Wohin entwickelt sich die Druckindustrie?


Neue Anforderungen. Aus dem Zusammenwachsen der Medienmärkte, dem veränderten Mediennutzungsverhalten und den neuen Anforderungen der Kunden und Verlage resultieren neue Anforderungen für die Medien- und Druckbranche. Diese lauten: noch kürzere Produktionszeiten, Workflowautomatisierung, die parallele Produktion von Print- und E-Ausgaben. Die Folge, die dies mit sich bringt: Neue Fähigkeiten sind gefragt. Verschiedene Ausgabeformate für verschiedene Geräte müssen beherrscht werden, ebenso die Verwaltung von Inhalten aller Art.Während Verlage sich zu Content-Anbietern entwickeln, werden Druckdienstleister zu Infrastrukturanbietern: Verlage suchen nach Wegen, Inhalte, das heißt ein komplettes Buch, Teile daraus oder aus mehreren Büchern zu vermarkten und Zugriffe zu organisieren.Druck- und Mediendienstleister gestalten diese Prozesse und Transportmittel ihrer Kunden. Sie gewährleisten die individuelle Komposition von Inhalten zum maßgeschneiderten Produkt, das heißt sie organisieren diese Content- und Metadaten, bauen Strukturen in XML auf und machen Inhalte verfügbar für alle Medienkanäle, jederzeit und an jedem Ort.
Neue Technologien beeinflussen die Geschäftsfelder der Unternehmen in der Zukunft. Cloud Computing-on-Demand, In-Memory (mit hohen Datenmengen sehr schnell umgehen können) sowie mobile Dienste stellen weitere Anforderungen an die Betriebe. Diese könnten beispielsweise lauten: Entwicklung mobiler Dienste, Kundenapplikationen, das Schaffen von flexiblen Cloud-Angeboten und digitales Asset-Management für Kunden.

Megatrends Printplus? Das Zukunftsforschungsinstitut Trendone in Hamburg identifiziert unter dem Zauberwort „Printplus“ weitere Trends und Märkte für die Branche wie Augmented Reality, das heißt die Realität mit virtuellen Inhalten anzureichern. Oder Printed Electronics wie zum Beispiel gedruckte Batterien, Displays oder Solarzellen, großflächige OLEDs, das heißt selbstleuchtende Elemente, E-Books, RFID-Etiketten, intelligente Verpackungen. Die Techniken dazu stehen derzeit vor der Schwelle der industriellen Massenfertigung und schaffen neue Produktideen. Bei Sense Print reagiert Gedrucktes auf Berührung. Texte erscheinen oder verändern sich bei sensorischen Eindrücken. Der Trend „Transactive Print“ meint die Interaktion zwischen Print und mobilen Anwendungen. Bei Video in Print wird ein Video in eine Printbeilage eingebettet und wertet das Druckerlebnis auf. Neben der Kombination von Print- und Online-Produkten, neuen Geschäftsfeldern und Märkten in IT-Services und Media-Asset-Management konzentriert sich die Druck- und Medienbranche aber auch auf neue, kreative und hoch veredelte Printprodukte.
In der Fülle der Wettbewerber und Informationsmedien setzen die Kunden der Druckindustrie immer häufiger auf das haptische und sensorische Erleben eines gedruckten Produktes. Ein weiteres Wachstumsfeld ist in diesem Zusammenhang auch der Verpackungsdruck. Dieser wächst selbst in Industrieländern und Schwellenländern gleichermaßen, weil die Verpackungen immer aufwendiger werden. Ähnliches gilt für Kopierschutz wie auch für Sicherheitstechniken auf Druckprodukten.
Die Zukunft der Druck- und Medienbranche ist also vielfältiger, als sie sich derzeit schon präsentiert. Und wie es die kürzlich in Brüssel vorgestellte EU-Studie zur Zukunft der Druckindustrie pointiert darstellt: Die Zukunft der Branche liegt in ihren eigenen Händen!

"Erfolg gelingt nur, wenn Unternehmen den Schulterschluss in ihrem Verband üben" 

Wie die Zukunftsgestaltung der Druckindustrie in Verbindung mit der Tätigkeit des Bundesverbandes Druck und Medien aussieht, dazu nahm Hauptgeschäftsführer Dr. Paul Albert Deimel Stellung.

DD: Wie sieht der Wettbewerb in der Druckindustrie momentan aus?
Deimel: D er Wettbewerb zwischen den Medien und die kommenden Herausforderungen auf nationaler und internationaler Ebene machen mehr denn je deutlich, wie wichtig ein Schulterschluss der Unternehmen in Verbän den ist. Die Druck- und Medienindustrie braucht eine starke Lobby, damit die Unternehmen sich entwickeln können.
DD: Welche werden die zukünftigen Aufgaben des BVDM sein?

Deimel: D ringende Aufgaben sind der Schutz der unternehmerischen Freiheit und des Wettbewerbes. Die aktuellen Strukturdebatten über die Branche in der Europäischen Union sind ein herausragendes Beispi el dazu. Ebenso die Neupositionierung der Druckunternehmen und ihre Leistungen im Medienmix, eine klare Stimme zum Urheber- und Leistungsschutzrecht, zur Medienkonzentration und zum Verbraucherschutz – dies sind nur wenige Themen, zu denen der BVDM künftig eine starke Flagge zeigen muss und wird.

Dr. Paul Albert Deimel

DD: Gibt es konkrete Pläne, wie die Zukunft der Druckbranche gestaltet werden soll?
Deimel: A ng esichts des technologischen und demografischen Wandels bedarf es neuer Berufsbilder, wie z.B. der Medientechnologen, und neuer Weiterbildungsangebote. Diese sind wichtig, damit Betriebe langfristig Fachkräfte mit Schlüsselqualifikationen finden und die Branche attraktiv für gute Mitarbeiter bleibt. Die bevorstehende Manteltarifrunde wird ebenso die Weichen für die Zukunftsfähigkeit der Druck- und Medienindustrie stellen. Diese Verantwortung müssen BVDM und Unternehmen allen Beteiligten deutlich machen. Erfolg gelingt nur, wenn Unternehmen den Schulterschluss in ihrem Verband üben. Es gibt viel zu tun.

Die Autorin Gabi Schermuly-Wunderlich ist Pressesprecherin des Bundesverbandes Druck und Medien (BVDM) und zugleich verantwortlich für den Verlag und das Veranstaltungsmanagement der Print & Medie Forum AG, einer Tochtergesellschaft des BVDMs.

Erschienen in DD 42/2010

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