Glosse "Hohlkopie": Digitale Verschlüsselung

Geheimnisträger Papier

(Bild: hywards/shutterstock.com)
Wie lautet doch gleich nochmal das Passwort? Viele Nutzer notieren ihre Zugangsdaten auf Zetteln.

Ich weiß nicht, ob ich mich hier an dieser Stelle outen darf, aber ja: Ich bin ein Sicherheitsrisiko. Zumindest in meinem digitalen Leben.

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Wenn Spiegel Online schreibt, Passwörter seien die Achillesferse für jede Art der Verschlüsselung, dann sind meine eine komplett offene Flanke. Ich benutze für mehrere Accounts denselben Zugangscode – und zwar einen, den man auch aussprechen kann. Und wenn ich von einem starrsinnigen ­Zugangssystem gezwungen werde, Zahlen, Sonderzeichen und sonstige Sicherheitselemente einzubauen, muss ich sie aufschreiben. Auf Papier! Ich vermute, dass spätestens jetzt der erste IT-Sicherheitsbeauftragte etwas Hochprozentiges zur Beruhigung braucht.
Aber: Ich bin nicht allein! Nicht nur ich gebe meine geheimsten Geheimwörter dem Medium Papier preis. Auch Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) setzen offenbar auf die Verschwiegenheit des altbekannten Werkstoffs. Denn wenn es nach den Forschern geht, dann werden künftig nicht mehr in den Rechner eingehackte Zeichen, Sonderzeichen und Ziffern die sensiblen Daten schützen, sondern chemische Schlüssel, die aus kleinsten Molekülen, zum Beispiel aus Instantkaffee, Schweineblut oder Papier, bestehen. Das jeweilige Passwort stecke dann in der individuellen Abfolge der Bausteine eines solchen Moleküls.
Das klingt nicht nur clever, das ist es auch. Allerdings braucht dieses Molekül mit seinem individuellen Code einen physisch fassbaren Träger. Und hier kommt eben wieder das Papier ins Spiel. So könnte der organische Sicherheitsschlüssel in schönster James-Bond-Manier unsichtbar auf Papier getropft, transportiert und später mit einem speziellen Programm ausgelesen werden.
Na, also. Nach der ganzen digitalen Hochsicherheitsverschlüsselungstechnologie kommen wir zurück zum ältesten Geheimnisträger der Welt. Unauffällig, unverdächtig, faltbar. Nur dass jetzt eben ein komplexer ­chemischer Prozess vorausgeht und nicht mehr einfach die Geheimzahl der Kreditkarte als Telefonnummer getarnt notiert wird.

Die Glosse “Hohlkopie” stammt aus Deutscher Drucker 8/2018. Das komplette Heft kann als Einzelheft im print.de-Shop bestellt werden. Und wer noch kein Abo hat, aber kein Heft mehr verpassen will, der findet sicher hier das passende Abo-Modell. [5110]

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