Packaging Day in Wiesloch-Walldorf mit mehr als 400 Besuchern aus aller Welt

Heidelberg: Verpackungslösungen für die digitalisierte Zukunft

Demonstration an der Primefire 106 in Halle 11 beim Packaging Day der Heidelberger Druckmaschinen AG im Mai 2018.

Was bisher nur bei Kunden und in einer Laborumgebung zu sehen war, ist nun auch im Print Media Center Packaging der Heidelberger Druckmaschinen AG installiert – das industrielle Digitaldrucksystem Primefire 106. Die Maschine komplettiert das Demo-Portfolio des Herstellers im Wiesloch-Walldorfer Democenter für Verpackungslösungen und war einer der Hauptprogrammpunkte des Packaging Day 2018.

Der zweideutige Veranstaltungstitel „Think out of the Box“ sollte zum einen signalisieren, dass sich an dem Tag vieles um die Produktion anspruchsvoller Faltschachteln drehte, Verpackungsdrucker aber gleichzeitig auch den Blick „über den Tellerand der konventionellen Produktion hinaus“ in Richtung „Verpackungslösungen für die digitalisierte Zukunft“ richten sollten. Vor diesem Hintergrund setzt Heidelberg die Integration von Offset-und Digitaldruck inklusive Weiterverarbeitung über den Prinect-Workflow um und „ermöglicht für den Verpackungsdruck neue Geschäftsmodelle“, wie der Hersteller betont. Gut 400 Teilnehmer aus aller Welt besuchten die Informationsveranstaltung im Print Media Center Packaging in Halle 11 auf dem 88 Fußballfelder großen Werksareal in Wiesloch-Walldorf.

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Für den Vorstandvorsitzenden der Heidelberger Druckmaschinen AG, Rainer Hundsdörfer, ist die „nahtlose Integration von digitalen Prozessen in bestehende Offsetwelten die Antwort auf den Trend hin zu sinkenden Auftragsgrößen und Mass Customization durch Personalisierung und Individualisierung.“ Der Packaging Day bot den Besuchern eine Plattform, um neue Ideen und Inspiration für ihre heutigen und zukünftigen Geschäftsmodelle zu erhalten.

Neben dem Aufzeigen von Gesamtlösungen vertieften spezielle Highlight-Shows Themen, wie beispielsweise navigiertes Drucken im Großformat mit der Speedmaster XL 145-Sechsfarben mit Lackierwerk. Das Thema Postpress Packaging zeigte, wie Anforderungen in der Weiterverarbeitung wirtschaftlich gelöst werden können.

Lifecycle Solutions mit den Elementen Saphira-Verbrauchsmaterialien und Service sieht Heidelberg als essentiellen Bestandteil des eigenen Lösungsangebots. „Saphira“ hat sich in zehn Jahren als Marke etabliert, was Heidelberg gemeinsam mit Kunden aus aller Welt und großer Geburtstagstorte zum Zehnjährigen am Vorabend des Events gebührend feierte.

Erfahrungen mit der Primefire 106

Die Primefire 106 hatte zum Thema industrieller Digitaldruck nochmals einen eigenen Auftritt. Und dieser wurde durch die Erfahrungen eines Beta-Testers mit fachlichen Aussagen angereichert. Colordruck Baiersbronn, seit Jahrzehnten Kunde von Heidelberg, betreibt genau wie zum Beispiel MPS Obersulm oder die August Faller Gruppe eine Primefire 106. Sie war Ende vergangenen Jahres installiert worden und läuft seit Mitte Januar 2018 im Feldtest. Die Primefire bietet für Colordruck den Vorteil von „hochqualitativem Digitaldruck in Verbindung mit der Bogenweiterverarbeitung mit bestehenden Stanzwerkzeugen im 3b-Format“, wie die beiden Geschäftsführer Thomas Pfefferle und Martin Bruttel von Colordruck im Rahmen der Veranstaltung preisgaben. Der europaweit tätige Verpackungsdienstleister produziert seit 2017 Verpackungen auch im Digitaldruck und auf einer Highcon Euclid.

Im neuen Geschäftsbereich „Packaging Digital“ bietet Colordruck über seinen Webshop „designyourpackaging.de“ individuelle und personalisierte Verpackungen bis hin zu Mass Customization an. Damit erschließt sich das Unternehmen neue Kundengruppen. Im Offsetdruck werden weiterhin Premiumverpackungen mit vier hochautomatisierten Speedmaster-Maschinen der neuesten Generation hergestellt.

Die Primefire 106 bietet eine Produktionsumgebung für den Aufbau neuer Geschäftsfelder, wie am Beispiel von Colordruck Baiersbronn zur Herstellung variabler und individueller Verpackungen oder dem Zufügen von Rückverfolgbarkeits- und Sicherheitselementen auf den einzelnen Verpackungen gezeigt werden kann. Printing-on-Demand mit der Primefire 106 ermöglicht die Optimierung von Lieferketten und die Senkung von Lagerkosten. Zudem deckt das Siebenfarben-Inkjet-System mit Fujifilm-Inkjet- und Heidelberg-Multicolor-Technologie bis zu 95 Prozent des Pantone-Farbraums ab und generiert so Zeit- und Kostenvorteile bei der Produktion von Aufträgen mit Sonderfarben. Letzteres ist für Martin Bruttel, der sich auch bei anderen Anbietern digitaler Drucktechnik umgeschaut hatte, eines der ganz wichtigen Entscheidungskriterien gewesen. Außerdem erfülle der wasserbasierte Inkjet-Druck „strikte Umwelt- und Recycling-Anforderungen, so dass auch eine lebensmittelkonforme Produktion problemlos möglich ist“, wie Bruttel weiter ausführt.

Dem Trend zu individuellen Verpackungen Rechnung tragen

Eine Antwort auf den Trend zu sinkenden Auftragsgrößen und Mass Customization durch Personalisierung und Individualisierung ist die Integration von digitalen Prozessen in bestehende Offsetwelten. Bei der Infotour „Packaging as you like“ wurde gezeigt, wie die Primefire 106 und die Speedmaster XL 106 sich ergänzen. Anhand von zwei gleichen Faltschachtel-Jobs zeigte Heidelberg, wie der Digital- und der Offsetdruck wirtschaftlich sinnvolle Produktentwicklungen mit sich bringen. So können Kunden nun sowohl bei hohen Auflagen als auch bei personalisierten Auflagen oder kleinen Vorabauflagen beliefert werden – bei durchgängiger Farbkonstanz. In der Weiterverarbeitung sind Maschinen, wie die Stanze Promatrix und die Faltschachtelklebemaschine Diana sowohl für den Offset- wie auch für den Digitaldruck einsetzbar.

Die Herausforderungen wie steigender Kostendruck und sinkende Margen erfolgreich meistern zu können, zeigte eine Infotour namens „Operational Excellence“. Hierzu wurde auch eine Alternative zur profitablen Herstellung von kleineren Auflagen und kürzeren Lieferzeiten vorgestellt. Laut Heidelberg zeigen Produktivitätsanalysen, dass die Gesamtanlageneffizienz (OEE – Overall Equipment Effectiveness) heute bei 20 bis 25 Prozent liegt, aber dass auch Werte von über 50 Prozent durchaus nachhaltig erreichbar sind. Dies wird durch schlanke, intelligent gesteuerte Prozesse möglich, die den Einfluss der Bediener auf die Produktivität systematisch verringern und transparente und akkurate Leistungsdaten in Echtzeit liefern. Wichtig dabei ist eine möglichst durchgängige Integration ohne Systembrüche – ausgehend vom Kunden bis hin zum ausgelieferten Produkt. Hier kommen die Prinect Module ins Spiel, die zahlreiche aufeinander abgestimmte Lösungen bieten.

Um die Produktivität zu erhöhen und Prozesseingriffe zu verringern, hat Heidelberg seit der Drupa 2016 das Bedienkonzept Push-to-Stop im Portfolio, das hin bis zum autonomen Drucken führt. Im Verpackungdruck mit seiner hohen Komplexität und vielen Sonderfarben unterstützt das navigierte Drucken den Bediener, innerhalb kurzer Zeit zum bestmöglichen Ergebnis zu gelangen. Umgesetzt wird dies durch die Bedienersoftware Intellistart 2 im Maschinenleitstand Prinect Press Center XL 2. Gezeigt wurde dies an einer Speedmaster XL 106-Sechsfarben mit Lackierwerk und Logistikausstattung – die Rüstzeiten können hier bis zu 60 Prozent sinken und die Makulatur wird deutlich verringert. Im Verpackungsdruck ist Wiederholgenauigkeit und Farbkonstanz ein wichtiges Thema. Hier kommt die neuartige Antriebstechnik Hycolor Multidrive für die Speedmaster XL 106 zum Einsatz. Mit diesem System können die Farb- und Feuchtwerke unabhängig vom Hauptantrieb betrieben werden. Die Farbwerke können gewaschen werden während über den Hauptantrieb der Lackplattenwechsel erfolgt – oder Gummitücher und Druckzylinder werden zeitgleich zum Rüstvorgang gewaschen.

Bei der Infotour Special Applications produzierte zum Beispiel eine Speedmaster XL 75 Anicolor UV mit zwölf Werken innerhalb kurzer Zeit Premium-Kosmetikverpackungen inklusive Inline-Prägung.

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