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Deutschlands große Rollenoffset-Druckereien drucken so viel wie nie zuvor

EWA legt Auslastungszahlen für 2014 vor
 
Johannes Helmberger

Druckunternehmer Johannes Helmberger vor seiner 96-Seiten-Rollenoffsetmaschine (Bild: Fr. Ant. Niedermayr).

In Deutschlands großen Rollenoffsetdruckereien sei von einer "Printkrise" wenig zu spüren, teilte jetzt die European Web Association (EWA) mit, die die Interessen eines großen Teils der Rotationsdrucker aus dem deutschsprachigen Raum vertritt. Das Druckvolumen (Papiertonnage) hat in den EWA-Druckereien im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent zugelegt. Vor allem das Geschäft mit Werbebeilagen sorge weiterhin für ein Mengenwachstum in diesen Betrieben.

In der Pressemitteilung heißt es, bezogen auf die "Normalkapazität" (5 Tage-Woche, 3-Schicht-Betrieb) seien die Druckbetriebe 2014 voll ausgelastet gewesen. Dies gehe aus einer Analyse der Unternehmensberatung Michael Dömer hervor, die im Auftrag der EWA erstellt wurde.

Die aktuell 33 Unternehmer und Geschäftsführer, die im Rahmen der EWA aktiv sind, repräsentieren nach eigenen Angaben zusammen 67 Unternehmen mit über vier Mrd. Euro Jahresumsatz. Deren Maschinenkapazität stehe für rund 80 Prozent der Branche in den deutschsprachigen Ländern.

Die "Standbeine" dieser Druckunternehmen sind neben den Werbebeilagen vor allem Zeitschriften und Kataloge. Das Druckvolumen der ausgewerteten EWA-Mitgliedsfirmen ist – umgerechnet auf die Anzahl produzierter 16-Seiter – von 2008 bis 2014 nahezu kontinuierlich gestiegen: von 52,1 Mrd. 16-Seitern auf 65,1 Mrd. im vergangenen Jahr. Dies ist ein Plus von 25 Prozent. Die Anzahl der gerüsteten Druckformen (ebenfalls umgerechnet auf die Basis 16-Seiter) stieg von 339.938 auf 419.237 – und damit um 23 %. Die durchschnittliche Auflage der Druckaufträge lag zwischen 2008 und 2014 stabil im Korridor zwischen 153.000 und 165.000 Exemplaren.

Selbst die in den Offsetdruckereien eingesetzte Papiermenge legte innerhalb dieses 6-Jahres-Zeitraums um 20 % auf zuletzt 2,211 Mio. Tonnen zu. Die Differenz zu den vorgenannten Prozentwerten ist auch eine Folge des immer umweltfreundlicheren Druckvorgangs: Dank moderner Maschinenregeltechnik konnte laut EWA die Ausschussquote im Rollenoffsetdruck (Einrichte- und Fortdruck-Makulatur) in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden.

An der jährlichen Untersuchung zur Auslastung der Branche nahmen dieses Mal 32 Unternehmen bzw. Unternehmensgruppen mit 182 Rollenoffsetmaschinen teil. Mit 6.371 gemeldeten Auslastungsstunden waren die Druckmaschinen im Jahr 2014 – bezogen auf die "Normalkapazität" – zu 105,9 % ausgelastet. Unter Normalkapazität ist die 5-Tage-Woche mit 3-Schicht-Betrieb zu verstehen. Nimmt man die maximal mögliche Laufzeit (Rund-um-die-Uhr-Betrieb an 365 Tagen pro Jahr) als Referenz, dann liegt die Auslastungsquote bei 72,7 %.

Diese Werte setzen einen Trend der vergangenen Jahre fort, als die Auslastung der Rollenoffsetmaschinen stets über dem Normalkapazitätswert lag. Die 105,9 % bedeuten jeweils ein Plus gegenüber den Werten der beiden Vorjahre (105,2/104,4).

Nach Ansicht des Unternehmensberaters Michael Dömer ist mit diesen Zahlen "die These enormer Überkapazitäten falsifiziert". Der Druckunternehmer Johannes Helmberger, Geschäftsführer der Fr. Ant. Niedermayr GmbH & Co. KG (Regensburg) und EWA-Mitglied, meint, die Frage Print oder Nonprint habe sich überholt. Es gehe nur darum wieviel Print für den individuellen Kommunikationsbedarf sinnvoll sei.

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Leserkommentare (2)

Elmi | Mittwoch, 17. Juni 2015 14:26:03

Artikel

Sehr geehrte Damen und Herren, das sieht man wieder das Unternehmensberater mal in einer Rollenoffsetdruckerei arbeiten sollten, bevor man solche Artikel schreibt die bei weitem nicht der Realität entsprechen. Ich frage mich nur wenn es allen so gut geht und so viel Arbeit da ist, warum so viele Druckereien und Papierfabriken stillgelegt werden. Also mir ist keine Rollenoffsetdruckerei bekannt in Deutschland der es gut geht.
Gruß Elmi

HardyZ | Sonntag, 31. Mai 2015 11:16:02

Auslastung ist gut...

Eine gute Auslastung ist schön und gut. Doch würde es mich interessieren, wie sich die Erträge in der Branche in den letzten Jahren entwickelt haben...
Ich vermute, dass jeder Heatsetdrucker damals mit Magazinen und kleineren Auflagen mehr Profit erwirtschaften konnte, als heute in dem Massengeschäft mit "Fresszetteln".
Zudem muss man, um Konkurrenzfähig zu bleiben, stets im größeren Rahmen, investieren.
Dies zeigt doch der Run auf die Lithoman 96S.
Entweder mitmachen... oder raus!
Dies widerum erhöht aber die Aggressivität bei der Gewinnung von Neuaufträgen - eine Lithoman 96S MUSS gefüttert werden. Fast schon um jeden Preis...
Diese Entwicklung ist besorgniserregend, da bei diesen irren Preiskämpfen vieles auf der Strecke bleibt. Früher war Drucker ein angesehener, guter Beruf - heute ist man froh, wenn man mit diesem Lohn noch halbwegs über die Runden kommt. Die Zulieferer werden extrem unter Preisdruck gesetzt... Mit Leben und Leben lassen, hat diese (grafische) Welt nichts mehr zu tun. Bis die Blase platzt!

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