Druckbogen


Maße und Markierungen eines Druckbogens, Ausschießen und Schneiden: Alles Wissenswerte rund um Aufbau und Verarbeitung finden Sie hier!

Zunächst ist er nichts anderes als das unmittelbare Produkt einer Druckmaschine, doch er beinhaltet komplexe Informationen und für seine Weiterverarbeitung gibt es diverse Möglichkeiten – ganz zu schweigen von den zahlreichen Fachbegriffen rund um den Druckbogen (englisch print sheet, printed sheet oder printing sheet). Diese Seite fasst die wichtigsten Informationen für Sie zusammen.

Inhaltsverzeichnis:

Definition: Was ist ein Druckbogen?

Er ist das Produkt der Druckmaschine: Unter einem Druckbogen versteht man den Bogen, so wie er in der Druckerei aus der Maschine kommt. Er kann auf einer oder beiden Seiten bedruckt sein, letzteres bezeichnet man als Schön- und Widerdruck. Neben dem Druckprodukt enthält er z. B. Markierungen für die Weiterverarbeitung. Die Druckbranche unterscheidet drei Stadien des Bogens:

  1. Rohbogen: Papier in dem Format, wie es der Papierhersteller oder Großhändler liefert
  2. Druckbogen: Papier nach dem Bedrucken
  3. Falzbogen: Papier nach dem Falzen

Der Einfachheit halber wird auf dieser Seite allerdings der Druckbogen auch als Bogen bezeichnet. Eine weitere Unterscheidung erübrigt sich, da Roh- und Falzbogen nicht besprochen werden.

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Die Materialien

Als Material kommt alles infrage, was sich bedrucken lässt: Das kann beispielsweise Karton sein, aber auch Metall, Stoff oder Glas sind möglich. Meistens jedoch besteht der Druckbogen aus Papier.

⇒ Mehr über die verschiedenen Papiersorten erfahren Sie hier.

⇒ Einen Eindruck von der Vielfalt der bedruckbaren Materialien erhalten Sie hier.

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Wie heißt der Plural – Druckbogen oder Druckbögen?

Immer wieder wird online die Frage gestellt, ob der korrekte Plural von Druckbogen ebenfalls Druckbogen oder Druckbögen heiße. Der Duden gibt Entwarnung: Beide Formen sind möglich, Bögen werden allerdings vornehmlich in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz verwendet – und Drucker sehen das genauso. Dies gilt übrigens auch für den Druckbogen in der Architektur oder den Haltebogen in der Musik.

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Welche Maße hat ein Druckbogen?

Gibt eine Druckerei ihre Bestellung beim Papiergroßhändler auf, orientiert sie sich an den Maßen des späteren Druckprodukts: Darauf basiert das Format des Rohbogens, also des unbedruckten Druckbogens. Der Rohbogen ist grundsätzlich 5 % größer als die spätere Seite, damit etwa Markierungen und notwendige Leerstellen Platz finden. Die folgende Tabelle zeigt gängige Druckbogen-Maße und die Maße der bedruckbaren Bereiche:

Maße des Druckbogens Druckbereich
44 x 63 cm 41,5 x 62,0 cm
50 x 70 cm 47,5 x 69,0 cm
63 x 88 cm 60,5 x 87,0 cm
65 x 92 cm 61,4 x 91,0 cm
70 x 100 cm 66,4 x 99,0 cm
72 x 104 cm 69,2 x 102,6 cm

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Wie viele Seiten (Nutzen) passen auf einen Druckbogen?

Ein Druckbogen kann eine oder mehrere Seiten enthalten. Die grafische Industrie spricht in diesem Fall von Nutzen: Darunter versteht man die einzelnen Exemplare eines Druckprodukts auf dem Bogen. In der Art der Anordnung der Nutzen steckt einiges Potenzial, den Druck kostengünstig zu gestalten. Enthält ein Druckbogen unterschiedliche Aufträge mit abweichenden Auflagen, spricht man von einer Sammelform.

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Welche Markierungen braucht ein Druckbogen?

Verschiedene Markierungen, sogenannte Druckzeichen oder Druckmarken, kennzeichnen den Druckbogen. Sie dienen der Orientierung u. a. beim Montieren, Drucken, Falzen und Schneiden. Außerdem werden sie zur Kontrolle und zur Workflow-Optimierung eingesetzt. Neben den allgemeingültigen und -bekannten nutzen Druckereien auch ihre eigenen Zeichen, z. B. QR-Codes. Hier eine Auflistung von gängigen Markierungen zur Einteilung von Druckbogen:

  • Anschnittmarken oder Beschnittzeichen: kennzeichnen, wie ein Printprodukt zugeschnitten werden soll
  • Falzmarken: kennzeichnen, wie ein Druckbogen gefalzt werden soll
    Flattermarken: geben die Reihenfolge der Falzbogen wieder
  • Fräsmarken: kennzeichnen bei Klebebindungen den Bereich, der im Bund abgefräst werden soll
  • Passermarken, Passerkreuze oder Passer: für das passgenaue/standgerechte Montieren bzw. den deckungsgleichen (registerhaltigen) beidseitigen Druck
  • Schneidmarken: kennzeichnen Beschnittlinien außerhalb des Endformates, z. B. für Trennschnitte
  • Seitenmarke: Anlagemarke zur Kontrolle, ob der Bogen seitlich exakt ausgerichtet ist
  • Vordermarke: Anlagemarke zur Kontrolle, ob der Bogen exakt in Druckrichtung ausgerichtet ist
  • Ziehmarke: richtet den Bogen nach dem Schön- für den Widerdruck aus

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Weitere Komponenten

Zu den weiteren Bestandteilen eines Druckbogens zählen:

  • Bund: unbedruckte Fläche zwischen zwei nebeneinanderliegenden Seiten
  • Druckkontrollstreifen: Farbfelder zur Kontrolle von Qualität und Farbdichte
  • Greiferrand: unbedruckte Fläche, auf der Greifer den Druckbogen fixieren, um ihn durch die Maschine zu ziehen
  • Signatur: enthält Informationen über den Druckbogen, z. B. Datei- oder Farbauszugsname

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Das Erstellen (Ausschießen) des Druckbogens

Das Erstellen – das sogenannte Ausschießen – eines Druckbogens geschieht am Bildschirm. Hier werden die Nutzen und Markierungen platziert. Die Ausgabe erfolgt ebenfalls digital – je nach Druckverfahren entweder direkt an die Druckmaschine (Digitaldruck) oder über eine Druckform, die bei den konventionellen Druckverfahren (z. B. Offsetdruck) die Farbe auf den Bedruckstoff überträgt. Programme zur Erstellung von Druckbogen sind beispielsweise:

Programm natives Ausgabeformat Betriebssystem
Adobe Acrobat pdf
  • Mac OS
  • Windows
Adobe InDesign inx
  • Mac OS
  • Windows
Quark XPress qxp
  • Mac OS
  • Windows
Scribus sla
  • eComStation
  • Haiku
  • Linux
  • Mac OS
  • OS/2
  • Unix
  • Windows

⇒ Mehr Informationen zum digitalen Erstellen von Druckvorlagen finden Sie hier.

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Video-Demonstration des Ausschießens

Wie das Ausschießen eines Druckbogens am Bildschirm aussehen kann, zeigt das nachfolgende Video der Johann-Jakob-Widmann-Schule (Technisches Schulzentrum Heilbronn). Darin wird gezeigt, wie acht bzw. 16 Seiten für den Schön- und Widerdruck sowohl auf einem als auch auf zwei Druckbogen angeordnet und mit den notwendigen Beschnittzeichen versehen werden.

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Umschlagen oder Umstülpen: Das Wenden des Druckbogens

Mit “Umschlagen” und “Umstülpen” werden die Arten bezeichnet, einen Druckbogen nach dem Schön- für den Widerdruck zu wenden. Das Umschlagen funktioniert wie das Umblättern einer Buchseite: Hierbei wird der Bogen entlang seiner horizontalen Kante gewendet – die Vordermarke bleibt unverändert, während die Seitenmarken wechseln. Umgekehrt bleibt beim Umstülpen – dem Wenden entlang der Vertikalen – die Seitenmarke gleich, die Vordermarken wechseln.

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Das Falzen des Druckbogens

Nach dem Druck wird der Bogen gefalzt und geschnitten – die Reihenfolge der beiden Weiterverarbeitungsschritte hängt von der individuellen Gestaltung des Druckbogens ab. Das Falzen bedeutet nicht nur ein Falten, sondern ein Zusammenlegen und Brechen des Bedruckstoffs. Der Unterschied: Hierbei entsteht ein sogenannter Falzbruch, eine Verformung des Papiers entlang der Falzlinie, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Die wichtigsten Begriffe rund um das Falzen sind:

  • asymmetrische Falzung: Falzkante außerhalb der Bogenmitte
  • Altar-, Fenster- oder Schließfalz: Falzung der äußeren Partien zur Bogenmitte hin
  • Doppelstrom: Falzen von zwei Bogen in einem (Doppelnutzen)
  • gemischte Falzung: Kombination von mehreren Falzarten in einem Bogen
  • Kreuzfalzung: jeder Bruch liegt senkrecht zum vorhergehenden
  • Lagenfalzung: Falzen von mehreren, übereinandergelegten Druckbogen
  • Leporello- oder Zickzackfalz: Falzrichtung wechselt nach jedem Bruch
  • Mittenfalz: jede Falzung verdoppelt die Seitenzahl
  • Parallelfalzung: jede Falzkante innerhalb eines Bogens liegt parallel zur vorhergehenden
  • symmetrische Falzung: Falzkante in der Mitte des Bogens
  • Werkfalzung: ermöglicht das Heften des späteren Buchblocks durch den letzten Bruch
  • Wickelfalz: Bogen wird um das innere Blatt gewickelt

Je nach Typ der Falzmaschine entstehen die Falzungen auf unterschiedliche Weise. Beim Taschenfalzprinzip beispielsweise wird der Druckbogen durch zwei Walzen in eine sogenannte Falztasche eingeführt, wo er am Anschlag anstößt. Dadurch bildet sich eine Falte, die durch Walzen erfasst und gebrochen wird.

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Das Schneiden des Druckbogens

Es gibt verschiedene Gründe und Möglichkeiten dafür, einen Druckbogen zu schneiden. Grundsätzlich wird er dadurch auf eine gewünschte Größe gebracht. Je nach Produkt wird der Schnitt von Hand oder mit der Maschine und per Schere oder Messer ausgeführt. Hier ein Überblick über die vier verschiedenen Möglichkeiten, einen Druckbogen zu schneiden:

  1. manuell per Schere: für kurze, gekrümmte oder winklige Schnitte
  2. manuell per Messer: mit dem Papier-, Universal- oder Abbrechmesser entlang einer Metallschiene
  3. maschinell per Schere: in Form von Pappschere, Pappenkreisschere, Rollenschneider oder Trimmer
  4. maschinell per Messer: im Planschneider für einseitigen, im Dreimesserautomaten für dreiseitigen Beschnitt

Welche Schnitte dabei angewendet werden können und weshalb, fasst die folgende Tabelle zusammen:

Bezeichnung des Druckbogen-Schnittes Form des Schnittes Grund
Beschneiden dreiseitiger Beschnitt von z. B. Buchblöcken oder Zeitschriften, bestehend aus:

  • Kopfbeschnitt
  • Fußbeschnitt
  • Front- oder Vorderbeschnitt
Anpassung des Druckprodukts an seine endgültige Größe
Randschnitt vierseitiger Streifenbeschnitt des Druckbogens entlang seiner Kanten Ausgleich von Abweichungen in Winkel oder Format innerhalb eines Bogenstapels
Rundumschnitt vierseitiger Beschnitt des Bogens oder Blocks Anpassung an die Größe des endgültigen Druckprodukts
Trennschnitt ein- oder mehrfaches Durchschneiden des Bogens Trennen von zwei oder mehreren Nutzen eines Bogens
Winkelschnitt rechtwinkliger Schnitt Ausgleich von Abweichungen in Winkel
Zwischenschnitt Herausschneiden eines Streifens beim Trennen von Nutzen Nutzen des Bogens stoßen nicht aneinander

26.04.2019