Nachhaltigkeit in der Teppichproduktion

Recycelbare Teppiche könnten die Bodenbelagsbranche verändern

Wie recycelbare Teppiche die Bodenbelagsbranche verändern könnten(Bild: Clariant)

Die meisten Teppiche landen noch immer auf Deponien oder werden verbrannt. Neue Materialien und Bauweisen könnten das ändern – und die Branche vor große Herausforderungen und Chancen stellen.

Jedes Jahr fallen in Europa rund 1,6 Millionen Tonnen Teppichabfälle an, in Deutschland sind es etwa 400.000 Tonnen. Der Großteil wird verbrannt oder auf Deponien entsorgt. In den USA sieht es ähnlich aus: Von 1,8 Millionen Tonnen Abfall werden nur 5 Prozent recycelt, 6 Prozent energetisch verwertet, der Rest landet auf Deponien. Die niedrigen Recyclingquoten zeigen, dass die Teppichindustrie hier großes Potenzial für Verbesserungen hat.

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Technisch sind die meisten Teppichfasern recycelbar. Problematisch war bislang die Bauweise: Latex-basierte Rückenbeschichtungen verbinden Florfasern und Rücken zu einem untrennbaren Verbund. Das sorgt für stabile Teppiche im Gebrauch, verhindert aber ein Recycling.

Die Branche steht nun unter Druck. Europäische Regeln zur erweiterten Herstellerverantwortung verlangen bis 2025 die getrennte Sammlung von Textilabfällen. Gleichzeitig achten Verbraucher und Bauträger zunehmend auf CO₂-Fußabdruck und Recyclingfähigkeit von Bodenbelägen.

Trotz des Wachstums von Hartböden wie Vinylfliesen bleiben Teppiche in Wohn- und Gewerberäumen wichtig. Sie werden wegen ihres Komforts, der Wärme und der Akustik geschätzt. Gerade Teppichfliesen sind in Büros und öffentlichen Gebäuden stark verbreitet.

Neue Materialien und Produktionsverfahren bieten Lösungen. Heißschmelz-Beschichtungen verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Energie als Latex und erzeugen kein Abwasser, weil Trocknungs- und Vulkanisationsprozesse entfallen. Mono-Material-Teppiche aus PP oder PET lassen sich einfacher wiederverwerten, zum Beispiel zu Abfallbehältern oder Blumentöpfen. PET-Material kann sogar chemisch aufbereitet und wieder zu Neumaterial verarbeitet werden.

Auch im Sport- und Spezialbereich wie Kunstrasen oder Luftfahrt gibt es Fortschritte. Polypropylen- oder Polyolefin-Beschichtungen lassen sich vollständig recyceln und erfüllen gleichzeitig Stabilitäts- und Sicherheitsanforderungen.

Ein großes Hindernis bleibt die Sammlung und Sortierung der Teppiche am Ende ihres Lebenszyklus. Hier sind effizientere Systeme nötig, um den Übergang zu einer echten Kreislaufwirtschaft zu schaffen.

Die Entwicklungen zeigen: Teppiche müssen nicht länger als Abfallproblem gesehen werden. Mit neuen Materialien und Konzepten kann die Branche nachhaltig produzieren und gleichzeitig ihre Marktposition sichern.