Factoring kann sinnvoll sein – aber nicht für jeden Betrieb
29.07.2010 Redaktion print.de
Prof. Dr. Manfred Goeke
Finanzierungsstrategie. Liquidität ist Trumpf. Gerade in Zeiten langsam zahlender Kunden und knauseriger Banken. In dieser Situation kann Factoring eine sinnvolle Finanzierungsalternative für mittelständische Unternehmen darstellen – allerdings nicht für jeden Betrieb. Ebenso verfügt nicht jeder Factoring-Dienstleister über das nötige Know-how für die Druckereibranche. Es gilt also, vorher genau hinzuschauen.
Die Vorleistungen im Druckerei- und Papiergewerbe sind meist erheblich, und bis das Geld für einen erledigten Auftrag dann auf dem Konto ist, vergeht viel Zeit. Wer hier keinen Puffer hat, steht schnell vor einem bedrohlichen Engpass. Eine zunehmend laxe Zahlungsmoral verschärft diese Situation noch. Immerhin können Unternehmen die Zahlungseingänge beschleunigen, wenn sie ihre Forderungen verkaufen. Factoring nennt sich das Prinzip, bei dem ein externer Dienstleister offene Rechnungen gegen eine Gebühr abkauft und das komplette Forderungsmanagement übernimmt.
Der Ruch des Unseriösen umweht Factoring hierbei schon längst nicht mehr. Vielmehr ist es breiter Konsens bei Unternehmen und Banken, dass Factoring in vielen Branchen Chancen eröffnet. Das gilt insbesondere dann, wenn sich dadurch die Liquidität nachhaltig verbessern lässt.
Finanzpolster oft dünn. Gerade das Druckereigewerbe kämpft mit der Zurückhaltung vieler Banken. Monika Hämmerling, Geschäftsführerin der Idee Druckhaus GmbH aus Bedburg, beklagt etwa die zunehmenden Schwierigkeiten, bei den Banken genug Vertrauen zu erhalten.
„Vielen Unternehmen fällt es mittlerweile schwer, bei Umsätzen von 200000 Euro einen Kontokorrentkredit von 100000 Euro zu bekommen“. Die Berater der Creditreform e.V. plädieren daher für neue Wege, wenn es um die Finanzierung geht: „Heute, in Zeiten von Basel II, sollten gerade kleinere und mittelständische Unternehmen alternative Finanzierungsformen für ihr Unternehmen prüfen“. Professor Dr. Manfred Goeke, Wirtschaftswissenschaftler an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart, präzisiert: „Insbesondere wo es um Liquidität geht, ist Factoring ein wichtiges Thema“. Klar, wer seine Forderungen verkauft, hat in der Regel weniger Außenstände.


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