Zeitungsdruck


Der Zeitungsdruck – wie er funktioniert, wie seine Zukunft aussieht, aktuelle Zahlen. Plus: Alle News. Hier auf print.de!

Mehr als jeder zweite Deutsche über 14 Jahren greift einmal am Tag zur Zeitung, sowohl in gedruckter als auch in digitaler Auflage. Wie aber wird sie produziert und wie ist es um die Zukunft des Mediums bestellt in einer Umgebung, die sich derzeit denkbar schnell wandelt? Auf dieser Seite erfahren Sie, wie der Zeitungsdruck funktioniert, welche Zahlen er aktuell schreibt und wie Druckindustrie-Insider mit jahrelanger Erfahrung seine Zukunft sehen. Außerdem finden Sie hier immer die aktuellsten News aus der Branche.

Inhaltsverzeichnis:

Wie funktioniert der Zeitungsdruck?

Heutzutage funktioniert der Zeitungsdruck auf Basis der Computer-to-Plate-Technologie (CtP) oder ihrer Weiterentwicklung Computer to Press. Hierbei wird die Druckplatte unmittelbar mit Daten aus dem Computer bebildert – bei der CtP-Technik findet der Vorgang in einem Belichter statt, bei Computer to Press direkt in der Druckmaschine. Drei Eigenschaften sind im Zeitungsdruck immer wichtig:

  • Schnelligkeit
  • Flexibilität
  • niedrige Kosten
Zeitungsdruck: Angebot am Kiosk
Nichts ist älter als eine Zeitung von gestern – damit das Angebot am Kiosk mit dem Aktualitätsanspruch mithalten kann, muss der Zeitungsdruck schnell, flexibel und günstig vonstattengehen.

Deshalb kommt als Druckverfahren in erster Linie der Rollenoffset zum Einsatz. Der Offsetdruck ist das ausgereifteste Hauptdruckverfahren, was Druckqualität und Produktionstechnik angeht, der Rollenoffset seine besonders produktive Variante. Er beruht auf der gegenseitigen Abstoßung von Fett und Wasser: Die nicht zu druckenden Elemente der Druckplatte nehmen Wasser an und stoßen Farbe ab, die zu druckenden Elemente (z. B. Buchstaben) verhalten sich umgekehrt. Die Farbe wird zuerst von der Druckform auf einen Zylinder, dann auf den Bedruckstoff übertragen.

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Das Druckverfahren für den Zeitungsdruck: Rollenoffset

Im Rollenoffset-Druckverfahren unterscheidet man zwischen dem Coldset, der für den Buch- und Zeitungsdruck eingesetzt wird, und dem Heatset. Bei letzterem wird das Druckprodukt vor dem Falzen getrocknet und gekühlt; eingesetzt wird der Heatset in erster Linie für Werbedrucksachen (z. B. Broschüren) und Zeitschriften. Der Zeitungsdruck auf einer Rollenoffset-Maschine im Coldset läuft in den folgenden vier Schritten ab:

  1. Der Bedruckstoff wird – mit einer vom Vorspannwerk konstant gehaltenen Bahnspannung – von der Rolle zum ersten Druckwerk geführt.
  2. Für jede weitere Farbe durchläuft er ein weiteres Druckwerk.
  3. Im Falzüberbau mit Falztrichter wird die Bahn längs geschnitten und gefalzt, die entstandenen Teilstränge werden übereinandergelegt.
  4. Der Falzapparat schneidet anschließend die Bahn quer und falzt das Produkt.

⇒ Nähere Informationen zum Rollenoffset-Verfahren finden Sie hier.

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Zeitungsdruck im Video

Einen Einblick in den Zeitungsdruck gibt das folgende Video. Es zeigt die Abläufe in einer Druckerei und veranschaulicht die Funktionsweise des Rollenoffsets. Der Film beginnt beim Einlegen der Rolle – pro Ausgabe werden bis zu 22 Tonnen Papier bedruckt – und dem Belichten der Druckplatten. Es folgen Druck, Falzen, Schneiden. Nach Qualitätskontrolle und Druckweiterverarbeitung wird die Zeitung zum Leser gesandt.

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Berliner Format & Co.: Die gängigsten Größen im Zeitungsdruck

Die Dimensionen der heute gängigen Zeitungsformate gehen auf die DIN 16604 von 1973 zurück. Grund für die Normierung war, dass die Zusammenarbeit von Werbetreibenden und Zeitungsdruckern vereinfacht werden sollte. In der DIN werden die folgenden drei Zeitungsgrößen hinsichtlich Satzspiegelbreiten, -höhen und Spaltenbreiten definiert:

  • Berliner Format: 315 x 470 mm
  • Rheinisches Format: 350 x 510 mm | 350 x 520 mm | 360 x 530 mm
  • Nordisches Format: 400 x 570 mm

Die Größen werden in Breite mal Höhe für die nicht aufgeschlagene Zeitung angegeben.

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Die Standards: Welche Auflösung/Farbprofile für den Zeitungsdruck verwenden?

Auflösung und Farbprofil sind wohl die am häufigsten nachgefragten Standards für den Zeitungsdruck. Eine gängige Auflösung für Bilder sind 200 dpi, ein gängiges Profil ist ISOnewspaper26v4. Doch Vorsicht: Dies sind nicht die einzigen Richtlinien, die man beachten muss. Deshalb, und weil sie von Haus zu Haus abweichen können, sollten sie immer direkt beim Verlag bzw. Drucker erfragt werden.

Papiersorte Zeitungsdruckpapier
Standardmäßig im Zeitungsdruck eingesetztes Papier hat ein Flächengewicht von 40 bis 50 g/m² und besteht zum großen Teil aus Recyclingfasern.

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Wer hat den Zeitungsdruck erfunden?

Der moderne Zeitungsdruck hat mehrere Erfinder. Johannes Gutenberg legte mit den beweglichen Drucklettern, die er in Serie fertigte, 1444 den Grundstein für die massenhafte Verbreitung des gedruckten Worts. Es folgten zahlreiche weitere Erfindungen und Weiterentwicklungen – meist unabhängig voneinander. Sie waren jedoch allesamt notwendig für die Entwicklung des heutigen Zeitungsdrucks:

1796 Der Deutsche Alois Senefelder entdeckte die Lithografie, Basis für die Entwicklung des Offsetdrucks mehr als hundert Jahre später.
1812 Gutenbergs Tiegeldruckpresse wurde von der Zylinderdruckmaschine abgelöst. Ihr Erfinder: der deutsche Buchdrucker Friedrich Koenig.
ab 1846 Die Rotationsdruckmaschine des Amerikaners Richard March Hoe ersetzte die Zylinderdruckmaschine.
1904 Der Amerikaner Ira W. Rubel und der in den USA lebende deutsche Immigrant Caspar Hermann erfanden den Offsetdruck.
1970er-Jahre Der Offsetdruck entwickelte sich zum wichtigsten Verfahren für den Zeitungsdruck.
1993 Auf der Druckmesse IPEX wird der erste Belichter für die CtP-Technologie vorgestellt, die heute die Basis für den Zeitungsdruck im Rollenoffset-Verfahren ist. Als Erfinder von CtP gilt der Schweizer Thomas Kälin.

⇒ Weitere Informationen zum Offsetdruck finden Sie hier.

Johannes Gutenberg
Einer der Erfinder des Zeitungsdrucks: Der Goldschmied Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, aus Mainz (um 1400 – 1468). Das Bild entstand postum im 16. Jahrhundert.

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Aktuelle Entwicklung: Der Zeitungsdruck in Zahlen

Rund 18,3 Millionen Zeitungen werden durchschnittlich pro Erscheinungstag verkauft, das hat die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) für das zweite Quartal 2017 ermittelt; dazu zählen auch 1,2 Millionen E-Paper-Ausgaben. Dementsprechend groß ist die Reichweite: 62,6 % der Bürger über 14 Jahren greifen pro Tag zur Zeitung. Die Gesamtauflage (Papier plus digital) teilt sich folgendermaßen auf die einzelnen Sparten:

  • Tageszeitungen: 15,3 Mio. Exemplare
  • Sonntagszeitungen: 2,0 Mio. Exemplare
  • Wochenzeitungen: 1,7 Mio. Exemplare

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Produktstruktur der Druckindustrie 2017

Laut Statistischem Bundesamt waren Zeitungen und Anzeigenblätter im Jahr 2017 die Nummer zwei in der Produktstruktur der Druckindustrie (Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten). Die Anteile der verschiedenen Erzeugnisse an der Gesamtproduktion gliederten sich wie folgt:

  • Werbedrucke und Kataloge: 40 %
  • Zeitungen und Anzeigenblätter: 10 %
  • bedruckte Etiketten: 9,8 %
  • Geschäftsdrucksachen: 9,8 %
  • Zeitschriften: 8,1 %
  • Bücher und kartografische Erzeugnisse: 7,2 %
  • Kalender und Karten: 1,2 %
  • sonstige Druckerzeugnisse (z. B. Verpackungen): 13,5 %
Produktstruktur der Druckindustrie 2017
So sah die Produktstruktur der Druckindustrie im Jahr 2017 aus. Die Zahlen wurden vom Statistischen Bundesamt erhoben.

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Verteilung der Nettowerbeeinnahmen 2015 bis 2017

Bei den Nettowerbeeinnahmen lagen die Tageszeitungen 2017 laut Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft auf dem zweiten Platz, die Anzeigenblätter folgten auf Rang drei. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die Erlöse aus der Werbung seit 2015 auf die verschiedenen Mediengattungen verteilten, und die untenstehende Grafik veranschaulicht die prozentualen Anteile für 2017.

Nettowerbeeinnahmen
2017 in Mio. Euro
2016 2015
Fernsehen 4.591 4.560 4.422
Tageszeitungen 2.386 2.532 2.651
Anzeigenblätter 1.857 1.917 1.811
Online und Mobile 1.639 1.517 1.425
Außenwerbung 1.151 1.033 1.005
Zeitschriften (Publikum) 965 1.015 1.075
Fachzeitschriften 834 865 862
Verzeichnismedien 790 845 892
Hörfunk 784 768 743
Wochen- und Sonntagszeitungen 138 144 155
Filmtheater 93 88 95
Zeitungssupplements 79 79 79

 

Anteil des Zeitungsdrucks an Nettowerbeeinnahmen 2017
So verteilen sich die Nettowerbeeinnahmen 2017 auf die verschiedenen Medien: Auf das Fernsehen (30 %) folgen die Tageszeitungen (15,6%).

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Produktionswert von Anzeigenblatt- und Zeitungsdruck 2011 bis 2017

Der Jahresbericht des Bundesverbands Druck und Medien (BVDM) listet die Produktionswerte der deutschen Druckindustrie die vom Statistischen Bundesamt auf Basis der Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten erhoben werden. Im Folgenden zeigen eine Übersicht und eine Grafik, wie sich der wertmäßige Umfang (in Millionen Euro) des Anzeigenblatt- und Zeitungsdrucks über die letzten sieben Jahre entwickelte.

Produktionswert 2017 in Mio. Euro 2016 2015 2014 2013 2012 2011
Tageszeitungen 874 868 869 917 856 901 878
Wochenzeitungen 175 210 219 219 221 223 219
Anzeigenblätter 194 200 185 197 209 228 234
gesamt 1.243 1.278 1.273 1.333 1.286 1.352 1.331

 

Produktionswert von Anzeigenblatt- und Zeitungsdruck über die Jahre 2011 bis 2017
Entwicklung des Produktionswerts von Anzeigenblatt- und Zeitungsdruck über die Jahre 2011 bis 2017. Die Werte verstehen sich in Millionen Euro.

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Die Zukunft des Zeitungsdrucks

Mit dem eigenen Zeitungsdruck – für Tageszeitungen oder Anzeigenblätter – sind viele Druckereien nicht mehr ausgelastet. Wie sieht ihre Zukunft aus? Manche verringern die Kapazität, andere suchen alternative Märkte. Zeitungsdruckereien sind also auf neue Geschäftsmodelle angewiesen. Wie Experten die Zukunft des Zeitungsdrucks sehen, zeigen die folgenden Statements vom “Zeitungsgipfel”, 2015 veranstaltet von Deutscher Drucker und BVDM.

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Neues Selbstverständnis der Druckereien

“Eins muss klar sein”, sagte Matthias Tietz, Geschäftsführer der Rheinisch-Bergischen Druckerei (RBD) in Düsseldorf und BVDM-Vizepräsident sowie Ausschussvorsitzender Technik + Forschung. “Wir sind prinzipiell austauschbar geworden. Ein Kunde kann bei uns drucken, er kann woanders drucken.” Seine Folgerung aus diesem Wandel: “Wir müssen uns mehr als Unternehmer in einem wirtschaftlichen Umfeld verstehen, unser Angebot neu aufstellen und an die Dinge anders herangehen. Dann werden wir als Druckerei, die auch Zeitung druckt, Zukunft haben.”

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Verringerung der Kapazitäten und ihre Folgen

Der Wandel im Selbstverständnis der Zeitungsdruckereien bringe Folgen für die Kunden mit sich, berichtete Dr. Klemens Berktold, Geschäftsführer der Funke Druck GmbH in Essen: “Wir sind zwar möglicherweise austauschbar geworden, aber mittlerweile sind die zur Verfügung stehenden Kapazitäten für Fremdaufträge teilweise sehr klein geworden. Wir sind jetzt schon an dem Punkt, Kunden sagen zu müssen, dass wir ihre Aufträge möglicherweise nicht drucken können.” Je mehr Druckereien ihre Kapazitäten verringerten, desto weniger Möglichkeiten blieben den potenziellen Auftraggebern: “Sie waren ja immer davon überzeugt, über viele Alternativen zu verfügen und haben deswegen auch nie auf längerfristige Druckverträge gehofft oder gar nicht verhandelt.”

Im Extremfall – abhängig von der Größe des Kunden und seiner Region – könne laut Dr. Berktold die Folge sein, dass ein Kunde fragen müsse: “Wie viel Geld muss ich euch auf den Tisch legen, damit ihr eine Maschine reaktiviert und nur mich exklusiv auf dieser Maschine druckt.” Und er fasste zusammen: “Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ist in einigen Regionen an einem Wendepunkt angekommen.”

Je nach Größe einer Zeitungsdruckerei müsse in der Firmenpolitik der Umgang mit Fremdaufträgen fixiert sein, darin waren sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde einig. Ein kleineres Unternehmen können sich von Zeit zu Zeit noch Bauchentscheidungen zugunsten von Kundenwünschen leisten, ein größeres Haus dagegen müsse sich im Sinne einer Null-Risiko-Linie ausschließlich an den Bedürfnissen des Verlags orientieren.

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Neue Märkte und Techniken

Wolfgang Poppen, Verleger und Geschäftsführer des Badischen Pressehauses sowie BVDM-Präsident, führte zu den neuen Möglichkeiten der Zeitungsverlage aus: “Wir kommen gar nicht darum herum, auch in diesen Medien wie Facebook stattzufinden und aufzunehmen, was da läuft. Und das, was dort gut funktioniert, muss sich zumindest in Teilen in der gedruckten Zeitung abbilden.” Sein Fazit: “Themen, die online laufen, können nachher im Print vermarktet werden.”

Für Dr. Klemens Bertold liegen neue Möglichkeiten auch in kostenlosen gedruckten Zeitungen, wie sie beispielsweise Verlage in der Schweiz produzieren: “Wenn ich über zukünftige verlegerische Produkte nachdenke, dann muss ich mir im Grunde ein Produkt mit ähnlicher Kostenstruktur vorstellen, wie ich das im Internet habe. Das heißt, die Druckerei der Zukunft muss so günstig produzieren können, wie es irgendwie geht.” Potenzial dafür liege vor allem im Coldset. Ausgehend vom aktuellen Bestandsgeschäft sei zudem möglich, dass sich die Produktion von Zeitungen und Anzeigenblättern aufsplitte – in extrem regionalisierte, digital gedruckte Zeitungen auf der einen und Anzeigenblätter in hohen Auflagen auf der anderen Seite.

Fotodrucke aus dem Digitaldruck
Fotodrucke in hoher Qualität und kleiner Auflage sind üblicherweise eine Domäne des Digitaldrucks. Künftig könnte er auch für den stark regionalisierten Zeitungsdruck interessant werden.

Matthias Tietz forderte zudem technische Angebote seitens der Druckmaschinen-Hersteller, die die Verbindung von Zeitungs- und Akzidenzdruck möglich machten: “Der für mich größte Mangel ist, dass die Lieferanten noch immer Zeitungs- und Akzidenzdruckmaschinen separat entwickeln und anbieten. Hier muss es Querschnittsangebote im Sinne der sich wandelnden Marktanforderungen geben.” Er fasste zusammen: “Wir brauchen ein Mehr an Dialog der Lieferanten mit den sich wandelnden Zeitungsdruckereien.”

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Stellenangebote im Zeitungsdruck

Wer eine Stelle im Zeitungsdruck – oder generell in der Druckbranche – sucht, sollte regelmäßig den Stellenmarkt von print.de aufrufen. Die Jobangebote auf unserer Seite stammen direkt von den Unternehmen und sind nach Aktualität gelistet. Sie können nach Beruf sowie nach Ort oder Postleitzahl gefiltert werden.

⇒ Freie Stellen finden Sie hier im Stellenmarkt auf print.de.

Artikel unter Verwendung eines Beitrags von Gerd Bergmann und Annika Böhringer.

Erstmals erschienen 2015, letzte Aktualisierung 24.09.2018.