Rutesheimer Manhillen Drucktechnik GmbH arbeitet komplett klimaneutral

Zehn Jahre Vorsprung vor Apple und Facebook

»Wir hatten nie nur den Unternehmenserfolg im Auge, sondern wollten auch immer unseren Beitrag zum Wohl der Gesellschaft und vor allem zum Umweltschutz leisten«, erklärt Firmenchef Frank Manhillen.

Was Apple und Facebook für 2030 ankündigen, hat der Druckspezialdienstleister Manhillen Drucktechnik mit Sitz in Rutesheim schon jetzt erreicht: Das mittelständische Unternehmen ist CO2-neutral. Alle Kunden profitieren damit automatisch und ohne Mehrkosten von einer klimaneutralen Druckproduktion, die deren CO2-Bilanz nicht belastet. Hier beantwortet Geschäftsführer Frank Manhillen Fragen zum Klimaengagement des Unternehmens.

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Herr Manhillen, was ist das für ein Gefühl, Tech-Giganten wie Google oder Facebook im Rückspiegel zu sehen?

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Frank Manhillen:
Klar erfüllt das einen Unternehmer ein bisschen mit Stolz. Aber der Grund, warum wir das als Unternehmen machen, sind ja nicht irgendwelche Wettläufe, Eitelkeiten oder Marketinggags, sondern es ist unsere tiefe Überzeugung, dass wir als Unternehmen eine Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft und der Umwelt haben.

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Das klingt, als wären die Weichen nicht erst kürzlich auf Klimaschutz gestellt worden.

Frank Manhillen:
Genau. In unserer Unternehmerfamilie ist diese Verantwortung von jeher verankert. Der Grundstein dafür, dass wir jetzt komplett klimaneutral arbeiten, wurde bereits vor über 15 Jahren gelegt und jede unternehmerische Entscheidung hat seither immer die Nachhaltigkeitskomponente mit drin.

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Was heißt das konkret?

Frank Manhillen:
Als wir zwischen den Jahren 2005 und 2007 das Produktions- und Bürogebäude neu gebaut haben, war ressourcenschonendes Handeln eine wesentliche Maßgabe. Außerdem haben wir im Jahr 2008 an der Südfassade eine Photovoltaikanlage installiert, die den gesamten Vertriebs- und Verwaltungskomplex des Unternehmens mit Eigenstrom versorgt. In diesem Jahr soll die erwähnte Anlage über das gesamte Dach erweitert werden.

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Gibt es auch druckspezifische Maßnahmen, die auf dem Weg zur Klimaneutralität aus Ihrer Sicht wichtig waren?

Frank Manhillen:
Selbstverständlich! Bei der Anschaffung neuer Druck- und Druckveredelungsmaschinen spielt immer auch deren Klimabilanz eine Rolle. Und in Punkto Druckmaterial suchen wir kontinuierlich Alternativen. Wir haben 2009 mal mit einer MaisCard experimentiert, die auf Mais als jährlich nachwachsenden Rohstoff setzte. Durchsetzen konnten sich dann ab 2011 Bio-PVC-Karten, denen beim Herstellungsprozess Substanzen zugesetzt werden, die das Material zu 100 Prozent biologisch abbaubar machen. Zwischenzeitlich haben wir auch Alternativen aus 100 Prozent recyceltem PVC oder aus Holzfurnier ins Portfolio aufnehmen können.

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Sie mussten am Ende noch 321 Tonnen CO2 durch den Kauf von Klimazertifikaten kompensieren. Kritiker vergleichen das immer wieder mit modernem Ablasshandel. Wie sehen Sie das?

Den Weg, in verschiedenen Bereichen
als Unternehmer aktiv zum Klimaschutz
beizutragen, geht Frank Manhillen
schon seit vielen Jahren.

Frank Manhillen:
Dieser Vergleich hinkt in meinen Augen gewaltig. Denn es geht schließlich nicht um ein »Sich-Freikaufen« und ansonsten ein »weiter wie bisher «. Die richtige Reihenfolge auf dem Weg zum klimaneutralen Betrieb ist immer, zuerst darüber nachzudenken, wie man im Unternehmen CO2-Emissionen vermeiden oder zumindest reduzieren kann. Sprich: In entsprechende Entwicklungen zu investieren, so wie wir es seit Jahren kontinuierlich tun. Dann bleibt aber immer noch ein Rest, da es heute schlicht nicht möglich ist, alle Emissionen zu eliminieren. Und nur noch dieser Rest wird dann mittels Klimazertifikaten kompensiert. Im Gegensatz zum früheren Ablasshandel steht den Klimazertifikaten, die man erwirbt, auch eine echte Kompensationsleistung gegenüber – zumindest, wenn man auf seriöse, sogenannte Goldstandard-Projekte setzt. Bei denen ist sichergestellt, dass sie nachweislich zur Reduktion von Treibhausgasen führen und gleichzeitig gut für die lokale Umwelt sind sowie auch soziale Belange der Bevölkerung vor Ort berücksichtigen.

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Klimaneutrale Produktionen werden ja in der Regel teurer. Haben Sie hier schon Erfahrungswerte aus Kundenprojekten?

Frank Manhillen:
Wir hatten die klimaneutrale Kartenproduktion auf Wunsch bereits seit 2011 angeboten und waren damit auch auf reges Interesse gestoßen. Aber obwohl oft angefragt, fiel die Entscheidung bedauerlicherweise noch zu oft gegen das klimaneutrale Drucken. Denn der Druckauftrag wurde in der Vergangenheit durch den Einsatz von Biomaterial und das Klimaneutralstellen einfach etwas teurer als der Vergleichsauftrag ohne Kompensation. Daher haben wir letztlich auch entschieden, den großen Schritt jetzt zügig zu gehen und als Unternehmen insgesamt nur noch klimaneutral zu arbeiten. Und wir werden ganz bewusst die Kosten für die Klimaneutralstellung nicht an die Kunden weitergeben. Dass für die Auftraggeber keine Mehrkosten entstehen, soll auch nochmal unterstreichen, dass es Überzeugung ist, die hinter unserem Klimaengagement steckt.

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Können Sie abschließend noch zusammenfassen, was aus Ihrer Sicht der entscheidende Faktor dafür war, dass Sie heute schon klimaneutral arbeiten?

Frank Manhillen:
Wir hatten nie nur den Unternehmenserfolg im Auge, sondern wollten auch immer unseren Beitrag zum Wohl der Gesellschaft und vor allem zum Umweltschutz leisten. Als Familienunternehmen
sind wir dabei in unseren Entscheidungen natürlich sehr frei und haben diese immer konsequent für Ressourcen- und Energieeffizienz getroffen. Das gibt sicher den Ausschlag, dass wir heute dort stehen, wo wir stehen und in Punkto klimaneutrales Arbeiten teilweise viele Schritte weiter sind als große Player.

Standortbilanz mit CO2-Fußabdruck des Betriebes

Im Oktober 2020 wurde auf Basis der Unternehmenszahlen von 2019 vom Bundesverband Druck und Medien (bvdm) für Manhillen eine sogenannte Standortbilanz erstellt. Das Prozedere ging dabei weit über das hinaus, was Manhillen schon seit 2011 anbietet, also auf Kundenwunsch einzelne Druckaufträge mit Hilfe des vom bvdm zertifizierten CO2-Rechners klimaneutral zu stellen. Im Rahmen der Standortbilanz werden insgesamt 15 sogenannte Scope-3-Emissionskategorien nach dem GHG Protocol, dem relevanten Standard für die Bilanzierung von  Treibhausgasemissionen, abgeprüft. Es finden alle direkten Emissionen Eingang, die beispielsweise durch Verbrennungsprozesse stationärer oder mobiler Anlagen entstehen, ebenso alle indirekten Emissionen. Große Positionen sind hier der zugekaufte Strom sowie die indirekten Emissionen, die für die vorgelagerte Produktion zugekaufter Waren entstanden sind.

Auch die Entsorgung – in Form des Abfallaufkommens im Betrieb selbst aber auch für die verkauften Produkte – fließt hier mit den entsprechenden Emissionswerten ein. Geschäftsreisen und die Emissionen, die durch die Arbeitswege der Mitarbeiter entstehen, werden ebenfalls berücksichtigt, um nur einige Beispiele zu nennen.

Am Ende der Datenerfassung und -auswertung galt es für den Druckdienstleister, noch 321 Tonnen CO2 durch den Kauf von Klimazertifikaten zu kompensieren. Hier hat Manhillen sich mit dem Wasserkraftwerk in der türkischen Provinz Rize für ein TÜV Nord zertifiziertes Projekt entschieden, das sauberen Strom produziert und so jedes Jahr 25.000 Tonnen CO2 einspart.

Die Manhillen Drucktechnik GmbH in Rutesheim arbeitet damit komplett klimaneutral und darf daher das offizielle Mitgliedslogo der bvdm-Klimainitiative führen.

Kontakt:

Manhillen Drucktechnik
www.man-druckt.de/klima

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