Der Gestaltungstechnische Assistent – Leistungen und Erwartungen

GTA – der unbekannte Bildungsweg

Lernen nicht nur Theorie, sondern auch Praxis: GTA-Auszubildende binden selbsterstellte Schriften-fibeln im Buchdruck-Museum Hannover.

Arbeitsplätze in der Druckvorstufe, die sich mit Design beschäftigen, erfreuen sich bei Ausbildungsanwärtern nach wie vor großer Beliebtheit. Neben dem bekannten Beruf des Mediengestalters gibt es aber auch den für die Druckindustrie interessanten Ausbildungsgang des Gestaltungstechnischen Assistenten (GTA). Deutscher Drucker zeigt, welche Leistungen und Erwartungen an diese Ausbildung und ihre Absolventen gestellt werden können.

Die Attraktivität von Arbeitsplätzen in der Druckvorstufe und der Nachfrageüberhang auf dem Ausbildungsplatzmarkt hat das Angebot an medienorientierten Bildungsgängen in den letzten Jahren sprunghaft ansteigen lassen. Insbesondere die Schlagworte „Design“ und „Gestaltung“ haben bei der Jugend nichts an Zugkraft eingebüßt. Der an Berufsfachschulen angebotene „Gestaltungstechnische Assistent“ – kurz GTA genannt – konnte nach bescheidenen Anfängen in den letzten Jahren ein beachtliches Wachstum an Absolventenzahlen verzeichnen. Diese Entwicklung wird dazu führen, dass sich Druckereien, Verlage und Werbeagenturen in Zukunft häufiger zwischen Bewerbern mit GTA- oder Mediengestalterabschlüssen entscheiden müssen.

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Von der Entstehung bis heute

Die Ursprünge des „Gestaltungstechnischen Assistenten“ lassen sich bis in das Jahr 1972 zurückverfolgen. Mit der Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz über die Ausbildung und Prüfung zum staatlich geprüften Gestaltungstechnischen Assistenten vom Juni 1992 wurde der Weg frei gemacht für eine neue schulische Ausbildung in Ergänzung zu den vorhandenen Ausbildungsberufen im Druckvorstufenbereich. Als Erweiterung gegenüber den dualen Berufsausbildungen wurde dieser Ausbildungsgang zunächst doppelt qualifizierend angelegt. Schüler mit Realschulabschluss sollten neben einem anerkannten Berufsbildungsabschluss die Fachhochschulreife erlangen können.
Mittlerweile haben insbesondere norddeutsche und ostdeutsche Bildungsträger ihr Angebot an Fachrichtungen bei den Gestaltungstechnischen Assistenten variiert und ausgebaut. Basierend auf dem Länderrecht können angehende GTAs heute an Berufsakademien, Berufsfachschulen und Berufskollegs zwei- bis vierjährige Ausbildungsgänge absolvieren – an privaten Schulen häufig in Verbindung mit einem institutseigenen Zertifikat. Unter anderem finden sich aktuell Bildungsangebote mit den Fachrichtungen:

  • Grafikdesign
  • Objektdesign
  • Screendesign
  • Mode und Design
  • Medien und Kommunikation
  • 3-D-Animation
  • Innenarchitektur

Zielgruppen und Perspektive 

Die Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten wird zumeist von Schülern mit mittlerem Bildungsabschluss (Realschulabschluss) absolviert; in geringerem Umfang auch von Abiturienten. Eine Stichprobenumfrage an elf Bildungs-instituten im Bundesgebiet ergab, dass der Anteil weiblicher GTAs pro Jahrgang zwischen 50 und 80 Prozent liegt.
Ihre gestalterische Eignung müssen die Anwärter durch eine Eingangsprüfung nachweisen, wobei die Aufnahmebedingungen gemäß den angesprochenen Schülerzielgruppen den bildungspolitischen Intentionen der jeweiligen Institute unterliegen.
Möchten manche Schulen ihren Schülern eine berufliche Erstqualifizierung ermöglichen, so sehen andere den Gestaltungstechnischen Assistenten als ernstzunehmende Berufsausbildung an. Eine Gesamtbeurteilung dieses Ausbildungsganges nach einheitlichen Kriterien ist demnach schwer möglich und bedürfte einer wissenschaftlichen Erarbeitung. Das mehrwöchige Praktikum während der Ausbildungszeit ist jedoch in allen Bundesländern obligatorisch.
In den Ländern, in denen das Ablegen der Fachhochschulreife optional ist – insbesondere in Sachsen – streben bis zu 50 Prozent der Absolventen die Fachhochschulreife und ein späteres Studium an. Beliebt bei den Absolventen ist auch eine Zweitausbildung zum Mediengestalter. Hier stellt sich die Frage der Anrechnung bereits vermittelter Inhalte durch Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen und Fachhochschulen.

Qualifikationen eines GTA

Ein GTA mit dem Schwerpunkt Grafikdesign verfügt über print-relevante Kenntnisse der Typografie, des Layoutens, der Bildbearbeitung, der Illustration, der Komposition sowie der Erstellung und des Ausschießens mehrseitiger Printprodukte.
Je nachdem wie praxisnah die Ausbildung stattfand, sollte er über gute Kenntnisse der Druckverfahren, der Farb- und Papierkunde sowie der gängigen Weiterverarbeitungs- und Veredlungsmöglichkeiten von Druckprodukten verfügen. Ein sicherer Umgang mit der jeweils aktuellen Software für den PC und/oder Mac sollte vorausgesetzt werden. An anspruchsvollen Instituten wird zudem Wert auf die Themen Printworkflow, PDF-Erzeugung und PDF-Validierung sowie Colormanagement gelegt.

Länderbezogen existieren Rahmenrichtlinien bezüglich der Ausbildungsinhalte der GTA-Ausbildungsgänge. Die Umsetzung in Stoffverteilungspläne/Lernfeldplanungen bleibt jedoch weitgehend den Schulen überlassen. Hier ist also ein genaues Beachten der Schwerpunkte und Unterrichtsinhalte notwendig. Der Ersatz von Fächern durch Lernfelder hat dazu geführt, dass die individuellen Begabungen der Gestaltungstechnischen Assistenten nicht immer eindeutig zu identifizieren sind. So kann es sein, dass beispielsweise Noten aus dem Lernfeld Geschäftsprozesse mit Noten aus den gestalterischen Lernfeldern verrechnet werden (müssen).Zurecht fragt sich der Personalentscheider bisweilen, ob die Stärken des Bewerbers im gestalterischen oder eher im technisch-kaufmännischen Bereich liegen. Aufgrund der oben genannten Inhomogenitäten scheint eine ausschließliche Sichtung nach Noten wenig sinnvoll zu sein.
Ein Blick auf Arbeitsproben, ein Probearbeiten und die kritische Beobachtung während der Probezeit können aussagekräftiger über die Leistungsfähigkeit des einzelnen Gestaltungstechnischen Assistenten informieren.

GTA mit Schwerpunkt Grafikdesign

D-Sign ist eine Fachzeitschrift, die sich speziell an Gestaltungstechnische Assistenten richtet.

Die Lehrkräfte sollten vor ihrer Ausbildungstätigkeit Fachpraxis- und Lehrerfahrungen gesammelt haben. Neben der Vermittlung primärer Kenntnisse können im zweiten Halbjahr bereits lernfeldübergreifende Projekte durchgeführt werden.
Teamarbeit ist jedoch auch seitens der Schüler gefragt. So können Schüler des zweiten Ausbildungsjahres z.B. Fachzeitschriften, Styleguides und vollständig ausgearbeitete Werbekonzeptionen erstellen. Im Idealfall greift die Lehrkraft nur bei technischer Hilfe und sichtlichen Fehlentscheidungen ein, um einen hohen Identi-fikationsgrad der Schüler mit ihrer Arbeit zu gewährleisten. Zu den wenigen, jedoch unerbittlichen Richtlinien zählen die bestmögliche Leistung des einzelnen Schülers, der Gruppe sowie der Abgabetermin (was bei großen heterogenen Gruppen zugegebenermaßen schwieriger umzusetzen ist, als bei kleineren hoch-motivierten).
Manche Printbetriebe und Werbeagenturen wie beispielsweise das „Creativteam Communications“ und „Dievision“ in Hannover stellen gerne Mitarbeiter und zeitliche Ressourcen bereit, um ihre Arbeit minutiös vorzustellen bzw. Schülerarbeiten zu begutachten.
Jahrgangsübergreifende Projekte und Präsentationen helfen, den Ehrgeiz des nachfolgenden Jahrgangs zu wecken, sodass sich nach einigen Jahren eine wettbewerbsorientierte, an der Agenturarbeit ausgerichtete Eigendynamik entwickeln kann. Empfehlenswert ist auch eine frühzeitige Sicherung von Schülerdaten, um im letzten Halbjahr ein Portfolio erstellen zu lassen. Konsequente Marktorientierung durch häufige Unternehmensbesuche, ganzheitliche Workflows von der Idee bis zur Weiterverarbeitung, sowie weitgehende Schülerselbstbestimmung im zweiten Ausbildungsjahr können für alle Beteiligten eine attraktive Alternative zu dualen Ausbildungsgängen darstellen.

Autor: Volker-Andreas Wehmeyer

Erschienen in DD 21/2012

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