Große Herausforderungen bewältigt man am besten gemeinsam – findet Print.com
von Redaktion,
René de Heij, Managing Director von Print.com, begrüßt gerne Gäste im Produktionsstandort Westerbroek. Dafür gibt es eigens Tourstationen wie diese.
Die Idee ist eigentlich nicht neu: Wenn man als Druckdienstleister oder Werbetechniker etwas nicht wirtschaftlich selber machen kann, beauftragt man einen Kollegenbetrieb. Am besten jemanden, den man lange kennt und dem man vertraut. Doch häufig reicht das nicht: Partner geben auf, können nicht flexibel genug reagieren oder es fehlt ihnen die notwendige Technik. Schließlich verändert sich die Druckbranche rasant – und da mitzuhalten ist gerade für kleinere Unternehmen oft schwer. Das betrifft auch die eigene Vermarktung, die entsprechende Ressourcen benötigt.
An diese Unternehmen wendet sich das B2B-Portal Print.com, gegründet 2017 von dem Niederländer Marco Aarnink. Seine Idee: Partner zusammenbringen, um unter einem Dach die ganze Welt des Drucks für die Kunden in einem Shop verfügbar zu machen. Grafische Palette hat mit René de Heij über das Geschäftsmodell von Print.com gesprochen. Er ist seit November 2024 Managing Director von Print.com und hat die operative Verantwortung über alle Print.com-Standorte und deren Produktion.
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Grafische Palette: Produktion? Also ist Print.com kein reiner Vermittler?
René de Heij: Nicht mehr. Zu Beginn waren wir kein Produktionsbetrieb, aber wir haben schon früh gemerkt, dass wir manche Kundenaufträge selber machen müssen. Das gilt vor allem für die kleinen Auflagen von 1 bis 10.000 Stück, die 40 bis 50 Prozent der Kundenanfragen ausmachen. Alles darüber hinaus machen wir mit Partnern. Es gibt zudem unzählige Produkte und Varianten. Manche Druckereien sind stark in hohen Auflagen, andere in niedrigen – und das wird sich künftig noch stärker differenzieren. Wir konzentrieren uns auf bestimmte Volumenprodukte, investieren aber nicht in jede einzelne Maschine. Stattdessen kooperieren wir mit spezialisierten Partnern, die bestimmte Anwendungen besonders gut beherrschen. 2019 haben wir mit der Übernahme von Brezo einen eigenen Betrieb für Werbemittel integriert. Letzte Erweiterung war die Übernahme von Simian in Westerbroek bei Groningen Anfang 2025, mit der wir unsere Produktionsfläche um 23.000 Quadratmeter erweitert und damit fast verdoppelt haben. Dort wurde inzwischen auch unsere gesamte Produktion hinverlegt.
In den Produktionshallen in Westerbroek findet sich nicht nur eindrucksvolle Drucktechnik wie etwa eine Landa, sondern auch die komplette Weiterverarbeitung inklusive eines vollautomatischen Verpackungssystems von Kern.
Grafische Palette: Aber es gibt doch sehr viele Betriebe, die auf kleine Auflagen spezialisiert sind?
René de Heij: Nach unserer Erfahrung verstehen wir das Business besser. Man darf nie mit den Lösungen der letzten fünf Jahre arbeiten, dafür verändern sich die Anforderungen viel zu schnell. Letztlich profitieren unsere Partner im Netzwerk davon, denn wir sind in der Lage, Investitionen in neueste Technik zu tätigen, Trends zu analysieren und neueste Software-Lösungen zu etablieren. Viele kleinere Unternehmen sind von den Ressourcen her dazu nicht in der Lage. Über Print.com haben sie Zugang dazu. Wir möchten mit unseren Partnern dauerhaft kooperieren und ihnen die Möglichkeit bieten, ihr eigenes Business zu entwickeln.
Grafische Palette: Wie kann so etwas beispielhaft aussehen?
René de Heij: Wir verwenden da-für gerne den Begriff „Co-Creation“. Die Partner innerhalb von Print.com sollen in dieser Umgebung frei arbeiten können. Hat jemand ein tolles Produkt entwickelt oder einen Auftrag, der komplexe Prozesse beinhaltet, so kann er hier Unterstützung finden für wichtige Dienstleistungen, die er selbst nicht erbringen kann. Das umfasst die Entwicklung und Vermarktung der eigenen Marke, den Betrieb eines Online-Shops sowie Fulfillment und pünktliche Lieferung – einschließlich innovativer KI-Anwendungen, die beispielsweise klassische Produktselektoren ab-lösen können. Das alles benötigt hochgradiges IT-Know-how. Hinzu kommt die größere Flexibilität, um Anforderungen erfüllen zu können.
Das auf Textildruck und Werbemittel spezialisierte Unternehmen Brezo in Kampen gehört bereits seit 2019 zu Print.com. Im Bild, von links: Sales Manager Rémon Kortman, Sonja Rodriguez (Campaign Engineer), Matthias Siegel (Grafische Palette) und Maren Werner (Captain Germany).
Grafische Palette: Das alles stellen Sie Ihren Partnern einfach so zur Verfügung?
René de Heij: Das ist in der Tat etwas, das wir anders machen. Wir möchten alle diese Betriebe gerne auf unserer Plattform haben. Natürlich verdienen wir daran auch, aber dahinter steht die Begeisterung von Marco Aarnink für Ge-drucktes und die Druckbranche insgesamt sowie die Idee, diese zu unterstützen. Bereits 2018 ging unsere geschlossene Web-App live, mit der man blitzschnell Druckerzeugnisse, Schilder und Werbetechnik bestellen kann. Seitdem sind wir permanent gewachsen und das natürlich, weil wir unseren Partnern einen echten Mehrwert bieten.
Frisch aus dem Siebdruck: Tragetaschen für ein Event.Mit Folie lassen sich runde Behälter personalisieren.
Grafische Palette: Sie sagten vorhin, das Print.com die Prozesse besser versteht. Können Sie das anhand ihrer eigenen Produktion verdeutlichen?
René de Heij: Mit einem Satz: Nicht nur am Ball bleiben, sondern voraussehen, wo er landen wird. Es wird sich sehr, sehr viel verändern – und das erfordert, weiterhin hochinnovativ zu sein. So werden vermutlich die gängigen Webseiten mit Webshops verschwinden und durch KI-Anwendungen ersetzt werden. Unsere IT-Profis – und ich rate jedem Unternehmen, nur mit Profis zu arbeiten – sind damit beschäftigt, die Konfiguration komplexer Produkte per KI zu ermöglichen. Das erlaubt eine viel größere Bandbreite an Produkten. Aber über dieses Beispiel hinaus gibt es auch viele weitere Faktoren, die nicht in erster Linie mit Technik zu tun haben, sondern damit, wie man agiert. Zum Beispiel gegenüber Kunden, die im letzten Moment noch etwas bestellen oder ändern wollen. Diesen Kunden fehlt manchmal das Wissen über bestimmte Produktionsprozesse. Hier ist auch der Vertrieb gefragt: Zuhören, was benötigt wird und gemeinsam mit dem Kunden eine Lösung finden, die ihn erfolgreich macht. Das ist entscheidend. In diesem Sinne wollen wir auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inspirieren und künftige Profis für uns gewinnen. Das geht nur, wenn man auf die Bedürfnisse der Menschen nach Flexibilität eingeht und ihnen Herausforderungen bietet, an denen sie wachsen können.