Produkt: Deutscher Drucker 1/2021
Deutscher Drucker 1/2021
Schwerpunkt: Die große Branchenumfrage: Welche Perspektive hat die Druckindustrie? Über 30 Experten geben Antworten.
Menschen in der Druckindustrie (6): Finishing-Systeme
 für den Rollendruck

Bernhard Ehret: Ruheloser Entwickler

Bernhard Ehret ist Geschäftsführer, Gesellschafter und Gründer der GEP Germany GmbH mit Sitz in Freiburg.
Bernhard Ehret ist Geschäftsführer, Gesellschafter und Gründer der GEP Germany GmbH mit Sitz in Freiburg.(Bild: GEP Germany)

Den Weg in die grafische Industrie fand der Freiburger Bernhard Ehret eher zufällig. Von Haus aus ist er Diplomingenieur Elektrotechnik. Nun entwickelt er seit fast 30 Jahren Finishing-Systeme für den Rollendruck. Und während er stolz darauf ist, dass sämtliche installierten Systeme noch supportet werden, wird er auch nicht müde, innovative Ideen zu entwickeln.

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In Rente gehen wird er nicht, sagt Bernhard Ehret. Klare Ansage. Eine Flugzeugbekanntschaft, ein Kanadier in seinen Achtzigern, der in der Versicherungsbranche tätig war, hat ihm erzählt, dass – statistisch gesehen – diejenigen, die in Rente gehen, im Schnitt fünf Jahre früher sterben. Allein das ist ein Grund, sich nicht zur Ruhe zu setzen. Der andere Grund ist der, dass für jemanden, der von klein auf mit Arbeit aufgewachsen ist, die Sache mit der Ruhe ohnehin ein eher unbekanntes Konzept ist. Und für jemanden, der das, was er tut, leidenschaftlich gerne tut, erst recht.

Ehret ist in der Landwirtschaft aufgewachsen, in Freiburg, mitten im Weinbaugebiet. Da kommt man gar nicht umhin mitanzu-
packen, auch wenn man vielleicht noch nicht mal richtig über die Tischkante gucken kann. Ein Landwirt, steckte aber nicht in ihm, auch wenn er aus dieser Zeit sogar noch das Brennrecht für Schnaps hat, wie er schmunzelnd erzählt. Vielmehr ein Ingenieur. Er ging nach Karlsruhe, studierte und machte seinen Abschluss als Diplomingenieur Elektrotechnik. Im Anschluss daran arbeitete er zunächst als Gruppenführer im Bildröhrenwerk in Esslingen am Necker, dann entwickelte er Mikroprozessoren – zehn Jahre lang. Den Weg in die Druckbranche fand er eher zufällig. Der Vater eines Kollegen und alten Schulfreundes hatte eine Druckerei in Freiburg und brauchte Leimsysteme. „Dann habe ich ihm eines entwickelt.“ Das war 1984. Doch bei diesem „Ausflug“ in die grafische Branche blieb es nicht.

Zu den Leimsystemen kamen recht bald Sondermaschinen, individuell konstruiert, ganz nach Kundenwunsch. Das Ganze lief zunächst noch neben dem normalen Job her, doch irgendwann ließ Ehret Mikroprozessoren Mikroprozessoren sein. 1987 gründete er sein eigenes Unternehmen, die Ehret Control GmbH, mit dem Schwerpunkt im Sondermaschinenbau. Zahlreiche Patente gehen seitdem auf Ehrets Konto, darunter eines für seinen variablen Rollenquerschneider. Die erste dieser Maschinen mit variablem Rausschnitt ging damals an ein Pharmaunternehmen in Bornem bei Antwerpen, berichtet Ehret – und habe die Aufmerksamkeit der Firma Herzog+Heymann auf sich gezogen. ­Eine Zusammenarbeit begann, erst mit Herzog+Heymann, dann mit MBO, 2008 wurde Ehret Control in die MBO-Gruppe integriert. Drei Jahre lang hielt diese Konstellation, dann verließ Bernhard Ehret die Firmengruppe und startete 2012 erneut unter eigener Regie durch. Da war er selbst schon Ende 50.

Neustart gewagt

GEP heißt die Firma, die rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, heute: Die drei Buchstaben stehen für Global Ehret Processing Technology, produziert werden hochwertige industrielle Finishing-Systeme und -Lösungen für die Digitaldruck- und Offset-Web-Finish-ing-Branche. Hauptsitz ist weiterhin Freiburg im Breisgau, produziert wird im polnischen Lodz, verkauft weltweit. In USA und China unterhält Ehret eigene Verkaufs- und Servicebüros, gerade das US-Geschäft ist sehr stark.

Ehret hat ein kompetentes Team hinter sich. Dennoch ist er nach wie vor auch selbst viel unterwegs. Ohne persönliche Kontakte kommt man bei Investitionsgütern, wie GEP sie bietet, nicht weit. Es geht um Beratung, Vertrauen und professionelle Konzepte, die entstehen, wenn man miteinander spricht. Er reist mit dem Flieger in die USA, mit dem Auto durch ganz Europa. Jetlag, sagt er, kennt er nicht. Natürlich ist längst die Nachfolge für seine Firma geklärt und er kann sich auf sein erfahrenes Team verlassen. Das heißt aber nicht, dass er vorhat, die Füße still zu halten. Dran bleiben und beweglich bleiben, lautet seine Devise. Und das was man tut, mit Spaß und Leidenschaft zu tun.


Bernhard Ehret ist Geschäftsführer, Gesellschafter und Gründer der GEP Germany GmbH mit Sitz in Freiburg. Das Unternehmen bietet weltweit Finishing-Systeme und -Lösungen für Digitaldruck- und Offset-Web-Finishing.

Das Porträt von Berhard Ehret gehört zu einer Reihe von Interviews und Geschichten über “Menschen in der Druckindustrie”. Unter diesem Titel erzählen zehn Menschen aus der Branche über das, was sie an der Druckbranche fasziniert und was sie bewegt. Das Porträt von Peter Benz sowie neun weitere Menschen, deren Herz für Print schlägt, finden Sie in Ausgabe 16/2021 von Deutscher Drucker. Die gesamte Ausgabe steht im print.de-Shop zur Verfügung.

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Schwerpunkt: Die große Branchenumfrage: Welche Perspektive hat die Druckindustrie? Über 30 Experten geben Antworten.