RFID bringt Papier ins Rollen
Papierrollenlogistik
13.07.2011 Martina Reinhardt
Bei der RFID-Lösung von Stonegarden Technologies befindet sich der RFID-Transponder im Rollenkern – und bleibt damit bis als Identifikationsmerkmal erhalten, bis die Rolle komplett aufgebraucht ist.
Wer kennt das nicht? Die Papierrolle ist beschädigt, sorgt für Stopper in der Maschine und hinterher will es keiner gewesen sein. Die lückenlose Warenrückverfolgung sowie die eindeutige Identifikation der Papierrollen kann nicht nur das Reklamationshandling vereinfachen, sondern auch den gesamten Logistikprozess in der Papierfabrik sowie in der Druckerei optimieren. Einen Lösungsansatz bietet die RFID-Technologie im Rollenkern.
Die Unternehmen der papierproduzierenden und -verarbeitenden Industrie werden zunehmend mit steigenden Anforderungen an die Waren(rück)verfolgung konfrontiert. Vor dem Hintergrund steigender Kundenanforderungen und neuer gesetzlicher Bestimmungen sowie aufgrund des Kosten- und Innovationsdrucks stehen die intralogistischen Prozesse zunehmend auf dem Prüfstand.
Eine besondere Rolle fällt dabei der Logistik der Papierrollen zu, sei es als Fertigware in den Papierfabriken oder als Rohstoff in den Verarbeitungswerken, wie beispielsweise einer Druckerei – und hier gibt es eine Menge Optimierungspotenzial. Dabei geht es zum einen darum, Kosten zu sparen, indem Materialbeschädigungen sowie Verluste aufgrund von Fehlabläufen oder unsachgemäßen Transportvorgängen vermieden werden. Zum anderen muss die Qualitätssicherung verbessert, die Rückverfolgbarkeit sichergestellt und das Reklamationshandling vereinfacht werden – jeweils zum Vorteil aller Beteiligten.
Grundvoraussetzung für die optimierte Papierrollenlogistik ist die lückenlose Warenverfolgung und damit die maximale Transparenz in Bezug auf Transport- und Verarbeitungsprozesse für jede einzelne Papierrolle über die Supply-Chain hinweg. Die Umsetzung dieser Anforderung in den oftmals über viele Jahre gewachsenen Produktions- und Lagerverwaltungssystemen, stellt für die Unternehmen eine besondere Herausforderung dar. Die zurzeit etablierten Systeme zur Rollenverfolgung basieren typischerweise auf der Barcode-Technologie. Den Anspruch der Unternehmen auf Fehlerquoten nahe null und auf durchgängig nachverfolgbare Prozesse können diese Systeme allerdings meist nur mit hohem Personal- und Kostenaufwand erfüllen. Das führt oft dazu, dass trotz der klar erkennbaren Optimierungspotenziale vielfach auf eine exakte Einzelrollenverwaltung verzichtet wird.
Gesucht wird daher eine im Vergleich zur Barcode-Technologie mit geringerem Aufwand verbundene, weitgehend automatisierte und durchgängig einsetzbare Lösung zur Identifikation der Papierrollen: Eine hohe Hürde, die nach Ansicht der Stonegarden Technologies GmbH mit Sitz in Aachen mit Hilfe der RFID-Technologie genommen werden kann. „RFID passt ideal zu den Anforderungen Papierrollenidentifikation und bietet darüber hinaus neuartige Möglichkeiten zur Verbesserung der Qualitätssicherung sowie zur Erhöhung der Prozesssicherheit, sodass sich bislang nicht erreichbare Optimierungspotenziale erschließen lassen“, so Dr. Klaus Weingarten, Geschäftsführer von Stonegarden.
RFID oder Barcode?
Der Einsatz barcodebasierter Lösungen ist mit speziellen Herausforderungen verbunden. Grundvoraussetzung ist das Anbringen von Barcodeetiketten als Identifikationsmerkmal auf der Rollenaußenseite. Typischerweise sind dies DIN-A3-oder DIN-A4-Etiketten oder rundum aufgedruckte Barcodes.
Diese Vorgehensweise hat laut Dr. Klaus Weingarten jedoch Nachteile. So kann in der Papierfabrik das Etikett erst am Ende der Produktion, oft erst nach dem Verpacken der Rollen, aufgebracht werden und ist damit nicht in die internen Prozesse integriert. Darüber hinaus birgt das Anbringen an der Rollenaußenseite grundsätzlich die Gefahr des Verlusts oder der erschwerten Lesbarkeit aufgrund von Beschädigung, Verschmutzung oder durch nachträgliches Stretchen der Papierrollen. Zudem geht bei der Verarbeitung mit dem Abwickeln der ersten Papierlage das auf der Rollenaußenseite befindliche Etikett verloren. Für eine durchgängige Identifizierbarkeit ist bei jedem Verarbeitungsschritt eine Neuetikettierung nötig.
Durch das Fehlen einer Vorzugsrichtung beim Anbringen der Etiketten auf der Rollenaußenseite wird die durchgängige Rollenidentifikation zusätzlich erschwert, da diese nur von der „richtigen“ Stirnseite oder bei stehenden Rollen nur von der Vorderseite aus lesbar sind. Vor allem die Erfassung bei manuellen Transporten mit dem Klammerstapler ist aus diesem Grund oft umständlich. Wenn überhaupt, erfolgt die Erfassung meist mit einem Barcode-Handleser durch den Fahrer oder es wird ganz auf eine Identifikation verzichtet. Zur Erfassung der Barcodes beim automatischen Rollentransport in den Produktions- und Verarbeitungswerken sind aufwendige Scangates erforderlich.
Während sich beim Papierhersteller in der Regel optimierte Prozessabläufe zur Vereinfachung der Rollenidentifikation realisieren lassen, sind die Verarbeitungswerke (Druckereien, Papierveredler, Wellpappen-, Kartonwerke, et cetera) mit Rollen von mehreren, zum Teil wechselnden Lieferanten, mit deutlich komplexeren Herausforderungen konfrontiert.
Lösungsansatz RFID
Die RFID-Technologie ist im Gegensatz dazu eine Funktechnik zur berührungslosen Warenidentifikation. Anders als bei der Barcodetechnologie ist dabei kein Sichtkontakt zum Identifikationsmerkmal erforderlich.
Diese Eigenschaft ist der Ansatzpunkt für den Einsatz der RFID-Technologie zur Rollenidentifikation. Das Identifikationsmerkmal (Transponder) wird dabei nicht auf der Rollenaußenseite, sondern im Rollenkern angebracht. Auf diese Weise werden die mit dem Barcode verbundenen Einschränkungen eliminiert. Die Gefahr der Beschädigung oder des Verlustes entfällt und die Richtungsabhängigkeit bei der Rollenerfassung wird aufgehoben.


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