Damit aus „Himbeerrot“ nicht plötzlich „Erdbeerrot“ wird


Mikroskopische Aufnahme: Sie zeigt eine Grenzlinie lackiert/unlackiert.

Lackierung. Ein weiterer Aspekt, der bei der Planung von Druckobjekten beachtet werden muss, ist die Tatsache, dass der Farbeindruck durch das Überlackieren oder Kaschieren verändert werden kann. Durch das lackbedingte Verändern der Lichtbrechung erfolgt eine Verschiebung des Farbtons. Beispielsweise erscheint ein orangefarbener Druck nach dem Überlackieren deutlich röter. Der Beweis, dass es sich dabei um physikalische Phänomene der Lichtbrechung und nicht um eine chemische Veränderung der Druckfarbe handelt, kann durch Aufbringen eines Klebebands oder einer Folie erbracht werden. Dadurch verändert sich der Farbeindruck, nach dem Abziehen des Streifens oder dem Abnehmen der Folie liegt er wieder unverändert vor. Soll der Farbton des lackierten Drucks exakt einer Vorlage entsprechen, so ist dies bei der Planung des Druckobjekts zu berücksichtigen.
Der Vollständigkeit halber muss noch darauf hingewiesen werden, dass bei vorgesehener Lackierung oder Kaschierung die verwendeten Druckfarben die erforderlichen Echtheiten aufweisen müssen. Andernfalls kann es durch chemische Einwirkung von Lack- oder Kleber-Inhaltsstoffen zum Ausbluten oder Verfärben der Pigmente kommen. In diesem Zusammenhang kann es geschehen, dass der ursprünglich gewünschte Farbton nicht exakt erreicht werden kann, da die Pigmentalternativen, die die erforderlichen Echtheiten aufweisen, im Farbton abweichen.

Trocknungsprozess. Die Wirkungsweise der Bogenoffsetfarben bringt mit sich, dass die Druckmaschinen normalerweise kein Trockenaggregat benötigen. Druckfarben für Bogenoffset trocknen „quasi von selbst“. Die Trocknung verläuft in zwei Stufen. Der erste Schritt ist das Wegschlagen der dünnflüssigen Öle in die Poren der Papieroberfläche. Dieser Vorgang beginnt im ersten Moment des Kontaktes zwischen Farbe und Papier und ist nach wenigen Minuten abgeschlossen – hierdurch erfährt der Druckfarbenfilm eine erste Verfestigung. Der zweite Schritt der Trocknung im Bogenoffset ist die oxidative Vernetzung von pflanzlichen Ölen. Unter der Einwirkung von Luftsauerstoff tritt eine Vernetzung der Pflanzenöl-Moleküle ein und aus den flüssigen Ölen wird ein vernetztes Polymer, das dem Druckfarbenfilm Glanz und Härte verleiht. Dieser Vorgang verläuft langsamer und benötigt bis zur vollständigen Durchreaktion einige Stunden bis wenige Tage und er bringt es mit sich, dass ein im Bogenoffset hergestellter Druckfarbenfilm seine endgültige Struktur erst nach Stunden erreicht. Durch die dabei ablaufenden Veränderungen der Schichtdicke, der Pigmentbenetzung und der Zusammensetzung des Farbfilms kann sich eine Veränderung des Farbtons ergeben. Ein frisch aus der Druckmaschine genommener Bogen wird somit einen etwas anderen Farbton zeigen, als der durchgetrocknete Bogen am nächsten Tag. Zur Beherrschung solcher Effekte warten erfahrene Koloristen bei empfindlichen Farbtönen die Trocknung ab, bevor sie den Farbton bewerten. Arbeitet man mit einem anerkannten Schmuckfarben-System, für das im Offset gedruckte Farbfächer vorhanden sind, so kann man davon ausgehen, dass sich der frische Druck beim Trocknen an das Muster im Fächer annähert. Bestehen Zweifel, so erzielt man Sicherheit durch einen Vorversuch mit Auflagenpapier und -farbe.

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