Coronakrise lässt die Nachfrage nach grafischen Papieren einbrechen

UPM schließt Papierfabrik in Kaipola und baut 840 Stellen ab

UPM, einer der größten internationalen Hersteller von Papier, Zellstoff und Holzprodukten, plant tiefgreifende Restrukturierungsmaßnahmen. Als Reaktion auf die Coronakrise und den schwächelnden Markt für grafische Papiere gehört dazu die dauerhafte Schließung eines Werkes in Finnland, der Verkauf einer Papierfabrik in Großbritannien sowie deutliche Personalanpassungen in mehreren Geschäftsbereichen.

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Zur Sicherung der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit des Geschäftsbereichs Communication Papers sieht UPM die Schließung der Papierfabrik Kaipola in Finnland noch in diesem Jahr vor. Außerdem soll die Papierfabrik Shotton in Großbritannien verkauft und Anpassungen im UPM-Communication-Papers-Funktionsteam vorgenommen werden. Darüber soll es in den Geschäftsbereichen UPM Biorefining und UPM Specialty Papers organisatorische Veränderungen und Personalanpassungen geben. Die geplanten Maßnahmen würden Kosteneinsparungen in Höhe von 75 Mio. Euro bewirken. Endgültige Entscheidungen sollen nach Abschluss der Verhandlungen mit den Mitarbeitervertretern getroffen werden.

Wie das Unternehmen in einer Mitteilung ausführlich erläutert, erfordern der „anhaltend langfristige und strukturelle Rückgang der Nachfrage nach grafischen Papieren und ein absehbar schwächeres Wirtschaftswachstum umgehende Maßnahmen zur Sicherung der Leistungsfähigkeit von UPM Communication Papers“. In einem rückläufigen Markt seien die Wettbewerbsfähigkeit der Anlagen sowie die lokalen Produktionsbedingungen von besonderer Bedeutung.

UPM zufolge haben die Corona-Lockdowns zu einem kurzfristigen Nachfrageeinbruch auf dem Markt für grafische Papiere geführt. Während es nach Beendigung der Lockdowns erste Signale einer Normalisierung der Nachfrage gibt, „bleibt der Ausblick unsicher und hat sich weltweit weiter verschlechtert“. Deshalb müsse man die „Produktionskapazitäten an die Kundennachfrage anzupassen und die Effizienz in der Produktion und der Verwaltung erhöhen.“

In Kaipola wird die Schließung von drei Papiermaschinen etwa 450 Arbeitsplätze betreffen und zu einer dauerhaften Kapazitätsreduzierung von jährlich 720.000 Tonnen grafischer Papiere führen. Davon entfallen 450.000 Tonnen auf den Bereich Zeitungsdruckpapiere und 270.000 Tonnen auf den Bereich gestrichene holzhaltige Papiere. „Dies sind verheerende Nachrichten für unser Werk in Kaipola. Der Standort verfügt über kompetente Teams und gut laufende Maschinen. Leider führen externe Faktoren wie hohe Logistikkosten, regulatorische und steuerliche Lasten, im Vergleich hohe Lohnkosten und steigende Faserkosten dazu, dass das Werk das am wenigsten wettbewerbsfähige unter den verbleibenden UPM-Standorten ist“, sagt Winfried Schaur, Executive Vice President von UPM Communication Papers. UPM Communication Papers plant auch die Reorganisation und Verschlankung seiner Funktionsteams in Europa und Nordamerika. Diese Pläne werden voraussichtlich etwa 170 Mitarbeiter in mehr als 10 Ländern betreffen.

Winfried Schaur weiter: „UPM steht nachhaltig zum Papiergeschäft und zum Erhalt der engen Beziehungen zu unseren Kunden. Wir sind davon überzeugt, mit unseren modernen Produktionsanlagen, unseren kompetenten Mitarbeitern und unserer strategischen Ausrichtung auch in Zukunft ein leistungsfähiges und profitables Geschäft mit grafischen Papieren zu betreiben. Der weltweite Markt für grafische Papiere bewegt sich immer noch in einer Größenordnung von mehr als 70 Millionen Tonnen, wovon mehr als 20 Millionen Tonnen auf Europa entfallen. Auch wenn das Geschäft strukturell rückläufig ist, werden Papierfabriken mit wettbewerbsfähiger Kostenstruktur auch in Zukunft profitabel und mit gutem Cashflow arbeiten können.“

Darüber hinaus möchte UPM die Papierfabrik Shotton im walisischen Deeside verkaufen. UPM Shotton verfügt über eine Produktionskapazität von jährlich 250.000 Tonnen Zeitungsdruckpapieren. Im Verkauf eingeschlossen ist die Rohstoffsammlung, die Altpapiersortier- und Deinkinganlagen, die Papiermaschine und die Energieinfrastruktur sowie der etablierte Zugang zum UK-Altpapiermarkt.

Der Geschäftsbereich UPM Biorefining plant Maßnahmen zur Steigerung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit seiner Zellstoffproduktion und des Forstbereiches in Finnland. Der Fokus liegt dabei auf einer verbesserten Kostenstruktur, der Digitalisierung von Geschäftsabläufen und der Vereinfachung von Geschäftsabläufen. UPM wird in den finninschen Zellstoffwerken in Kymi, Kaukas und Pietarsaari Verhandlungen über die geplanten Veränderungen in den Bereichen Instandhaltung, Produktion und Verwaltung aufnehmen. Hier stehen rund 110 Stellen zur Disposition.

Im Forstbereich in Finnland liegt der Fokus darauf, Servicestrukturen starker auf die Kunden auszurichten und den Einsatz digitaler Lösungen und Dienstleistungen zu steigern. Damit soll der Kundenkontakt vereinfacht, flexibilisiert und letztlich effizienter werden. Diese Pläne betreffen ca. 60 Mitarbeiter.

UPM Specialty Papers plant Maßnahmen zur Optimierung der Kostenstruktur in der Spezialpapierfabrik in Tervasaari (Finnland). Die geplanten Maßnahmen sollen der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit dienen und würden ca. 50 Stellen betreffen.

Insgesamt betreffen die angekündigten Pläne ca. 840 Stellen. Das entspricht gut 11 Prozent der aktuell 7.500 Mitarbeiter. Der Großteil der Einsparungen entfällt auf UPM Communication Papers.

UPM hatte in 2020 bereits die Schließung der Papierfabrik in Chapelle (Frankreich), die Schließung der Sperrholzfabrik in Jyväskylä (Finnland) sowie organisatorische Anpassungen im Geschäftsbereich UPM Raflatac angekündigt. Diese Maßnahmen führen allein zu einer Senkung der jährlichen Fixkosten in Höhe von 45 Mio. Euro.

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