Produkt: Deutscher Drucker 7/2020
Deutscher Drucker 7/2020
Schwerpunkt: VERPACKUNGPRODUKTION +++ Folienkaschierung von Digitaldrucken +++ Potenzial im Tiefdruck? +++ Alternative Metallic-Effekte
Menschen in der Druckindustrie (1): Von der Japanologie zur Medientechnologie

Stefanie Kriege: Kompetenter Nachwuchs

Stefanie Kriege. (Bild: Heidelberger Druckmaschinen AG)

Ursprünglich studierte sie Japanologie. Jetzt ist sie „Deutschlands beste Medientechnologin Druck“ in ihrem Ausbildungsjahrgang mit der bundesweit besten Abschlussprüfung. Wie man das schafft? Stefanie Kriege lobt zum einen die Unterstützung durch ihren Ausbildungsbetrieb, zum anderen hat sie einfach den perfekt passenden Beruf für sich gefunden.


Wie kommt man von der Japanologie zur Medientechnologie? Diese Frage hat Stefanie Kriege schon öfter gehört. Das ist vielleicht auch verständlich, wenn man nach fünf Semestern an der Uni Leipzig plötzlich beschließt, das Studium zu beenden und stattdessen eine Ausbildung zur Medientechnologin Druck zu machen. Dieser etwas abrupte Einstieg in die Branche, und dann auch noch der Abschluss als bundesweit beste Absolventin, ist nicht ganz alltäglich. Stefanie Kriege ist auch nicht, wie so viele angehende Drucker und Druckerinnen, zwischen Platten, Farbe und Papier aufgewachsen. Vielmehr stieß ihre berufliche 180-Grad-Wende bei Freunden und Familie auf Erstaunen und den besorgten Satz „Willst du dir das nicht nochmal überlegen?“ Sie wollte nicht.

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Das Studium sei damals eigentlich eher eine Art „Ausweichplan“ gewesen, berichtet Stefanie Kriege. Natürlich war sie fasziniert von der japanischen Kultur, dem Land und der Sprache. Das Studium an sich sei aber sehr theoretisch gewesen. Das passt nicht so richtig zu jemandem, der tatkräftig anpackt, sich auch mal so richtig in die Technik reinfuchst und am Ende des Tages auch gerne ein Ergebnis in der Hand hält.

Sie habe während des Studiums dann angefangen zu überlegen, was ihr eigentlich wirklich liege – und kam recht schnell auf die kreativen Dinge: Basteln, Gestalten, Papeterie. Ein Bekannter gab ihr schließlich den Tipp: „Überleg‘ dir doch mal, ob du nicht bei Heidelberg eine Ausbildung zur Druckererin machen willst.“ Ja, warum eigentlich nicht? Ein Praktikum in einer Druckerei bestärkte sie in dieser Idee. Und da sie ohnehin aus privaten Gründen den Umzug nach Süddeutschland geplant hatte – sie kommt ursprünglich aus Berlin – entschloss sie sich tatsächlich für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zur Medientechnologin Druck bei der Heidelberger Druckmaschinen AG in Wiesloch.

„Dass Heidelberg weltweit aktiv ist – und eben auch in Japan – war für mich eine zusätzliche Motivation“, meint sie. Und offensichtlich war sie mit ihren japanischen Sprachkenntnissen als Background ebenfalls eine attraktive Kandidatin für den internationalen Druckmaschinenkonzern: Ein Glückstreffer also für beide Seiten.

Ihre Ausbildung absolvierte sie im Print Media Center (PMC) des Unternehmens, das in erster Linie als Vorführzentrum für Kunden aus der ganzen Welt dient. „Mit ihrem Hintergrund haben wir Stefanie verstärkt im Digitalbereich eingesetzt, wo wir ja mit Ricoh, ­einem japanischen Hersteller, kooperieren“, berichtet Bernhard Nahm, Senior Manager Print-Media-Center und Ausbildungsleiter für Medienberufe bei Heidelberg. ­Für Stefanie Kriege kristallisierte sich im Laufe ihrer Ausbildung eine große Affinität für alles Digitale und damit auch den Digitaldruck heraus: „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich bei Heidelberg die Chance hatte, die Digitalzusatzprüfung zu machen.“ Der Digitaldruck hat für sie einen besonderen Reiz: Kriege faszinieren die Individualität, die Vielfalt und die Möglichkeit, sofort und ganz direkt auch mal was ausprobieren zu können bis hin zur Auflage 1. Ein paar Mal durfte Kriege zudem japanische Kunden im PMC in Wiesloch begrüßen und durch den Tag begleiten, ehe Corona solche Termine schwierig machte.

 

Vielfältige Möglichkeiten

 

Kriege wird nicht müde, Heidelberg für die Unterstützung während ihrer Ausbildung zu loben. „Das war unheimlich wichtig, gerade während der Pandemie“, stellt sie fest.
„Wir hatten teilweise überhaupt keinen ­Unterricht mehr in der Schule. Ich konnte aber immer darauf vertrauen, dass ich im Unternehmen die Zeit bekomme, alles nachzuholen und zu üben. Das funktioniert in einem „normalen“ Betrieb ja meist nicht.“ Ebenso schätzt sie, dass sie auch schon in der Ausbildung immer wieder Kundenkontakt hatte, an Schulungen teilnehmen durfte, die nicht zwingend etwas mit den Ausbildungsinhalten zu tun hatten, oder auch Projekte mit anderen Auszubildenden aufsetzen konnte. So entstanden zum Beispiel in ihrem Ausbildungsjahrgang Schulungsvideos für die nachfolgenden Azubis. Außerdem durfte Kriege ein Druckerseminar für die Verwaltungskräfte eines Verpackungskunden abhalten. „Es war schon immer ein Steckenpferd von mir, anderen etwas beizubringen.“ Dieses pädagogische Steckenpferd darf Stefanie Kriege übrigens auch nach ihrer Ausbildung reiten: Seit ihrem Abschluss arbeitet sie als Kundenberaterin im Print Media Center des Unternehmens im Bereich Digital und Prinect Workflow.
Würde sie – im Nachhinein betrachtet – ­irgendetwas anders machen? „Nein“, sagt sie bestimmt. Das Studium sieht sie definitiv nicht als verlorene Zeit. Zum einen hat sie während ihres Auslandsjahres in Japan ihren Freund kennengelernt. Zum anderen ergänzt sich jetzt bei Heidelberg das Studium mit der Medientechnologie zur perfekten Qualifikation. Insofern ist Stefanie Kriege jetzt genau da, wo sie sein möchte.


Stefanie Kriege absolvierte im Print Media Center der Heidelberger Druckmaschinen AG ihre Ausbildung zur Medientechnologin Druck. Mit der bundesweit besten Abschlussprüfung erhielt sie die Auszeichnung als „Deutschlands beste Medientechnologin Druck“.
Nach Abschluss ihrer Ausbildung ­arbeitet Kriege jetzt als Kunden­beraterin im Print-Media-Center des Unternehmens im Bereich Digital und Prinect Workflow. Dabei profitiert sie besonders von ihren japanischen Sprachkenntnissen, die sie im Rahmen ihres Studiums der Japanologie vor ihrer Zeit bei Heidelberg erworben hat.

Das Porträt von Stefanie Kriege gehört zu einer Reihe von Interviews und Geschichte über “Menschen in der Druckindustrie”. Unter diesem Titel erzählen zehn Menschen aus der Branche über das, was sie an der Druckbranche fasziniert und was sie bewegt. Das Porträt von Stefanie Kriege sowie neun weitere Menschen, deren Herz für Print schlägt, finden Sie in Ausgabe 16/2021 von Deutscher Drucker. Die gesamte Ausgabe steht im print.de-Shop zur Verfügung.

 

Deutscher Drucker 16/2021

Schwerpunkt: Menschen in der Druckindustrie +++ Offsetdruck+++ Digitaldruck +++ Großformatdruck +++ Druckweiterverarbeitung +++ Druckvorstufe +++ Print Innovation Week

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