Produkt: Deutscher Drucker 5-6/2020
Deutscher Drucker 5-6/2020
Schwerpunkt: INNOVATIONS-OFFENSIVE 2020 +++ Innovationen im Bogenoffset- und Digitaldruck +++ Digitale Simulationsanwendungen für „smarte“ KMUs +++ Neue AR-Plattform für Markenartikler
Menschen in der Druckindustrie (4): Marketingexpertin für Print

Sabine Wölflick: Darum liebt die Hochschuldozentin ihren Job

Sabine Wölflick vor ihrem Leitspruch, der ihn ihrem Büro an der Wand hängt.
Sabine Wölflick ist Professorin für Markting im Studiengang Druck- und Medientechnik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München.(Bild: Sabine Wölflick)

Sabine Wölflick liebt Bücher: Fachbücher, Kochbücher, Reiseliteratur, Belletristik. Und sie liebt ­Magazine. Und Zeitungen. Und auch sonst ist sie printaffin. Außerdem arbeitet sie gerne kreativ mit jungen Menschen, die sie motivieren kann. Kein Wunder also, dass sie sich keinen besseren Job als den ihren vorstellen könnte.


Wenn Sabine Wölflick kocht, dann liegt ein Kochbuch neben ihr. Drei Billy-­Regale hat sie voll damit und sie liebt die Haptik, die Abbildungen, die Lust aufs Essen machen, und auch die Seiten, die nach intensiver Nutzung als erstes bei den Lieblings­rezepten aufschlagen. Kochen nach Tablet oder Smartphone-App ist nichts für sie – auch wenn ihre Kinder sie dafür als „old-school“ belächeln. Auch sonst ist sie print­affin: Bücher, Zeitungen, Magazine werden gedruckt konsumiert – die Bücher gerne auch verschlungen, soweit es die Zeit zulässt.

Anzeige

Ihre Liebe zu Print hat Sabine Wölflick unter anderem ihrer Zeit beim Verlag entdeckt. Fast dreizehn Jahre lang hat die Diplom-­Betriebswirtin im Produktmanagement bei Gräfe und Unzer in München gearbeitet. Produktbereich Kochbücher.
Fasziniert habe sie damals besonders die spezielle Art der Produktentwicklung, die bei Gräfe und Unzer schon praktiziert wurde. Der Ansatz war es, immer von der Zielgruppe her zu denken und den Kunden bestmöglichst zu verstehen. „Wir haben über Moodboards versucht einzugrenzen, wer der Kunde ist und wie er so tickt. Wir fragten unsh: Ist er Single oder hat er Familie? Wie viele Kinder hat er? Wohnt er im Reihenhaus? Wohnt er im Loft? Was würde er tun, wenn er eine Million Euro im Lotto gewinnen würde? Auf dieser Basis entstand dann ein klares Bild des Kunden mit seinen Lebensumständen, seinen Normen, seinen Wertvorstellungen, auf den dann gezielt die Bücher zugeschnitten werden konnten. Braucht er zum Beispiel eine ausführliche Zutatenliste oder reichen ihm die Basics, die er ohnehin im Kühlschrank hat? Kauft er seine Zutaten beim Viktualienmarkt oder bei ­Aldi? Will er geduzt oder gesiezt werden? 
Will er es von der Ausstattung eher simpel oder gefallen ihm Goldschnitt und ein Lesebändchen?“

Innovativ mit Design Thinking

Diese Art der Ideen- und Produktfindung hat Wölflick geprägt und auch ihre berufliche Entwicklung beeinflusst. Seit nunmehr dreizehn Jahren unterrichtet sie an der Hochschule München im Studiengang Druck- und Medientechnik. Sie ist dort Professorin für Marketing, Vertriebsmanagement und unterrichtet seit etwa fünf Jahren auch die agile ­Innovationsmethode Design Thinking – im Prinzip nichts anderes als das, was zuvor im Verlag praktiziert wurde.

Es geht dabei in erster Linie darum, das Kundenproblem zu verstehen und Empathie für den Kunden zu entwickeln. „Die Methode funktioniert super im Team“, sagt Wölflick, die auch Seminare und Workshops zu Design Thinking anbietet. Spannend sei vor allem, dass die Beteiligten aus unterschiedlichen Bereichen kommen, weil jeder so einen anderen Blickwinkel mit in den Diskurs bringt. „Das macht wirklich enormen Spaß – und ist zielführend!“
An der Hochschule gibt es mittlerweile ein ganzes Design Thinking Lab, wo die Studierenden im Masterstudiengang Design Thinking ausprobieren können.

Ein anderes Fach für den Masterstudiengang ist Vertriebsmanagement, bei dem sich Wölflick an der Ausbildung zum Vertriebsingenieur orientiert. „Der klassische Druck- und Medieningenieur kommt meistens gar nicht drauf, dass er auch in den Vertrieb gehen könnte“, erklärt sie. „Dabei werden Leute, die Ahnung von Technik haben und gleichzeitig Spaß am Verkaufen, in der Praxis dringend gesucht.“
Im Bachelor-Studiengang wird im Fachbereich Marketing der Schwerpunkt auf Grundlagen wie Situationsanalysen und den Marketing-Mix gelegt. Hinzu kommen die unterschiedlichsten Formen der Werbung von Print über Online bis hin zu Social Media.

Bei der Frage, was sie denn bis heute an ihrem Job reizt, muss Sabine Wölflick lachen. Dann zitiert sie einen Spruch, der Konfuzius zugeschrieben wird: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Nach dieser Definition arbeitet Wölflick nicht.

Sie habe früher schon während ihres Studiums in den Vorlesungen gedacht: „Was für ein toller Job.“ Es sei die Möglichkeit, junge Menschen zu motivieren, ihnen Grundlagen zu geben und sie irgendwann selbst zum Fliegen zu bringen, die sie fasziniert. „Ich sag manchmal zu meinem Mann: ‚Das Unterrichten macht mir so viel Spaß, da ist es fast egal, ob ich an einem Tag an die Hochschule fahre oder in die Berge‘.“ Na gut, aber dann doch auch nur „fast“.


Prof. Dr. Sabine Wölflick ist seit 2008 Professorin für den ­Bereich Marketing im Studiengang Druck- und Medientechnik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. Sie lehrt dort unter anderem die Innovationsmethode Design Thinking.

Das Porträt von Sabine Wölflick gehört zu einer Reihe von Interviews und Geschichten über “Menschen in der Druckindustrie”. Unter diesem Titel erzählen zehn Menschen aus der Branche über das, was sie an der Druckbranche fasziniert und was sie bewegt. Das Porträt von Peter Benz sowie neun weitere Menschen, deren Herz für Print schlägt, finden Sie in Ausgabe 16/2021 von Deutscher Drucker. Die gesamte Ausgabe steht im print.de-Shop zur Verfügung.

 

Produkt: Deutscher Drucker 4/2020
Deutscher Drucker 4/2020
Schwerpunkt: Digitaldruck, Offsetdruck und Finishing 4.0 +++ Anwendungen im Functional Printing +++ Gewinner der Druck&Medien Awards: Studentengruppe des Jahres +++ Ursachenforschung beim Maschinenbruch