UV-Lackierung: Probleme bei der Bogentrennung


Die Ergebnisse der Rutschwinkel der verschiedenen Proben sind im Diagramm dargestellt. Lackierungen, die nicht im Zusammenhang mit Reklamationen standen (Lackeigenschaften „OK“; grüne Säulen) weisen Rutschwinkel im Bereich zwischen 10° und 23° auf. Eine wegen mangelnder Klebeband- und Nagelfestigkeit beanstandete Lackierung (Lackeigenschaften „K + N“; blaue Säule) bewegte sich mit 23° im gleichen Rutschwinkelbereich wie die nicht blockenden Lackierungen. Die aus Reklamationen stammenden blockenden Lackierungen (Lackeigenschaften „B“; rote Säulen) hingegen wiesen auch bei der relativ geringen, in der Norm geforderten Belastung von 0,05 N/cm², hohe Rutschwinkel von 27° bis 38° auf. Mit mehr als 28° Rutschwinkel lagen die wegen Problemen der Bogentrennung beanstandeten Lackierungen (Lackeigenschaften G; braune Säulen) in relativ hohen Bereichen, ähnlich den blockenden Mustern.  

Strengere Prüfungen

Während der Prüfungen war aufgefallen, dass bereits nach manuellem, geringen Druck auf die Proben die Lackierungen kaum noch zu trennen waren. In Anlehnung an die Reibungsmessungen nach DIN 53119-2 wurden anschließend die Prüfungen nochmals unter verschärften Bedingungen vorgenommen. Die beschichteten Proben wurden vor der normengerechten Prüfung für 60 Sekunden mit 1,25 N/cm² belastet. Diese Belastung liegt im Bereich einer „normalen“ Stapelbelastung von Druckprodukten, die nicht zu hoch aufgestapelt werden. Die anschließenden Messungen der Haftreibung boten eine Überraschung.

Nach der kurzen Druckbelastung stiegen bei den beiden Lackierungen (Lackeigenschaften „H“; braun schraffierte Säulen) die Rutschwinkel auf 63° bis 65° an. Dieses Verhalten, selbst bei Normklima (23°C, 50% relative Luftfeuchte) wies eindeutig darauf hin, dass das Stapelverhalten der Lacke unzureichend ist. Keines der anderen geprüften Lackmuster wies vergleichbare negative Eigenschaften auf.

Fazit

Die Untersuchungen zeigten eindeutig, dass eine Lackeigenschaft zu der Reklamation beigetragen hat. Obgleich der UV-Lack als nicht klebefähig ausgewiesen war und Gleitmittel (Silikone) enthielt, zeigte dieser unter Druckbelastung ein ungewöhnliches Verhalten, das allgemein als „Glasplatteneffekt“ bekannt ist. Glatte Flächen, wie Glasplatten, können nach Auftrag eines dünnen Feuchtigkeitsfilms, zum Beispiel durch anhauchen, nahezu untrennbar aneinander haften. Diesem Verhalten sollte der Silikongehalt eigentlich entgegenwirken. Vermutlich wird trotzdem durch etwas veränderte Stapellast (Spotlackierung) und eventuell erhöhte Raumluftfeuchte während der Regenperioden das Gleitverhalten negativ beeinflusst.

In jedem Fall erscheint es als gute Idee, wenn Hersteller von UV-Lacken im Hinblick auf deren Trennverhalten während des Sommerhalbjahrs Silikate als Abstandhalter beimischen können.

 

Der Autor Peter Stadler ist freier Berater (Firma Info Star, München) und ehemaliger Abteilungsleiter der Abteilung Druckweiterverarbeitung, Druckpapier und ID-Kartenprüfung bei der Fogra.
E-Mail: infostar@stadler-muenchen.com
Tel. 0 89/74 10 00 23

Erschienen in DD4/2013

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