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Frequenzmodulierter Raster – Ein Raster für alle Fälle?

Ein Gutachter berichtet aus der Praxis
 

Darstellungs-Beispiel für ein reproduziertes Gemälde. Das weiße Quadrat im linken Bildteil zeigt eine Bildstelle, die im rechten Bildteil (Ausschnittvergrößerung) in FM-Rastertechnik (rechts oben) und AM-Rastertechnik (rechts unten) wiedergegeben wurde. Bei der FM-Rasterungsart werden feinste Bild­details (fotorealistisch) abgebildet. Es werden besonders hohe Anforderungen an die Qualität eines Bildes gestellt. Sind Bilder vor dem Druck zu kontrastarm angelegt, können diese während des Druckvorgangs kaum verbessert werden.

Ein periodisch erscheinender Veranstaltungskatalog wurde standardmäßig im amplitudenmodulierten Rasterungsverfahren hergestellt. Zur Qualitätsverbesserung wurde bei Folgeaufträgen auf das frequenzmodulierte Rasterungsverfahren umgestellt. Im Folgedruck entstand eine massive Qualitätsverschlechterung. Was waren die Ursachen?

Vor dem Auflagendruck wurden mehrere Probeandrucke, die zuvor im FM-Rasterungsverfahren belichtet wurden, mit unterschiedlichen Farbführungen auf der Auflagenmaschine angedruckt. Die Druckergebnisse, insbesondere bei allen Bildmotiven, entsprachen nicht den Qualitätsanforderungen des Kunden. Nach mehreren neu gerechneten Druckplatten und Ausbelichtungsversuchen wurde der Druck abgebrochen. Eine Rückkehr zur AM-Rastermethode brachte dann die gewünschten Ergebnisse.

Ausgangslage

Ein Veranstaltungskatalog mit hohem Seitenumfang wurde standardmäßig im amplitudenmodulierten Rasterungsverfahren hergestellt. Die Druckerei fertigte dann, aus alten, im AM-Rasterungsverfahren hergestellten Aufträgen, einen neuen Probeandruck im FM-Rasterungsverfahren, der den Qualitätsvorstellungen des Kunden entsprach. Als einige Monate später ein neuer Katalog mit anderen Inhalten in Druck ging, konnte das Druckergebnis die ursprüngliche Qualität des FM-Probedrucks nicht annähernd erreichen.

Ursachenermittlungen 

Faktoren, die maßgeblichen Einfluss auf die Qualität des Ergebnisses haben, sind unter anderem unterschiedliche Hard- und Softwarekonfigurationen und -Profile (RIP, Druckmaschine, Materialien), Umweltbedingungen (Temperatur- und Feuchtewerte) sowie Arbeitsprozesse (Abläufe, Geschwindigkeit, Human Ressources, technisches Controlling). Nicht alle möglichen Kriterien konnten im Nachhinein rekonstruiert und damit bewertet werden. Druckplatten und Vorlagen waren nicht (mehr) vorhanden. Die Bewertung stützte sich deshalb auf die eingesetzte Rastermethode, die festgestellten Farbdichtewerte sowie die Farbführung.

FM-Raster

Im Besonderen treten beim Einsatz eines FM-Rasters im Druckprozess mehrere Schwierigkeiten auf, die zu berücksichtigen sind: Entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis haben veränderte Parameter wie zum Beispiel der Druckprozess, die Auswahl der Materialien, die korrekte Belichtung sowie die Belichtungseigenschaf­ten von Druckplatten. Besonders nachteilig verhält sich der Einsatz der FM-Rasterung in der Druckformenherstellung (Herstellung der Druckplatten, Profileinstellungen bei der Ausbelichtung). Diese sollten im Gegensatz zur AM-Rasterung einen größeren Belichtungsspielraum bei gleichmäßiger Ausleuchtung aufweisen. Das FM-Raster hat einen empfindlicheren Tonwertzuwachs im Fortdruck (Punktzunahme bei Papier- und Farbablagerungen). Problematisch ist der Einsatz von FM-Rasterungen, wenn die Wiederholbarkeit eines identischen Auftrags mit neu gerechneten Druckplatten erfolgen soll. Probleme können auch bei der gleichmäßigen Darstellung technischer Raster (zum Beispiel bei gleichmäßigen Farbflächen) auftreten.

Reproduktionsvorlagen

Die Qualität des Druckergebnisses hängt zudem von gelieferten Reproduktionsvorlagen und den anschließenden Arbeitsprozessen ab. Die Druckvorlagen wurden als digitale PDF-Datei vom Kunden an die Druckerei geliefert. Die Untersuchung der einzelnen Andruckbögen hatte ergeben, dass vor allem die Schwarzweiß-Bildvorlagen Mängel hinsichtlich ihrer Qualität aufwiesen. Das FM-Raster ist eine Rasterungsart, die feinste Bilddetails (fotorealistisch) abbildet. Hierbei werden besonders hohe Anforderungen an die Qualität eines Bildes gestellt. Sind Bilder vor dem Druck zu kontrastarm hergestellt, können diese während des Druckvorgangs kaum verbessert werden. Wie in diesem Fall geschehen, wirkte sich eine unveränderte Übernahme der vorhandenen Fotos aus früheren AM-Rasterungsverfahren problematisch auf die Druckqualität aus.

Fazit

Die Frequenzmodulation ist ein Spezialrasterverfahren, das nicht für alle Druckverfahren geeignet ist. Frequenzmodulierte Rasterverfahren ermöglichen fotoähnliche, feinste Detailwiedergaben bei schwierigen Motiven, zum Beispiel Textilmuster, Holzmaserungen, Teppichmustern, Strukturen, et cetera als plastisch-fotorealistisches Druckergebnis, selbst bei qualitativ schlechten Papiersorten. Da die Verteilung der Punkte ortsvariabel ist, können sich diese den Konturen und Informationen der digitalen Bildvorlage besser anpassen.
In diesem Fall waren weder die Bildvorlagen in der Druckvorbereitung rastergerecht aufbereitet, noch die Motive inhaltlich geeignet, diese im FM-Raster herzustellen. Ein vorheriger, farbverbindlicher Proof, der die Eigenheiten des FM-Rasterungsverfahrens simuliert, hätte wesentlich früher zu aufschlussreichen Erkenntnissen hinsichtlich der Druckvorlagen geführt. FM-Raster bleiben deshalb eher die Ausnahme anstatt die Regel.

Problemfälle aus Medien-Betrieben 

 
 

Stefan K. Braun, Dipl.-Ing., ein weiterer Gutachter und Autor für die bekannte DD-Serie, ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Medienproduktion und Mediendesign in Frankfurt am Main.
E-Mail: sb@medien-sachverstaendiger.de
Tel.: 0 69/71 44 86 49
www.medien.expert

Erschienen in DD21/2014

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Leserkommentare (2)

Gennaro Marfucci | Donnerstag, 24. November 2016 16:26:03

Druckvorstufe

Guten Tag!
Für die Druckproduktion nach FOGRA43 oder nach FOGRA44, müssen die PDFs entsprechend aufbereitet werden. D.h., dass alle Inhalte im PDF für die Ausgabe optimiert werden müssen. Die Bildauflösung, Bildkomprimierung und Schärfe der Fotos muss allerdings zur Druckausgabebedingung passen. Mit FOGRA39 Daten ist ein schlechtes Ergebnis doch vorprogrammiert. Eine Druckdatenkonvertierung per DeviceLink-Farbserver, z.B. von ISOcoatedV2 zu PSOcoatedNP, hätte zumindest zu einer farblichen Übereinstimmung zw. Quelle und Ziel bzw. Referenz und Auflage geführt. Die techn. Qualität der Bilder wird aber dadurch auch nicht besser. Beste Grüße Gennaro Marfucci

Interessierter | Dienstag, 16. Juni 2015 12:16:02

Proof für FM-Raster?

Der Artikel zeigt einmal mehr die Probleme des FM-Rasters, die in der Praxis in der Tat oft auftreten.

Bei der vorgeschlagenen Lösung eines farbverbindlichen Proofs für FM-Raster fehlt aber leider eine weitergehende Erläuterung. Was soll das für ein Proof sein? Soll der mit den FM-Profilen für Fogra 43 erstellt werden (PSO Coated NPscreen ISO12647 (ECI)) oder soll das ein Rasterproof sein? Bei ersterem wäre die Frage zu stellen, wie die Daten angeliefert wurden. Wenn es wie beschrieben um "Altvorlagen" geht, dann wurden die bestimmt mit Fogra 39 erstellt für AM-Raster. Wie soll dann ein Fogra 43-Proof erstellt werden? Mit Umwandlung, ohne Umwandlung, nur Bilder oder alles per DeviceLink-Profilen und Color-Server?

Hätte man dann tatsächlich eine Vorschau auf das tatsächliche Druckergebnis erhalten? Farblich würde man sich annähern, aber die drucktechnischen Parameter hätte der Proof doch auch nicht gezeigt. Zumal die Druckerei ja sogar eine weitaus "bessere" weil drucktechnisch nähere Simulation erzeugt hat: es wurden ja sogar Andrucke auf der Auflagenmaschine erzeugt. Warum soll dann noch ein Proof erstellt werden, der die FM-Eigenheiten eigentlich nicht darstellen kann?

Mit der Bitte um nähere Erläuterung?

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