Wohin entwickelt sich die Druckindustrie?

Ein Blick in die Zukunft

Die Zeit des Bleisatzes ist in der Druckindustrie längst vorbei. Doch wie sieht die Zukunft aus?

„Print is back“ – konstatierte Medienunternehmer Hubert Burda kürzlich für die Zeitschriftenverlage kämpferisch. Nach schwierigen Jahren blicken diese wieder positiv in die Zukunft. Ähnlich verkünden es die Buchverlage. Sind dies gute Botschaften auch für die gesamte Druckindustrie? Wie stark Print und die Druckbranche selbst in Zukunft sein werden, versucht der BVDM zu beantworten.

Zunächst die Bestandsaufnahme: Rund 40,1 Mio. Menschen lesen täglich regionale Zeitungen und 3,9 Millionen überregionale Zeitungen. Fast 66 Millionen Personen lesen in Deutschland Zeitschriften. Das sind 93,5 % der Bevölkerung ab 14 Jahren. Jeden Tag werden aktuell 24,7 Millionen Exemplare Zeitungen gedruckt. Über eine Milliarde Bücher wurden 2010 in Deutschland produziert.

Print ist derzeit Medium Nummer eins. Doch wie stark werden Print und die Druck-industrie künftig sein? Die kürzlich von der EU-Kommission unterstützte Studie zur Restrukturierung der europäischen Druckindustrie sieht die Branche europaweit und übergreifend in einer rückläufigen Bewegung. Die vom britischen Forschungsunternehmen Facta Consult durchgeführte Studie diagnostiziert: Sowohl Überkapazitäten als auch Preiswettbewerb betreffen die gesamte Branche.
Die veränderte Mediennutzung der Verbraucher schwächt die Nachfrage nach Druckerzeugnissen. Dies werde auch Auswirkungen auf die Beschäftigtensituation haben.
Bei einem Blick auf die Verteilung der Werbe-budgets prognostizieren die Forscher nur stagnierende bis leicht wachsende Märkte für Print. Derzeit ist Print mit einem Marktanteil von fast 50 Prozent stärkster Werbeträger. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group schätzt, dass sich der Anteil der elektronischen Werbung in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln wird. Bis 2015 könnte die Hälfte der Werbebudgets in diesen Bereich fließen. Der Global Entertainment und Media Outlook 2010–2014 der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers geht davon aus, dass 2014 der Anteil der digitalen Umsätze aus den Bereichen Internet-Zugang, -Werbung und -Content bereits ein Drittel des Gesamtmarktes aus-machen wird.
Ihr Ausblick: Auch die klassischen Printmedien werden wieder leicht zulegen, jedoch nur im Vergleich zum Krisenjahr 2009. Die Werte früherer Jahre werden nicht erreicht werden. Im Ergebnis lautet die Prognose bis 2014: Internet und Mobilanwendungen wachsen um +11,1%, Printmedien dagegen nur leicht: Fachzeitschriften +3%, Außenwerbung +1,9%, Zeitungsanzeigen +0,5%.

Die Autorin Gabi Schermuly-Wunderlich ist Pressesprecherin des Bundesverbandes Druck und Medien (BVDM) und zugleich verantwortlich für den Verlag und das Veranstaltungsmanagement der Print & Media Forum AG, einer Tochtergesellschaft des BVDMs.

Zukunftsoptimismus? Befindet sich die Branche in der Stagnation? Größer noch als der Trend zu mobilen Anwendungen scheint der Trend zur Zukunftsangst. Diese sieht Zukunfts- und Trendforscher Mathias Horx derzeit in fast allen Lebensbereichen. Die Folge sei eine chronische Depression, die unsere Gesellschaft lähme und echten Wandel verhindere. Es sei höchste Zeit für mehr Zukunftsoptimismus, fordert er.
Ähnliches gilt auch für die Druckindustrie und ihre Unternehmen. So macht die EU-Studie unter Federführung von Intergraf bei allem Pessimismus auch Chancen aus. Voraussetzung sei, dass Unternehmen und Beschäftigte bereit und in der Lage seien, neue Technologien zu nutzen, sich neue Märkte zu erschließen und flexibel zu bleiben.
So unterschiedlich die Druckverfahren von Tiefdruck, Rollendruck bis hin zu Digitaldruck und Flexografie, deren spezifischen Märkte und Perspektiven sind, so unterschiedlich sind auch die Zukunftsstrategien und Erfolgswege der Unternehmen.
Der Unternehmensberater Philipp Wolde von  Realitymaker in Hamburg gibt allen gemeinsam einen Rat: Den Mut zum Print-Innovation-Cycle haben! Nur Unternehmen, die bereit sind, sich permanent zu erneuern und ihre Geschäftsmodelle auf ihre Kundenbedürfnisse auszurichten, können letztendlich auch erfolgreich sein. Wolde: „Erfolgreiche Druck- und Medienunternehmen geben ihren Kunden Antworten, bevor es andere tun!“
Wachsen und spezialisieren. Wo sind also die Chancen der Druck- und Medienindustrie in der Zukunft? Zwei gegensätzliche Trends sind erkennbar: Eine stärkere Industrialisierung und gleichzeitig eine stärkere Spezialisierung der Unternehmen auf profitable Geschäftsfelder.
Die schnellen Innovationszyklen und damit verbundene Investitionskosten und Risiken führen dazu, dass viele Unternehmen nur durch Größe und Rationalisierung ihr Überleben im stärker werdenden Wettbewerb sichern können. Weniger betroffen sind kleinere Betriebe, die sich spezialisieren und teils auch in Kooperationen den Kunden unverwechselbare Dienstleistungen bieten.

Print und Online im Mix. Die Medienmärkte wachsen zusammen. Online beflügelt Print. Neue hybride Werbeformen, das heißt ein Medienmix zwischen Print und Online-Medien, entwickeln sich. Corporate-Publishing und Crossmedia-Produkte sind und bleiben sichere Wachstumsmärkte. Ebenso wächst der Digitaldruck in all seinen Facetten im Klein- und Großformat. Nach der Pira-Studie soll der Digitaldruck spätestens im Jahr 2020 das dominierende Druckverfahren sein.

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