Horst Huber (Werk II GmbH) beschreibt künftige Branchenveränderungen durch die Gesetze der Digitalisierung

Digitale Transformation: Darauf müssen sich Druckereien einstellen

Horst Huber, CEO Werk II GmbH.

Zur digitalen Transformation lassen sich verschiedene allgemeingültige und übergreifende Gesetzmäßigkeiten oder Thesen aufstellen:

  • Es wird alles digitalisiert, was sich digitalisieren lässtJeder Bereich unserer Gesellschaft und Arbeit wird digitalisiert. Auch wenn es anfangs nicht sinnvoll erscheinen mag. Schon heute sind viele Bereiche unseres Lebens weitgehend digital: Musik, Filme, Geld, Kommunikation mit Freunden und Familie, Nachrichten oder das Einkaufen. Die virtuelle Online-Welt und die physische Offline-Welt sind längst untrennbar miteinander verwoben. Dies betrifft auch jedes einzelne Unternehmen, egal ob es um die Kundenkommunikation, die Geschäftsprozesse oder den Fertigungsprozess als solchen geht (zum Beispiel Industrie 4.0). Die Digitalisierung in der Druckbranche ist schon seit langem im Gange: Postscript, DTP, CtP, PDF mit Farbprofilen, Digitaldruck etc. sind Technologien, die die Digitalisierung in Vorstufe und Druck bis heute vorangetrieben haben.
  • Es wird vernetzt, was vernetzt werden kannEs fing ganz harmlos an. Das Internet half, Computer miteinander zu verbinden, um Nachrichten und Daten grenzenlos auszutauschen. Mittels HTML konnte man Informationen für alle Menschen dieser Welt zur Verfügung stellen. Jederzeit aktuell und verfügbar. Noch 1993 gab es nur 130 Websites, 1996 waren es schon 100.000, im Jahr 2012 standen 634 Millionen Websites zur Verfügung. 39% der gesamten Weltbevölkerung sind heute über das Internet vernetzt. Ein großer Teil davon sind inzwischen Smartphone-Nutzer. Doch die Vernetzung wird noch viel umfassender. Das „Internet der Dinge“ verbindet nun smarte Alltagsgegenstände, die mit digitaler Logik, Sensorik und der Möglichkeit zur Vernetzung ausgestattet sind. Diese kommunizieren untereinander und treffen auch selbstständig Entscheidungen.
  • Es wird automatisiert, was sich automatisieren lässtDiese Gesetzmäßigkeit wird unsere Arbeitswelt und die Gesellschaft viel stärker verändern als die globalisierte Weltwirtschaft. Unabhängig davon, ob wirklich jeder zweite Job wegfällt, wie manche Prognosen behaupten, stehen uns dramatische Veränderungen in der Arbeitswelt bevor. Autonomes Fahren würde beispielsweise Millionen von Jobs kosten. Apps machen viele Tätigkeiten überflüssig. Arztbesuche werden in einem digitalisierten Gesundheitswesen hinfällig werden. Es kommen vermehrt soziale und ethische Fragestellungen auf.
  • Kurze InnovationszyklenDie Innovationszyklen der Digitalisierung sind dramatisch kürzer als in traditionellen Segmenten. Nirgendwo anders hat der Spruch „die Schnellen fressen die Großen“ mehr Geltung als in der digitalen Arbeitswelt. Von der Gründung von Youtube bis zur Etablierung als führende globale Videoplattform dauerte es keine vier Jahre. Deshalb müssen von der digitalen Transformation betroffene Unternehmen einen völlig neuen Umgang mit dem Thema Innovation etablieren. Es muss schneller, entschlossener und auch konsequenter auf und mit Innovationen umgegangen werden.

Worauf muss sich „Druck“ einstellen? Print ist längst kein eigenständiger Kanal mehr, sondern Bestandteil der digitalen Kommunikation. Durch die „Einordnung“ in digitale Kommunikationsprozesse und die wachsende Fokussierung der Kunden auf digitale Kommunikation werden sich die Anforderungen an Print und die Druckbranche weiter erheblich verändern.

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  • Marketing und Kommunikationsabteilungen in Unternehmen werden sich noch stärker auf die digitale Kommunikation konzentrieren. Print bleibt dabei ein wichtiger Bestandteil, der zukünftig „zugekauft“ wird. Das Know-how um den Print-Herstellungsprozess wird stärker externalisiert werden. Dies bedeutet nicht zwingend, dass sich „Haus-und-Hof“-Drucklieferanten etablieren können. Vielmehr muss damit gerechnet werden, dass Unternehmen größtenteils auf Druck-Bestellplattformen ausweichen, auf denen Druckvergabe und Abwicklung standardisiert sind und den besten Preis gewährleisten.
  • Die digitale Kommunikation ist schon heute sehr stark personalisiert und auf den Benutzerkontext abgestimmt. Diese Personalisierung und Individualisierung wird stärker auf den Printbereich abfärben. Wie schnell der Trend zur Individualisierung an Fahrt gewinnt, hängt stark davon ab, wie schnell die „Kundenseite“ ihrerseits die digitalen Voraussetzungen schaffen kann. Das Aufteilen von hohen Gesamtauflagen in kleinere Auflagen ist längst voll im Gange.
  • Unternehmen werden versuchen, mit Hilfe von Print die „Conversion Rate“ auf ihren Online-Plattformen zu verbessern. Dies bedeutet, dass Print verstärkt in einzelne E-Commerce-Transaktionen eingebunden wird. Das heißt: On-Demand-Druck in hoch-individuellen Kleinstauflagen wird weiter gefragt sein (Mass Customization).
  • Die Kundenansprüche an Print werden zunehmend wachsen! Andererseits möchten sich Kunden immer weniger damit auseinandersetzen, sondern möglichst einfach, schnell und auch kurzfristig einen verlässlichen, skalierbaren, anspruchsvollen Druckprozess zum bestmöglichen Preis einkaufen können. Denn unterm Strich ist der Kunde vor allem am „Resultat“ – einer besseren Conversion Rate – interessiert, und nicht am Einkauf einer Dienstleistung.

Dieser Kommentar ist ein Auszug aus dem Artikel „Digitale Transformation und Druck – die Denke muss sich ändern …“ von Horst Huber (CEO Werk II GmbH) aus Deutscher Drucker Nr. 10/2017.

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