Wachstumsmarkt Digitaldruck: Was verbirgt sich hinter den digitalen Druckverfahren?


 

Inkjetdrucksysteme haben im digitalen Rollendruck in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Wichtig bei der Investition in Digitaldruckmaschinen

Bei der Investionsentscheidung in ein Digitaldrucksystem steht die Druckerei vor verschiedenen Fragen. Welcher Markt soll bedient werden? Welche Qualitätsanforderungen sind zu erfüllen? Welche Geschwindigkeiten sind zu erreichen? Wie und wo soll die Weiterverarbeitung der Produkte erfolgen? Diese Fragen sind vor der Investion in ein Digitaldrucksystem zu beantworten. Erst dann kann die Entscheidung Bogen oder Rolle, Farbe oder Schwarzweiß fallen.

Inkjetdruck stark im Trend

Im Hinblick auf die Produktivität von Digitaldrucksystemen zeigt sich in den vergangenen Jahren, dass gerade der Inkjetdruck eine massive Steigerung durchlebt hat. Ein Beleg dafür ist die Zahl der Inkjet-Düsen. Wurden im Jahr 1990 noch circa 500 Düsen pro Druckmaschine genutzt, gab es ab dem Jahr 2010 bereits Drucksysteme mit mehr als einer Million Düsen. Und diese Tendenz ist steigend. Inzwischen sind die Inkjet-Rollendrucksysteme sehr flexibel im Farbangebot und bieten eine deutlich verbesserte Qualität. Mitunter lassen sich die Systeme in der schwarzweißen Grundkonfiguration zu Farbsystemen für den Fünf- und Sechsfarbdruck aufrüsten. Denn die Hersteller von Inkjet-Produktionsdrucksystemen haben sich das Ziel gesetzt, die Qualität des Offsetdrucks nicht nur zu erreichen, sondern zu übertreffen. Gleiches gilt für Produktivität und Produktionskosten. Dabei ist technologiebedingt von Vorteil, dass – gegenüber dem Offset – die Plattenherstellung entfällt.

Die Marktsituation belegt, dass der Produktions-Inkjetdruck aktuell überwiegend durch Rollensysteme abgebildet wird. Lange Zeit hatte hier der schwarzweiße Transaktionsdruck seine Domäne. Heute realisiert man mit Inkjet-Farbsystemen auch Anwendungen im Transpromo-, Mailing, Zeitungs- und Zeitschriften-Druck sowie im Bereich Books-on-Demand. Somit kommt der Inkjetdruck umso mehr beim Auflagendruck zum Einsatz.

Insgesamt kristallisiert sich heraus, dass Inkjetdrucksysteme auf dem Vormarsch sind. Dabei geht der Trend hin zu Maschinen mit größerem Format, im Bogenbereich sogar bis zum Format 50 x 70 cm. Während der Ipex 2010 wurde beispielsweise die Jet Press 720, eine Vierfarben-Digitaldruckmaschine im B2-Format präsentiert, die laut Fujifilm bei maximaler Produktionsgeschwindigkeit bis zu 2.700 Bogen pro Stunde einseitig bedrucken kann.

Vor- und Nachteile des Inkjetdrucks

Ein Problem bleibt: Da Papiere für den Inkjetdruck spezielle Empfängerschichten benötigen, die die dünnflüssigen Tinten aufnehmen, ist die Materialauswahl hier noch nicht so vielfältig wie beim elektrofotografischen Verfahren. Ein großer Vorteil dieser Systeme ist: Sie können aufgrund der variablen Abschnittslänge (bei Rollensystemen) große Endformate erzielen. Weitere Punkte, die für den Inkjetdruck sprechen sind: die Steigerung der Geschwindigkeiten, die Anwendung neu entwickelter Tinten aus dem Nanopartikel-Bereich und die Möglichkeit, auch bei hohen Geschwindigkeiten gleichmäßige Tröpfchengrößen zu erzielen. Henning Ohlsson, Geschäftsführer Epson Deutschland meint, die Einführung von hoch entwickelten Tintenstrahlsystemen in immer neue Anwendungsbereiche sei eine Folge der Überlegenheit von Inkjet gegenüber anderen Technologien. Konkrete Beispiele einer Wachablösung seien bereits im Bereich des Etikettendrucks zu finden. Dies sei aber nur der Anfang, da die konsequente Weiterentwicklung der Inkjettechnologie und der dazugehörigen Tinten aufzeige, dass hier noch enormes Potenzial schlummere.

Offset plus Digitaldruck statt Offset versus Digitaldruck

Derzeit ist der Offsetdruck das weltweit dominierende Druckverfahren. Doch die Anwendungen von Digital- und Offsetdruck vermengen sich mehr und mehr. Bei der hybriden Druckproduktion werden die Vorteile der jeweiligen Drucktechnologie kombiniert. Der Offsetdruck tritt durch hohe Fortdruckproduktivität, geringe Fortdruckkosten, hohe Druckqualität sowie vielfältige Einsatzmöglichkeiten in punkto Grammaturen, Bedruckstoffe oder Produktarten hervor. Der Digitaldruck punktet beispielsweise durch geringe Rüstkosten, den Druck auf beliebige Abschnittslängen (beim Rollendruck), eine geringe Makulatur und die Möglichkeit des variablen Datendrucks.

Offsetdruck – Digitaldruck: Einschränkungen

Zu Bedenken sind bei der hybriden Produktion die Einschränkungen in Bezug auf die Bedruckstoffe und ihre Verarbeitung. Beispielsweise sind die Aushärtung des Toners oder auch die Farbhaftung auf dem Substrat besondere Herausforderungen an den Anwender des elektrofotografischen Drucks. Aus diesem Grund empfehlen und zertifizieren die Hersteller der Digitaldrucksysteme spezielle Papier- und Substratsorten für den Einsatz auf ihren Systemen. Doch gerade bei der Kombination von Offset- und Digitaldruck stellen beide Verfahren bezüglich Oberflächenbeschaffenheit verschiedene Bedingungen an die Substrate. Bis heute ist es so, dass sich im Digitaldruck weitaus weniger Papiere und Medien einsetzen lassen, als im Offset. Die Hersteller stehen nun vor der Aufgabe, die Vielfalt der Substrate für den Digitaldruck zu erweitern. Eine Lösung ist es, eine Art Vorbeschichtung einzusetzen, damit beispielsweise in Inkjetdruckmaschinen auch Offsetpapiere genutzt werden können – das so genannte Primern.

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