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Verschollen im Wörterdickicht

Mit dem Lesikon erfindet die Gestalterin Juli Gudehus eine neue Buchgattung

Das "Lesikon" von Juli Gudehus.

Eine „Collage“ nennt die Verfasserin Juli Gudehus ihr „Lesikon der visuellen Kommunikation“. Auf 3.000 Seiten versammelt sie, unterstützt von 3.513 „Co-Autoren“, zu 9.704 Begriffen des Kreativlebens Definitionen, Zitate, Kommentare, darunter Naheliegendes wie Quergedachtes. All dies wird nicht einfach in alphabetischer Reihenfolge abgearbeitet wie in einem Lexikon, sondern zu 508 Kapiteln gruppiert.

Das mehrere dreispaltig gesetzte Seiten in Anspruch nehmende Inhaltsverzeichnis liest sich wie eine Geschichte. Sie beginnt mit „Vorab“ und endet mit „PS“, dazwischen führen „Frühlingsgefühle“ und „Werbestrategie“ zu „Bindung“ und „Hochzeit“, es folgen „eine schwere Geburt“ mit „Prägung“ und „Erziehung“ sowie allerlei „Spiele“ und auch „Regeln“.

Wer sich festliest, sollte auf der Hut sein, denn Juli Gudehus nimmt die Sprache beim Wort. So entdeckt man im Kapitel „Hand und Fuß“ etwa das Lemma „Bofinger“ (Max B., Karikaturist und Illustrator) und bei „Handsatz“ steht: „Einzelnes Handzeichen, das einen ganzen Satz repräsentiert, wie z.B. ,Bei Dir piepst’s wohl‘“. Der verblüffte Leser wird mittels Verweis noch zu Seite 2.094 geschickt, wo es dann ums Setzerhandwerk geht.
Tatsächlich bewegte die bildhafte Sprache der Schriftsetzer mit Begriffen wie Hurenkind, Brotschrift und Laufweite Juli Gudehus zu dem 2001 gestarteten Projekt. Die Freude am Spiel mit Wörtern und Assoziationen, am Perspektivwechsel und über den Tellerrand Hinausschauen tat ein Übriges. Ihr Ziel war, die Omnipräsenz der visuellen Kommunikation bewusst zu machen. Und dank des Stichwortverzeichnisses am Ende ist das bilderlose Lesikon auch gezielt als Nachschlagewerk zu benutzen.

Doch wie nutzerfreundlich kann ein solcher Wälzer sein? Das Buch ist nicht nur inhaltlich, sondern auch typografisch und produktionstechnisch ein herausragendes Werk. Die ausgetüftelte Gestaltung stammt von Juli Gudehus selbst, unterstützt wurde sie bei der satztechnischen Umsetzung von Andreas Trogisch (Blotto Design). Gedruckt wurde auf hauchdünnem Bibeldruckpapier, als Lesezeichen sind jedem Exemplar fünf individuelle Fundstücke der Alltagstypografie beigegeben.

Die klebegebundene Broschur zeigt ein gutes Aufschlagverhalten und beweist im maßgeschneiderten Schuber Stehvermögen. Zudem wurde das Buch, das im Verlag Hermann Schmidt erschienen ist und von C.H.Beck produziert wurde, erst kürzlich von der Jury der Stiftung Buchkunst als eines der schönsten deutschen Bücher 2010 prämiert. Wichtig: Bis 31. Dezember gilt der Subskriptionspreis von 80 Euro (danach kostet es 100 Euro).   

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