Textildruck


Was Textildruck heute zu bieten hat, wie die verbreitetsten Verfahren funktionieren und aktuelle News: Hier auf print.de!

Ob T-Shirts, Sweatshirts, Flaggen oder Stoffbezüge – bedruckte Textilien sind an sich nichts Neues. Dank Digitaldruck bieten sich jedoch viele neue Möglichkeiten im Bereich Textildruck. Das beflügelt nicht nur Druckdienstleister, sondern auch Architekten, Designer, Modeschöpfer und kreative Kunden. Was der Textildruck (engl. textile printing) – insbesondere in den digitalen Verfahren – heute zu bieten hat, wie die verbreitetsten Verfahren funktionieren und welche News es aus der Branche gibt, erfahren Sie auf dieser Seite.

Inhaltsverzeichnis:

Definition: Textildruck – was ist das?

Der Begriff Textildruck fasst verschiedene Druckverfahren zusammen, mit denen Stoffe bedruckt werden. Das Bearbeiten von textilem Gewebe ist komplexer als das von Papier, da die unterschiedlichen Substrate spezielle Farben und Behandlungsformen erfordern. Da es unzählige bedruckbare Textilien mit den unterschiedlichsten Namen gibt, unterteilen Drucker diese in die folgenden Hauptsorten:

  • Baumwolle
  • Polyester
  • Baumwolle-Polyester-Mischungen
  • Lycra
  • Viskose
  • Seide
  • Leder
  • Satin
  • Wäsche
  • Wolle
Textildruck im Großformat für die Wandgestaltung von Erler+Pless
Textildruck im Großformat von Erler+Pless: Die Wandgestaltung in der Europazentrale der Bahn in Berlin besteht aus Tapeten, Textilspannrahmen und Akustikvlies zur Reduzierung des Halls. (Bild: Erler+Pless)

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Welche Textildruck-Verfahren gibt es?

Im Prinzip kommen die folgenden fünf Verfahren im Bereich Textildruck zum Einsatz, die in den nächsten Absätzen vorgestellt werden:

  1. Flex- und Flocktransferdruck
  2. Thermosublimationsdruck
  3. Siebdruck
  4. Digitaltransferdruck
  5. Digitaldirektdruck

Weitere Methoden, die zum Bedrucken von Textilien angewendet werden, sind Unterarten oder Abwandlungen dieser Verfahren. Sie funktionieren also nach denselben Prinzipien.

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Flex- und Flocktransferdruck

Beim Flex- und Flocktransferdruck handelt es sich um ein indirektes Druckverfahren, bei dem das Motiv mithilfe eines Trägermaterials auf das Substrat transferiert wird (Transferdruckverfahren). Beim Flexdruck wird das Motiv aus vorgefärbten Folien geschnitten und mithilfe von Hitze und Druck in die Textilfasern gepresst. Der Flockdruck erfolgt nach demselben Prinzip. Hier ist die Transferfolie zusätzlich mit Viskosefasern ausgestattet, die nach dem Aushärten eine flauschige Samtoberfläche entstehen lassen.

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Thermosublimationsdruck

Auch beim Thermosublimationsdruck handelt es sich um ein Transferdruckverfahren. Hier wird Sublimationsfarbe oder -tinte auf ein spezielles Trägermaterial aufgebracht. Beim anschließenden Thermotransfer wird die Farbe oder Tinte gasförmig, sublimiert dadurch direkt in die Polyesterfaser und färbt diese ein. Es findet also kein Farbübertrag statt, die Motive entstehen quasi im Gewebe der Textilien.

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Siebdruck

Der Siebdruck ist ein Direktdruckverfahren. In seiner verbreitetsten Anwendung wird die Farbe – Schicht für Schicht – direkt in das Gewebe gedrückt. Getrocknet und fixiert wird die Farbe mithilfe von Wärme. Da für jeden Farbton ein eigenes Sieb zum Einsatz kommt, erfordert die Herstellung dieser Druckformen viel Zeit und Geld. Bei hohen Auflagen wird dieser Aufwand jedoch als unumgänglich akzeptiert.

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Digitaltransferdruck

Der Digitaltransferdruck funktioniert ähnlich wie der Flex- und Flocktransferdruck, mit einem Unterschied: Die obere Folienschicht wird erst unmittelbar vor dem Transfer bedruckt, das Trägermaterial kommt also sozusagen blanko vom Hersteller in die Druckerei. Das Bedrucken der Folie kann mit verschiedenen digitalen Verfahren erfolgen, etwa durch:

  • tintenbasierende Druckverfahren
  • Laser-Toner-Verfahren
  • Solventdruck (auf Vinylträger)

Für die Einsteiger unter den Druckereien ist der Transferdruck das beste Digitaldruckverfahren: Man benötigt einen Drucker mit Sublimationstinte beziehungsweise Transfertinten für das spezielle Transferpapier sowie einen Kalander für die Übertragung auf das Gewebe. Da der Kalander in der Regel schneller arbeitet als ein Drucker, kann man heute mit zwei bis drei Druckern und nur einem Mitarbeiter die Papierrollen bedrucken und über den einen Kalander auf Stoff transferieren.

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Digitaldirektdruck

Der direkte Digitaldruck ist das neuste Verfahren im Bereich Textildruck. Bei dieser Technik werden spezielle Textilfarben mit einem Tintenstrahlverfahren direkt auf das Gewebe aufgebracht. Danach wird das Motiv durch die Einwirkung von Hitze fixiert.

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Im Fokus: Digitaler Textildruck

Ein Beispiel für die Möglichkeiten des digitalen Textildrucks sind die Zelte, Tipis und Sonnensegel des Outdoor-Ausstatters Fieldcandy, die sich durch ihr frisches Design auszeichnen. Das Modell “Animal Farm” bietet Platz für zwei bis drei Personen und zeigt grasende Schafe auf der Weide. Sein Gewebe ist dem Anbieter zufolge besonders leicht, reißfest, schwer entflammbar, vollständig wasserdicht und UV-beständig.

Textildruck digital: Zelt von Fieldcandy
Fieldcandy gestaltet Zelte im digitalen Textildruck, die sich auf ganz eigene Weise in die Landschaft integrieren.

Der Ausrüster erschließt sich damit neue Zielgruppen über die klassischen Camper hinaus: Designliebhaber und Menschen, die auffallen wollen, aber auch Werbetreibende und Kooperationspartner. Allein anhand dieses textilen Printprodukts zeigt sich einmal mehr, welche Chancen der digitale Druck bietet – und welche neuen Produktwelten durch eine kreative Kombination mit textilen Bedruckstoffen möglich sind: im gewerblichen und privaten Bereich.

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Welche Vorteile bietet der Digitaldruck?

Sowohl der digitale Transfer- wie auch der digitale Direktdruck bietet zahlreiche Vorteile für den Textildruck:

  1. Einsparung von Zeit und Kosten für die Erstellung von Druckformen
  2. Wechsel von einem Druckmuster zum nächsten bei voller Druckgeschwindigkeit und ohne Anlaufmakulaturen
  3. kleinere Auflagen bis hin zu individuellen Stücken
  4. hohe Qualität: fotorealistische Prints

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Welche Textilien können bedruckt werden?

Gestalten lässt sich im digitalen Textildruck eine große Auswahl von Produkten, auch über die bekannten Artikel wie Shirts hinaus. Bedruckbare Textilien sind etwa die folgenden:

  • Bekleidung
  • Stoffbezüge
  • Flaggenstoff
  • Mesh-Gewebe
  • Taftstoff
  • Polyester

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Welche Farbe eignet sich für den digitalen Textildruck?

Die Schwierigkeit des Textildrucks liegt darin, dass Tinten beziehungsweise Farben während des Druckprozesses sehr schnell und andauernd auf den Stofffasern haften müssen. So sind passende Tintensorten jeweils für bestimmte Gewebearten oder Stoffe entwickelt und optimiert worden. Hier ein Überblick über die Eigenschaften und Einsatzbereich von sechs Tinten:

Reaktivtinten Säuretinten Dispersionstinten
geeignete Fasern Mischgewebe mit mind. 60 % natürlichen Fasern und rein natürliche Fasern:

  • Baumwolle
  • Seide
  • Samt
  • Viskose
Seide und synthetische Fasern:

  • Lycra
  • Nylon
  • Polyamid
  • Chemiefasern
  • Polyamid
  • Polyester
  • Mischgewebe mit über 50 % Polyesteranteil
Verarbeitung
  • Vorbehandlung des Substrats
  • Fixierung durch Wasserdampf
  • Vorbehandlung des Substrats
  • Fixierung durch Wasserdampf
  • Vorbehandlung des Substrats
  • anschließende Fixierung
Verwendung
  • Vorhänge
  • Bettbezüge
  • Polsterbezüge
  • Bekleidung
  • Modestoffe
  • Bekleidung
  • Accessoires
  • Bademoden
  • Banner
  • Flaggen
  • Außenschilder
  • Autoklebefolien
  • Heimtextilien
  • Sportkleidung

 

Sublimationstinten Pigmenttinten UV-härtende Tinten
geeignete Fasern Polyester Baumwollmisch-, Baumwollgewebe praktisch alle Materialien
Verarbeitung
  • Gewebe ohne Beschichtung: Druck auf Transferpapier
  • beschichtetes Gewebe: Druck aufs Substrat
  • Färbung unter Druck- und Hitzeeinfluss
  • Vorbehandlung des Substrats durch Bindemittel
  • Fixierung durch Kondensieren
Aushärtung unter UV-Licht
Verwendung Funktions- und Sportbekleidung
  • Heimtextilien
  • Bekleidung
  • Flaggen
  • Banner
  • Flaggen
  • Außenschilder
  • Autoklebefolien
  • Heimtextilien
  • Sportkleidung

Die Tintensorten können zwar auch weniger geeignete Substrate bedrucken, allerdings zulasten der Qualität. Und ein Tintenwechsel in der Druckmaschine ist zwar nicht ausgeschlossen, aber relativ aufwendig. Deshalb sollten Druckereien vor dem Einstieg in den Bereich Textildruck entscheiden, welche Substrate später hauptsächlich gestaltet werden sollen, und dies bei ihren Investitionen berücksichtigen.

Eine der wichtigsten Forderungen an den Textildruck ist, dass das Produkt am Ende geruchlos ist. Aus diesem Grund sind heute fast alle Inkjettinten wasserbasierte Tinten, wenn immer möglich ohne jeden Anteil von Lösungsmitteln.

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Printeriors – Messe für den Textildruck

Dass die Kombination aus Textilien und Digitaldruck Businesspotenzial hat, macht sich auch im Messegeschäft bemerkbar. So bietet die Fespa seit 2015 eine Veranstaltung, die die Chancen für Innendesign und -dekoration demonstrieren soll. Printeriors heißt die Messe, die Druckdienstleister und Designer zusammenbringen will. Sie zeigt weniger Druckverfahren und -technologien als deren Anwendung für die Raumgestaltung – beispielsweise für:

  • Einzelhandel
  • Wohnräume
  • Firmenräume
  • Hotels
  • Gastronomie

Die Schau bietet Designern und Architekten eine visuelle und haptische Erfahrung, von Wand- und Bodengestaltung über Möbel bis hin zu Accessoires. Die nächste Printeriors findet von 14. bis 17. Mai 2019 in München statt.

⇒ Die wichtigsten Messen für die grafische Industrie in Deutschland und weltweit finden Sie hier.

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Jobs im Textildruck

Wer einen Job im Textildruck – oder generell in der Druckbranche – sucht, sollte regelmäßig den Stellenmarkt von print.de aufrufen. Die Stellenangebote auf unserer Seite stammen direkt von den Unternehmen und sind nach Aktualität gelistet. Sie können nach Beruf sowie nach Ort oder Postleitzahl gefiltert werden.

⇒ Freie Stellen finden Sie hier im Stellenmarkt auf print.de.

Arbeitsplatz im Textildruck: Durst Alpha 330
Arbeitsplatz im Bereich Textildruck: An der Durst Alpha 330 werden industriell Heimtextilien produziert.

Artikel unter Verwendung von Beiträgen von Nicola Scheifele und Kurt K. Wolf.

Erstmals erschienen 2015/16, letzte Aktualisierung 09.08.2018.