einfach falsch. Ich habe im Auftrag von Heidelberger Druckmaschinen und im Auftrag einer Nürnberger Druckerei von Anfang 2014 bis Mitte 2015 vier Schadensfälle im Zusammenhang mit kontaminierten Bogenoffsetdruckfarben der Fa. EPPLE Druckfarben AG als Sachverständiger behandelt. Damals wie auch jetzt konnten eindeutig Metallsplitter der Größenordnung 0,1 mm bis 0,8 mm in den Druckfarben nachgewiesen werden. Diese Metallsplitter waren scharfkantig und hart und haben die Walzen der Farb- und Feuchtwerke der Bogenoffsetdruckmaschinen stark beschädigt. Ein Vergleichsgutachten über die Materialzusammensetzung dieser Metallsplitter in den Druckfarben der Fa. EPPLE Druckfarben AG wurde damals in Auftrag gegeben und Herr Kollege Dipl.-Ing. Werner Kachler (von der IHK öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schadensanalytik metallischer Werkstoffe mit mikroskopischen Methoden) hat in seinem Gutachten vom 24.07.2014 eindeutig bestätigt, dass diese Metallsplitter von den Kugeln der Kugelmühlen stammen. Da die untersuchten Druckfarben von der Fa. EPPLE Druckfarben AG waren, sind dann wohl auch die Metallsplitter von deren Kugeln. Sowohl die Metallsplitter wie auch die Kugeln sind aus dem Kugellagerstahl 100Cr6 (Werkstoffnummer: 1.2067). Diese Metallsplitter in den Druckfarben haben dann verschleißbedingt hauptsächlich die harten Chrom- bzw. Edelstahloberflächen der Feuchtdosierwalzen beschädigt.

Bei dem jetzt am Landgericht Dresden anhängigen Verfahren der großen Online-Druckerei gegen die Fa. EPPLE Druckfarben AG wurden von mir als Parteigutachter dieser Online-Druckerei mit großer Sorgfalt unzählige Druckfarbenchargen der Fa. EPPLE Druckfarben AG mit den gleichen Methoden untersucht wie im Jahr 2014 von mir und auch von Herrn Kachler. Die metallischen Rückstände in den Druckfarben wurden mit Hilfe des Rasterelektronenmikroskops LEO 1525 und mit Hilfe der energiedispersiven Mikroanalyse EDAX-Phoenix charakterisiert. Die Nachweise, dass die Beschädigungen, vor allen Dingen der harten Feuchtdosierwalzen, von diesen Metallpartikeln herrühren, konnten zweifelsfrei und schlüssig nachvollziehbar erbracht werden. Umfangreiche Sachverständigengutachten hierzu liegen vor.

Dr. Colin Sailer
Sachverständiger für Druckmaschinen
Von der IHK öffentlich bestellt und vereidigt

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