Produkt: Bundle: Schadensfälle aus der Druckindustrie – Ausgabe 1+2
Bundle: Schadensfälle aus der Druckindustrie – Ausgabe 1+2
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Strategien des automatisierten Zusammendrucks

Voll im Composingmodus

Management Informationssystem: Composing und Sequencing bei fixem Layout (Family Run).
Composing und Sequencing bei fixem Layout (Family Run).(Bild: Dr. Lauterbach & Partner GmbH)


Um beim Zusammenstellen, Planen und Abwickeln von Sammelaufträgen von maximaler Kostenreduktion, Zeitersparnis und Auslastung zu profitieren, ist höchste Automatisierung erforderlich. Wie eine Composing-Strategie heute erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigt der neue Digital Composer (samt Sammelform-Güte-Analyse-Tool CPI) von Dr. Lauterbach & Partner. Wie sehen die Kernprozesse einer solchen Lösung aus? Und welche Vor- und Nachteile hat Composing eigentlich?

 

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Digital Composing – als Teil des Management Informationssystem

Der Zusammendruck ist eine altbewährte Me­thode, Fertigungskosten einzusparen. Um daraus ein profitables Geschäftsmodell zu entwickeln, be­darf es darüber hinaus einer End-to-End-Prozessautomation, beginnend mit Kalkulation, Preisfindung, digitalisiertem Datenaustausch, PDF-Workflow – und im Kern einer Software, die in wenigen Sekunden eine Vielzahl unterschiedlicher Aufträge vollautomatisch regelbasiert zusammenstellt und nach Freigabe der Einteilungsvorschläge ein RIP-fähiges Gesamt-PDF mit Druckkontrollleiste und Marken an die Druckvorstufe transferiert.

Der Digital Composer und die Composervariante »Family Run Optimizer« für die schnelle Einteilung einer Vielzahl von formatgleichen, grafisch aber unterschiedlichen Jobs in eine optimale Fertigungs­sequenz aus Sammel- und Einzelfertigungsaufträgen, bilden zusammen mit Layoutoptimizer, Pre­flightcheck und Gesamt-PDF-Builder den Software­kern einer Prozessautomation, wie sie sich die Dr. Lauterbach & Partner GmbH (Zweibrücken) vorstellt.

 

Pro & Contra Composing

Der formatverschiedene Zusammendruck mit seinen Risiken muss sich gegen massive Konkurrenz behaupten. Da wäre zunächst der Digitaldruck zu nennen, der die Sinnhaftigkeit des Zusammendrucks infrage stellt, dann der Technologiewandel, der zu immer kürzeren Rüstzeiten geführt hat. Hinzu kommt der Break-even zum Einzeldruck, der in vielen Fällen deshalb günstiger ist, weil die Composingrisiken Mehrnutzen, Verwurf und Abfall entfallen, sowie die Vorteile des Einzeldrucks am Planschneider und im innerbetrieblichen Materialfluss.

 

Management Informationssystem: CPI – Kalkulierter Flächenanteil (Flächenäquivalenz).
CPI: Kalkulierter Flächenanteil (Flächenäquivalenz). (Bild: Dr. Lauterbach & Partner GmbH)

 

In vielen Marktsegmenten ist der Family Run Optimizer deshalb vorteilhafter, weil die Risiken des formatverschiedenen Zusammendrucks vermieden und on-top rüstoptimale Fertigungssequenzen erstellt werden können. Voraussetzung hier ist allerdings eine Vielzahl von formatgleichen Auftragspositionen. Letztlich gibt es auch regelmäßig wiederkehrende Aufträge für Lifecycle-Produkte, bei denen der Zusammendruck wegen stehender Druckformen ausgeschlossen und die rüst-optimale Sequenz präferiert wird, um einteilungsbedingte Mehrmengen zu vermeiden. In allen Fällen profitiert der Kunde von den zu erwartenden Benefits.

 

Management Informationssystem: CPI – Kalkulierter Verwurf und Nutzen.
CPI: Kalkulierter Verwurf und Nutzen. (Bild: Dr. Lauterbach & Partner GmbH)

 

Dennoch bleibt dem formatverschiedenen Zu­sammendruck im Zusammenhang mit dem Ge­samt-PDF-Builder noch genügend Marktpotential, vor allem bei Adhoc-Aufträgen, weil die Papierformate im Composingmodus die gegebenen Maschinenformate meist besser ausnutzen als der Einzeldruck. Zum Vergleich ist der Flächenanteil eines DIN-A4-Flyers in Bezug zu einem Papierformat von 630 x 880 gegenüber 720 x 1.020 mm um ca. 30% höher. Der Flächenanteil des Einzelprodukts aber ist ein preisentscheidender Parameter für die Kalkulation und Preisfindung der Composingprodukte, die in Form von Preislisten und Webshops angeboten werden.

 

Kernprozess Composing

Die Auftragsanlage erfolgt in der Regel automatisiert mit Verknüpfung der Druckvorlage über einen Webshop oder auch durch Import einer vom Kunden gelieferten Datei.

  • Preflight-Check
    Nach Eingang der Druckvorlage wird zu­nächst ein PDF-Preflight-Check angestoßen, zum Abgleich des Kunden-PDF mit der Spezifikation des bestellten Produkts. In Grenzfällen kann die Spezifikation geringfügig an die Druckvorlage angepasst werden, bspw. Korrektur des offenen Formats. Nach erfolgreicher Prüfung der Druckvorlage wird der Einzelauftrag für das Composing freigegeben.
  • Selektion des Auftragsvorrats
    Alle aktuellen Einzelaufträge werden in Listform angezeigt und sowohl nach technischen Kriterien wie bspw. Papierqualität, Grammatur, Farbstellung, als auch nach Lieferprioritäten wie Overnight, Express gefiltert. Die Einhaltung der Liefertermine spielt eine wichtige Rolle, weil der Besteller in der Regel für Verkürzungen der Lieferzeit einen Aufpreis zahlt. Aus der Lieferpriorität ergibt sich ein spätester Druckstart, der einzuhalten ist – auch dann, wenn kein befriedigendes Composingergebnis erzielbar ist. Der selektierte Auftragsvorrat wird an den Composer übergeben (zusammen mit den verfügbaren Papierformaten).
  • Composing
    Der Composer erstellt mehrere alternative Einteilungsvorschläge für den selektierten Auftragsvorrat im Zusammendruck formatverschiedener Einzelaufträge – abhängig von Farbstellung, Druckart, Auflagen und Nutzenverhältnissen, technischen Rändern, Beschnitt­vorgaben, Vor-/Nachfalz, Platzbedarf für Marken und Bremsbänder. Das optimale Papierformat wird automatisch gewählt, Verwurf bis zu einer Obergrenze in Kauf genommen, wenn dadurch eine weitere Druckform vermeidbar ist. Der Composer schaltet bei Ausdünnung der Aufträge auf alternative Druckarten um, wie bspw. Umschlagen. Für jeden Sammelbogen wird eine PDF-Preview für Vorder- und Rückseite angezeigt. Die Güte des Einteilungsvorschlags wird in Form einer Kennzahl, dem Composer Performance Index (CPI), berechnet und angezeigt.
  • CPI-Definition
    Der CPI stellt die kalkulierten Composingrisiken wie Mehrnutzen, Verwurf und Papierabfall den tatsächlich erzielten Composing­ergebnissen gegenüber. Die Kalkulation im Composingmodus basiert auf dem Flächen­anteil des Produkts am Papierformat und an einer festen auflagenabhängigen Nutzenanzahl, sodass der Einzelauftrag allein die gesamten bogenbezogenen Kosten nicht deckt. Hinzu kommt der Verwurf als Differenz zwischen der Bestellmenge und einer intern festgelegten Bogenauflage, die das Composing vereinfacht. Wird also bei einer Auflage von 10.000 Stück mit einem Plannutzen von 1 kalkuliert, aber im Auftrag zu zwei Nutzen eingeteilt, kommt es zu einer Kostenunterdeckung. Gleiches gilt für den Papierabfall, der durch mangelnde Ausnutzung der verfügbaren Druckfläche entsteht. Bei einer Bogenauflage von 1.000 und einer Bestellmenge von 900 Stück entsteht ein Verwurf von 100 Stück, der kalkulatorisch zu berücksichtigen ist und im Auftragsfall abweichen kann.
  • Freigabe der Einteilungsvorschläge
    Abhängig vom über eine Ampelsteuerung visualisierten CPI, wird der Einteilungsvorschlag freigegeben. Bei Ampel »rot« kann die Freigabe nur durch berechtigte Personen erfolgen. Die Einzelaufträge nicht freigegebener Einteilungen fallen zurück in den Auftragsvorrat und werden im nächsten Auftragsstapel an den Composer übergeben.
  • Sammelauftrag und Gesamt-PDF
    Nach Freigabe der Einteilungsvorschläge erfolgt die Zusammenfassung der Einzelaufträge zu Sammelaufträgen. Ein RIP-fähiges Gesamt-PDF wird ausgegeben, an einen Belichter adressiert und an die Druckvorstufe transferiert. Das Gesamt-PDF enthält, neben dem grafischen Content, alle über ein integriertes Markenset erzeugten Marken, Barcodes, Bogen und Druckplattenkennungen. Zusätzlich wird eine Datei mit Schneidedaten zur Steuerung des Planschneiders ausgegeben.

 

Family Run Optimizer

Diese Composervariante stellt formatgleiche Aufträge mit unterschiedlichen grafischen Designs bei vorgegebenem Layout in Sekunden zusammen, um einerseits die Anzahl der Druckbogen zu minimieren, andererseits eine rüstoptimale Fertigungssequenz zu erstellen. Eine Produktfamilie (Family) umfasst in der Regel mehrere Sorten, die sich nur durch das Druck­bild unterscheiden. Arbeitspläne und auch der Materialeinsatz sind mit Ausnahme der evtl. druckbildabhängigen Sonderfarben und Werkzeuge, bspw. Lackplatten und Prägeklischees, identisch. Alle Sorten nutzen also denselben Arbeitsplan; Be­druckstoff, Verpackungsmaterial und andere Komponenten sind für alle Sorten identisch.

Analog zum Composer werden alle Aufträge, die zur Family gehören, an den Family Run Optimizer übergeben. Ergebnis ist eine rüstoptimale Fertigungssequenz, bestehend aus einer Reihe von Sammel- und Einzelaufträgen. Dieses Verfahren ist vor allem bei einer Vielzahl von Sortenaufträgen effektiv, weil hunderte von Einzelaufträgen in wenigen Sekunden unter Minimierung von Verwurf und in der günstigsten Fertigungsreihenfolge eingeteilt werden. Der Kunde profitiert von den Vorteilen des Family Run und ist ggf. auch bereit, sein Bestellver­halten unter diesem Gesichtspunkt anzupassen. [8923]

 

 

Mehr über den automatisierten Zusammendruck als Kern einer End-to-End-Prozessautomation – mit Beteiligung der Kunden an den Benefits als Voraussetzung zur Steigerung des Auftragsvolumens – lesen Sie im DD Nr.11/2019.

 

Alles über die Chancen und Risiken einer Composing-Strategie erfahren Sie in DD Nr.14-15/2019 – unter anderem auch, wie die Risiken in der Webshop-Kalkulation bei den Verkaufspreisen korrekt berücksichtigt werden.

 

 

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Produkt: Deutscher Drucker 14-15/2019
Deutscher Drucker 14-15/2019
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