Editorial aus Deutscher Drucker 5/2018

Die Papierpreise steigen – werden Sie aktiv

P. Ebeling
Petra Ebeling, Redakteurin Deutscher Drucker

In immer kürzeren Abständen lassen Papierhersteller und -großhändler ihre Informationen über Preissteigerungen von 5, 7 oder gar 10 Prozent in die Einkaufsabteilungen von Druckereien flattern. Als vorwiegende Gründe werden steigende Preise für Rohstoffe, vor allem aber für Zellstoff, angegeben.

Und tatsächlich, wie vom Verband Deutscher Papierfabriken zu erfahren ist, sind beispielsweise die Preise für Kurzfaserzellstoff im Verlauf des Jahres 2017 drastisch gestiegen. Im Dezember 2017 lagen diese mit 845 Euro je Tonne ganze 35 Prozent über dem Preis des Vorjahres. Langfaserzellstoff wechselte im gleichen Monat für circa 827 Euro pro Tonne den Besitzer. Das entsprach einer Steigerung von 6,5 Prozent und lag damit ebenfalls deutlich über dem Vorjahresniveau. Die Altpapierpreise demgegenüber sind seit Anfang 2018 um circa 15 bis 20 Euro je Tonne gesunken. Hier mache sich ein Überangebot bemerkbar. Mit weiteren Preisrückgängen sei zu rechnen, ist von Marktteilnehmern zu erfahren.

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Doch wodurch wird der weltweite Papiermarkt aktuell so stark beeinflusst? Sicherlich durch verschiedene Faktoren, aber nicht zuletzt durch eine veränderte Einfuhr- und Umweltpolitik der chinesischen Regierung. Im vergangenen Juli hatte China gegenüber der Welthandelsorganisation angekündigt, dass der Import von 24 Müllsorten ab Januar 2018 verboten werde, darunter auch von Altpapier ab 1,5 Prozent Verschmutzung. Bis 2019 sollen Müllimporte komplett abgeschafft werden. Kurz gesagt: China will nicht mehr Müllhalde der Welt sein.

Für China und die Umwelt ein guter Plan. Allerdings ist nun der Altpapierpreis im freien Fall, denn die Händler suchen händeringend nach Abnehmern. Außerdem benötigt China für die eigene Papierproduktion ab sofort deutlich mehr Frischfasern. Dadurch geraten nicht nur der deutsche oder der europäische Papiermarkt in eine neue Situation, die Problematik ist global. Die entsprechenden Preisentwicklungen erscheinen somit nachvollziehbar.

Druckereien stehen nun vor neuen Problemen. Es wird höchste Zeit für sie, die Kunden über die Situation am Papiermarkt zu informieren und Erlösdefizite nicht mehr allein zu schlucken. Denn diese könnten so manchen Drucker in die Knie zwingen. Nun heißt es, die Kunden zu beraten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, um das bisherige Preisniveau der Printprodukte zu halten. Sei es durch eine gezieltere Papierauswahl oder durch Optimierungen in anderen Bereichen der Produktionskette, zum Beispiel bei den Druck- und Bindeverfahren. Und das, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen. Im Gegenteil, so können neue, interessante Produkte entstehen.

Herzlich, Ihre

Petra Ebeling

Ihre Meinung: p.ebeling@print.de

 

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