Barrierepapiere gewinnen an Bedeutung in flexiblen Verpackungen
von Redaktion,
Papier statt Kunststoff: Markenhersteller setzen zunehmend auf recyclingfähige Verpackungen.(Bild: Sappi)
Immer mehr Markenhersteller suchen nach Alternativen zu Kunststoffverpackungen. Barrierepapiere gelten als ein möglicher Weg, um Produktschutz, Recyclingfähigkeit und bestehende Produktionsprozesse miteinander zu verbinden. Der Artikel zeigt, warum papierbasierte Lösungen an Bedeutung gewinnen und welche Anforderungen sie erfüllen müssen.
Der Markt für flexible Verpackungen befindet sich im Wandel. Strengere gesetzliche Vorgaben, Erwartungen des Handels und ein wachsendes Umweltbewusstsein bei Verbrauchern führen dazu, dass Markenhersteller ihre Verpackungen neu bewerten. Gefragt sind Materialien, die sich recyceln lassen, gleichzeitig Produkte zuverlässig schützen und sich ohne große Umstellungen verarbeiten lassen.
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Barrierepapiere rücken dabei zunehmend in den Fokus. Sie bestehen aus einem Material, sind für den Altpapierkreislauf ausgelegt und können dennoch Schutzfunktionen übernehmen, die bislang vor allem Kunststofffolien vorbehalten waren. Dazu zählen Barrieren gegen Feuchtigkeit, Sauerstoff, Fett oder Mineralöl – je nach Anwendung.
„Das Interesse ist in den letzten Jahren rasant gestiegen“, sagt Gustavo Duarte, Head of Business Development bei Sappi Europe. „Markenartikel-Hersteller suchen nach Lösungen, die ihre Probleme tatsächlich lösen und nicht nur Ideen, die in der Theorie gut klingen. Sie wollen eine Alternative zu Kunststoff, die sich in ihre bestehende Produktionsumgebung integrieren lässt.“
Bei der Entscheidung für neue Verpackungsmaterialien spielen drei Faktoren eine zentrale Rolle. An erster Stelle steht der Produktschutz. Unterschiedliche Produkte wie Müsli, Schokolade oder Trockenfrüchte stellen sehr verschiedene Anforderungen an das Material. „Die Haltbarkeit darf unter keinen Umständen beeinträchtigt werden“, betont Duarte. „Wenn die Barriere versagt, ist das Produkt gefährdet.“
Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Verarbeitbarkeit auf bestehenden Verpackungsmaschinen. Viele Anlagen sind auf Kunststofffolien ausgelegt. Papier reagiert sensibler auf Spannung, Hitze und Druck. „Papier erfordert eine andere Sorgfalt und Aufmerksamkeit“, erklärt Alexander Schröder, Product Application Leader bei Sappi. „Das bedeutet aber nicht, dass Kunden eine neue Anlagen benötigen. Oftmals geht es nur um eine Feinabstimmungen.“
Der dritte Faktor ist die Recyclingfähigkeit. Viele flexible Kunststoffverpackungen lassen sich nur schwer sortieren und landen im Restmüll. Barrierepapiere können dagegen über die Papiertonne entsorgt werden. „Wenn ein Material dem Papierrecyclingkreislauf zugeführt werden kann, verändert dies alles“, sagt Duarte. „Es erleichtert den Verbrauchern den Einkauf. Es hilft dem Einzelhandel. Und es bereitet Markenartikel-Hersteller auf zukünftige gesetzliche Vorgaben vor.“
Neben technischen Anforderungen spielen auch regulatorische Vorgaben eine Rolle. Für Lebensmittelverpackungen müssen alle eingesetzten Materialien für den direkten Kontakt zugelassen sein. Zusätzlich steigen die Anforderungen an die Recyclingfähigkeit durch kommende europäische Regelungen wie die PPWR. Interne und externe Tests sollen sicherstellen, dass Materialien auch künftige Anforderungen erfüllen.
Ein weiterer Aspekt ist die Herkunft der Rohstoffe. Rückverfolgbarkeit und kurze Lieferketten gewinnen an Bedeutung, da viele Unternehmen ihre Lieferketten zunehmend dokumentieren müssen. Zertifizierte Forstwirtschaft ist dabei für viele Marken ein wichtiges Kriterium.
Auch wirtschaftlich lohnt sich ein genauer Blick. Zwar sind Barrierepapiere nicht in jedem Fall günstiger als Kunststoff, doch Materialkosten allein greifen oft zu kurz. Entsorgungsgebühren, mögliche Förderungen und regulatorische Kosten können das Gesamtbild deutlich verändern.
Der Einsatz von Barrierepapieren wird daher in vielen Anwendungen als realistischer nächster Schritt gesehen. Der Umstieg erfolgt meist schrittweise, abhängig vom Produkt und von den bestehenden Prozessen. Klar ist jedoch: Der Wunsch nach recyclingfähigen Verpackungen wächst – und damit auch das Interesse an papierbasierten Lösungen für flexible Verpackungen.