Druckvorstufe


Was die Aufgaben der Druckvorstufe sind, erfahren Sie hier bei print.de. Plus: Wissenswertes zu Ausbildung/Job + News.

Innovative Prozesse und der Einsatz neuer Technologien bestimmen die tägliche Arbeit in der Prepress oder Druckvorstufe (englisch pre-press stage oder pre-print stage). Hier werden kurz gesagt aus Text und Bild die Druckdaten erstellt und in die Druckform überführt oder für die Ausspielung über digitale Kanäle bereitgestellt. Was genau die Aufgaben der Druckvorstufe sind und wie ihr Workflow für das Multichannel-Publishing aussehen kann, erfahren Sie auf dieser Seite. Außerdem: Wissenswertes für alle, die sich für das Arbeiten in der Prepress interessieren plus die aktuellsten News aus der Branche.

Inhaltsverzeichnis:

Automatisierung: Ein Palettierer steigert Ihre Produktivität
Mit dem Einsatz eines Palettierers erhöhen Sie nicht nur die Automatisierung und damit auch die Produktionssicherheit Ihrer Sammelhefterlinie, sondern Sie produzieren auch deutlich wirtschaftlicher.

Definition: Druckvorstufe – was ist das?

Die Druckvorstufe (auch Prepress) ist ein Teilprozess des industriellen Druckwesens, in dem alle Vorarbeiten für das eigentliche Drucken stattfinden. Die Aufgabe der Druckvorstufe ist es also, Texte und Abbildungen zu Druckvorlagen zusammenzuführen. Dabei wird das Material der Kunden in druckbare Daten umgesetzt. Zu den Arbeiten der Prepress zählen:

  • Datenaufbereitung
  • Bildbearbeitung
  • Erstellung von Layouts (Satz)
  • Ausschießen: Platzieren der Seiten auf dem Druckbogen
  • Erstellung der Druckform: Belichtung der Druckplatten oder Gravur des Druckzylinders
Software-Lösung für die Druckvorstufe: Kodak Insite Prepress Portal 9.0
Die Druckvorstufe arbeitet immer am Puls von technischen Neuerungen; im Bild die aktuelle Software-Lösung Kodak Insite Prepress Portal 9.0.

Mehr und mehr wird die Vorstufenarbeit durch die Multichannel-Kommunikation bestimmt, also durch die Distribution eines Inhaltes über verschiedene Medien. Die daraus entstehenden Anforderungen sind so komplex, dass führende Dienstleister aufgrund ihres umfassenden Know-hows nicht nur Wünsche umsetzen, sondern die Prozesse maßgeblich mitgestalten. Die Vorstufendienstleister beraten daher ihre Kunden stets als kompetente Partner und gestalten Trends aktiv mit.

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Workflow der Druckvorstufe im Multichannel-Publishing

Den Workflow in Druckvorstufen bestimmt heute das Multichannel-Publishing, das heißt die parallele Nutzung einer Vielzahl von Medien für ein einzelnes Projekt eines Kunden. Um den Einsatz dieser Technologien in der Praxis zu verdeutlichen, skizzieren die folgenden Absätze den Workflow einer industriellen Vorstufen-Produktion am fiktiven Beispiel eines Unternehmens. Die Kampagne umfasst die folgenden Elemente:

  • Zeitungen
  • Magazine
  • Produktkatalog des Unternehmens
  • individualisiertes Print-Mailing
  • Displays für den POS (Point of Sale)
  • Webshop des Unternehmens

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Basis: Medienneutrale Prozesse in der Druckvorstufe

Um diese Medien effizient und in bester Qualität erstellen zu können, wird nun in der Druckvorstufe ein medienneutraler Prozess angestoßen. Dieser beginnt beim Fotoshooting. Die sogenannten Raw-Daten, also die unbearbeiteten Dateien aus der Kamera, werden in einen medienneutralen Farbraum gewandelt. Nur so ist ein späterer Einsatz in allen Ausgabekanälen möglich, weil bei Retuschearbeiten der größtmögliche Farbumfang erhalten bleibt.

Doppelte Arbeiten entfallen, da Bilddaten für alle Einsatzzwecke ausgehend von dieser sogenannten Masterdatei optimiert umgerechnet werden. So ist später auch ein echter Detailzoom auf der Webseite realisierbar, da hierfür ebenfalls auf das hochaufgelöste Ausgangsmaterial zurückgegriffen wird. Damit gewährleistet ist, dass der Farbton eines abgebildeten Produkts tatsächlich mit dem Warenmuster übereinstimmt, wird dessen Farbwert zusätzlich digital erfasst und mit dem Foto abgeglichen.

Die perfekt retuschierte Masterdatei wird in einer Bilddatenbank vorgehalten und im weiteren Prozess vor der Ausgabe durch ein spezifisches Medium mittels Farbprofilen optimiert/umgerechnet. Aus Gründen der Sicherheit und Effizienz erfolgt diese Umrechnung häufig über (teil-) automatisierte Prozesse, sogenannte Hotfolder.

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Basis-Software der Druckvorstufe: Management-Systeme

An Software kommen in der Druckvorstufe in erster Linie Product-Information-Management- (PIM-) und Media-Asset-Management-Systeme (MAM) zum Einsatz. Diese Lösungen kann man sich vorstellen wie ein Hochregallager: Alle für die Medienproduktion notwendigen Bestandteile sind dort wiederauffindbar verwahrt und stets in aktueller Version vorrätig. “Roboter” bringen sie zu ihrem Einsatzort und stellen so zum Beispiel einen Katalog zusammen.

Produktinformationen werden für ganz unterschiedliche Zwecke in vielen Unternehmensbereichen genutzt: in der Warenwirtschaft des Einkaufs, in Marketing und Vertrieb oder im Versand. Um professionell arbeiten zu können, darf es für alle Nutzer nur einen einzigen, verbindlichen Datenstamm zu einem Artikel geben. Datenstämme werden in einem PIM-System medienneutral bereitgestellt und über Schnittstellen zur weiteren IT aktualisiert oder ausgeleitet.

Crossmediale Produkte haben zudem einen hohen Aufwand an Koordination und einen zusätzlichen Bedarf der Verwaltung und Bereitstellung von Media Assets (Logos, Fotos, Videos). Systeme, die für diesen komplexen Bedarf entwickelt wurden, halten daher nicht nur die medienneutralen Daten vor, sondern begleiten und steuern den gesamten Prozess: von der Planung bis zur Datenbereitstellung für die diversen Kanäle, Sprachen und sop weiter. Der Kunde hat jederzeit die Möglichkeit, sich einen aktuellen Überblick über den Stand der einzelnen Produktionen zu verschaffen.

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Schritt 1: Bildbearbeitung in der Druckvorstufe

Erledigt die Druckvorstufe beispielsweise die Bildbearbeitung für die Ausspielung in einem Webshop, wird die Abbildung für die gewünschte Darstellungsgröße heruntergerechnet. Damit der Käufer auch Details im Zoom anschauen kann, wird eine weitere Version des Bilds gekachelt (in kleinere Einzelbilder unterteilt). So müssen hochaufgelöste Daten nur für den herangezoomten Bereich nachgeladen werden, was sich positiv auf die Seitenladezeit auswirkt.

Bildbearbeitung in der Druckvorstufe: Quark XPress Version 2017
Herkömmlicherweise ist die Bildbearbeitung ein eigener Schritt in der Druckvorstufe. Die Software Quark XPress ermöglicht es in der Version 2017 auch, die Fotos bei der Seitengestaltung zu bearbeiten.

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Schritt 2: Multichannel-Ausspielung der Daten

Eine zuvor definierte Dateibenennung sowie eine Schnittstelle zwischen PIM-Software und Online-Medien ermöglichen die automatische Platzierung, auch im Webshop. Dessen Anbindung an das Warenwirtschaftssystem sorgt für die Darstellung von aktuellen Texten und Preisen – ebenfalls medienneutral, meist im XML-Format. Bietet das Unternehmen seine Produkte international an, können auch Auslandsniederlassungen auf die Informationen in der Datenbank zugreifen. Dort übersetzen sie die Artikelbeschreibungen, die sich später in allen Sprachvarianten wiederfinden.

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Schritt 3: Online-Konzeption von Print

Ein erstes direktes Feedback über den Erfolg seiner Produkte kann das Unternehmen durch den Verkauf über die Webseite generieren. Diese Erkenntnisse fließen in die Bildauswahl und Zusammenstellung des gedruckten Katalogs, in die Veröffentlichung in Zeitungen und Magazinen sowie die Gestaltung der POS-Displays ein: Besonders erfolgreiche Artikel werden hier prominent platziert.

Beispielsweise für die Gestaltung des Katalogs wird anhand dieser Erkenntnisse ein digitales Scribble erstellt: Hier werden die einzelnen Artikel den geplanten Seiten zugewiesen und die ungefähren Größenverhältnisse bestimmt. Auf Basis dieser Information wird für den Layouter der Druckvorstufe je Katalogseite ein Adobe-Indesign-Dokument generiert. Dieses enthält alle Produktinformationen (Text und Bild) sowie Anweisungen aus dem digitalen Scribble.

Auch gewisse Grundelemente der Seite stehen bereits fest: Ein sogenanntes Seitentemplate definiert, wo Seitenzahlen und eventuelle Gestaltungselemente grundsätzlich zu positionieren sind. Dank dieser IT-gestützten Vorarbeiten kann sich der Layouter ganz dem Feinschliff der Seite widmen. Es folgt ein Abstimmungsprozess zwischen dem Unternehmen und der Prepress.

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Schritt 4: Korrektur anhand von Proofs

Für die sachliche und gestalterische Kontrolle erhält das Unternehmen anhand farbverbindlicher Proofs, also simulierter Wiedergaben des späteren Drucks. Gedruckte Proofs werden immer mehr durch das sogenannte Softproofing, also der Darstellung des Drucks am Monitor, abgelöst. Zur Erhöhung der Produktionssicherheit kann zusätzlich Software für das Qualitätsmanagement eingesetzt werden, die Pixel für Pixel die PDF-Daten der Vorgänger- mit denen der nachfolgenden Versionen vergleicht.

In einem neuen Dokument werden sämtliche Differenzen farblich hervorgehoben. So lässt sich auf einen Blick erfassen, ob gewünschte Korrekturen vorgenommen wurden und ob sich nicht an anderer Stelle Fehler eingeschlichen haben.

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Schritt 5: Erstellung von PDF-Dateien für den Druck

Sobald alle Seiten geprüft und freigegeben sind, können die Daten für das gewünschte Druckverfahren optimiert und zum Download bereitgestellt werden. Als Standard-Ausgabeformat gilt aktuell PDF/X-1a, das aus Sicherheitsgründen nur die Verwendung von CMYK und Sonderfarben erlaubt und somit sozusagen einen blinden Datenaustausch ermöglicht. Mit diesem Ausgabeformat haben Datenlieferanten die maximale Kontrolle über den Druckauftrag und die Druckereien ein hohes Maß an Sicherheit, da kein Interpretationsspielraum besteht. Angeheftet an dieses PDF wird immer ein zugehöriges Ausgabeprofil, das den Zielfarbraum beschreibt.

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Druckderivat: Individualisiertes Print-Mailing

Die Auswertung der Verkäufe im Webshop ermöglicht eine Zuordnung von erfolgreichen Produkten je Zielgruppe. Diese Erkenntnis führt mit der Hilfe von Digitaldruck-Technologie zu einem individualisierten und personalisierten Print-Mailing (One-to-One-Mailing). Je nachdem, welcher Zielgruppe ein Kunde zugeordnet wurde, erscheint in seinem Mailing ein für diese Gruppe ausgewählter Artikel mit entsprechendem Angebot. Für die Erstellung des Mailings sind die folgenden fünf Schritte notwendig:

  1. Das Mailing wird layoutet und freigegeben.
  2. Die Kundendaten aus der Customer-Relationship-Management-Software (CRM) des Unternehmens gehen in Form einer Datenbank an den Digitaldrucker.
  3. Das Mailing (PDF) wird mittels einer Personalisierungs-Software mit der Datenbank verknüpft.
  4. Die Software erstellt ein individualisiertes Mailing je Datensatz.
  5. Die Seiten werden ausgeschossen, d. h. auf dem Druckbogen platziert und an den Drucker übergeben.
Individualisiertes Print-Mailing
Beim individualisierten Mailing werden die Ansprache und das unterbreitete Angebot dem Kunden auf den Leib geschneidert.

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On top: Individuelle Werbemittel für den POS

Filialen des Unternehmens können in einer Web-to-Print-Erweiterung des Druckvorstufensystems individuelle Werbemittel zusammenstellen und ordern. Dies gewährt ihnen größtmögliche Individualität, während die Zentrale die Sicherheit hat, dass alle Layout-Varianten dem Corporate Design entsprechen. Dafür werden in der Web-to-Print-Lösung sogenannte Templates bereitgestellt, die nur an definierten Stellen textlich verändert werden können. Auch alternatives, freigegebenes Bildmaterial steht zur Verfügung.

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Ausbildung in der Druckvorstufe

Wer eine Ausbildung in der Druckvorstufe machen wollte, hatte früher die Wahl zwischen Berufen wie Schriftsetzer, Reprohersteller oder Druckvorlagenhersteller. Im Zuge der Digitalisierung wurden sie durch das Berufsbild des Mediengestalters ersetzt. Die Ausbildung findet dual in einem Betrieb und an der Berufsschule statt. Sie dauert drei Jahre und umfasst die folgenden Bereiche:

  • Beratung und Planung
  • Konzeption und Visualisierung
  • Gestaltung und Technik

Als Dienstleister sollte ein angehender Mediengestalter stressresistent und teamfähig sein, auch Überstunden und Wochenendarbeit muss er bei der Berufswahl in Betracht ziehen. Dafür erwartet ihn eine kreative Arbeit, bei der er stets am Puls der technischen Neuerungen bleibt. Nach der Ausbildung stehen zudem die Türen zu einer Weiterbildung zum Meister, Techniker oder Medienfachwirt offen. Auch ein Studium, beispielsweise des Kommunikationsdesigns, ist möglich.

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Jobs in der Druckvorstufe

Wer einen Job in der Druckvorstufe – oder generell in der Druckbranche – sucht, sollte regelmäßig den Stellenmarkt von print.de aufrufen. Die Stellenangebote auf unserer Seite stammen direkt von den Unternehmen und sind nach Aktualität gelistet. Sie können nach Beruf sowie nach Ort oder Postleitzahl gefiltert werden.

⇒ Freie Stellen finden Sie hier im Stellenmarkt auf print.de.

Artikel u. a. unter Verwendung von Beiträgen von Petra Ebeling und Michael Schüle.

Erstmals erschienen 2012, letzte Aktualisierung 30.07.2018.