Die Canon varioPRESS IV7 steht seit Januar 2026 für Kundenvorführungen im Canon Customer Experience Centre in Venlo (Niederlande) bereit und ist ab dem zweiten Quartal 2026 serienmäßig verfügbar. (Bild: Canon)
Projekte scheitern selten an der Technologie selbst, sondern an den Prozessen. Am Beispiel des B2-Formats wird deutlich, wie wichtig Erfahrung, Integration und Anwendungskompetenz im digitalen Produktionsdruck sind. Was die Canon varioPRESS iV7 darüber verrät – und wie Investitionssicherheit entsteht, erläutern Xander Groenewegen und Michael Stock von Canon Deutschland.
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Der digitale Produktionsdruck befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Sinkende Auflagen, steigende Variantenvielfalt und immer kürzere Durchlaufzeiten verändern nicht nur Produktionsprozesse, sondern auch die Logik von Investitionsentscheidungen. Dennoch wird Digitaldruck vielerorts weiterhin als Produktgeschäft verstanden: Systeme werden verglichen, Leistungsdaten in den Vordergrund gestellt, Markteinführungen medial fokussiert.
Die beiden Autoren: Xander Groenewegen (links), Head of Digital Printing & Solutions bei Canon, Michael Stock arbeitet als Consultancy Senior Manager Production Professional Services, IPSG Integrated Printing & Services Group. (Bild: Canon)
Diese Sicht greift zu kurz und wird der Realität moderner Produktionsumgebungen nicht gerecht. Denn Investitionssicherheit im digitalen Produktionsdruck entsteht heute nicht primär durch einzelne technologische Merkmale, sondern durch die Frage, wie zuverlässig sich Technologien in bestehende Prozesse integrieren, im Alltag betreiben und langfristig weiterentwickeln lassen. Viele Druckbetriebe stehen heute genau an diesem Punkt: Sie investieren nicht mehr in Technik, sondern in Produktionssicherheit.
Warum Produktvergleiche keine Investitionssicherheit mehr schaffen
Aus strategischer Sicht zeigt sich deutlich: Digitale Produktionssysteme sind keine isolierten Investitionsgüter mehr. Sie greifen tief in bestehende Abläufe ein – von der Auftragsannahme über Workflow und Datenhandling bis hin zur Weiterverarbeitung und zum Service. Damit betreffen sie Organisation, Qualifikation der Mitarbeitenden und die Fähigkeit eines Unternehmens, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren. In dieser Realität verliert der klassische Produktvergleich an Aussagekraft. Entscheidend ist nicht nur, ob ein System bestimmte Leistungswerte erreicht, sondern auch, unter welchen Bedingungen es diese dauerhaft, stabil und wirtschaftlich erbringen kann. Investitionssicherheit wird damit zur Frage von Umsetzung, Skalierbarkeit und Verantwortung. Genau hier zeigt sich eine zentrale Fehlannahme im Markt: Der Markt hat sich weiterentwickelt – das Denken vieler Anbieter noch nicht.
Digitale Druckprojekte scheitern selten an der Technologie
Diese Verschiebung wird besonders dort sichtbar, wo Digitaldruck zunehmend industrielle Maßstäbe erreicht, etwa im B2-Format, das für viele Druckbetriebe als nächster Entwicklungsschritt gilt. In der Einführung digitaler Produktionssysteme zeigt sich immer wieder: Projekte scheitern selten an der Technologie selbst. Sie scheitern an Prozessen, an unklaren Verantwortlichkeiten, an fehlender Integration in bestehende Workflows oder an einer Unterschätzung des Veränderungsaufwands im Betrieb.
Digitale B2-Systeme bewegen sich heute in einem industriellen Umfeld. Dort reicht es nicht aus, einzelne Jobs effizient zu produzieren. Gefordert sind stabile Produktionsketten, die über längere Zeiträume hinweg hohe Volumina tragen. Systeme wie die neu eingeführte varioPRESS iV7 sind darauf ausgelegt, auch bei Leistungen von bis zu 8.700 B2-Bogen pro Stunde zuverlässig, reproduzierbar und wirtschaftlich zu arbeiten. Über Effizienz und Skalierbarkeit hinaus erweitert der digitale Produktionsdruck die kommerziellen Gestaltungsmöglichkeiten von Druckbetrieben. Digitale B2-Systeme ermöglichen variable Inhalte, individualisierte Anwendungen und innovative Use Cases, die mit klassischen Offsetverfahren wirtschaftlich nicht realisierbar sind. Damit schaffen sie differenzierte Angebote und eröffnen zusätzliche Geschäftsmodelle.
Diese Leistungsfähigkeit ist jedoch nur dann wirtschaftlich nutzbar, wenn Prozesse, Automatisierungsgrad und Organisation darauf abgestimmt sind. Technologie ohne Umsetzungskompetenz bleibt theoretisch. Nicht jeder, der Inkjet anbietet, kann Transformation begleiten. Damit verändert sich auch die Rolle der Anbieter. Technologische Kompetenz bleibt Voraussetzung, ist aber längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Nicht jeder Anbieter, der Inkjet-Technologie liefert, ist in der Lage, digitale Transformation im Produktionsalltag zu begleiten.
Differenzierung entsteht dort, wo Anbieter bereit sind, Verantwortung über den Verkaufszeitpunkt hinaus zu übernehmen. Dazu gehört ein strukturierter Ansatz für Einführung, Training und Produktionsbegleitung ebenso wie die Fähigkeit, Systeme kontinuierlich an veränderte Anforderungen anzupassen. Ein ISO-zertifizierter Solution-Delivery-Prozess ist in diesem Kontext kein formales Qualitätsmerkmal, sondern Ausdruck eines Anspruchs: digitale Produktionssysteme gemeinsam mit den Kunden produktiv und stabil im Betrieb zu verankern – nicht nur zum Start, sondern über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Warum digitale Produktivität nur im Ökosystem entsteht
Mit wachsender Komplexität steigt zudem die Bedeutung offener Ökosysteme. Der wirtschaftliche Nutzen digitaler Produktionssysteme entsteht erst im Zusammenspiel von Hardware, Software, Workflow und Weiterverarbeitung. Workflow-Plattformen wie PRISMA, die sich in bestehende IT- und MIS-Strukturen integrieren lassen, sind deshalb keine Zusatzoption, sondern Voraussetzung für Skalierbarkeit. Gleiches gilt für die Weiterverarbeitung: Insbesondere im B2-Digitaldruck entscheidet das Finishing über die Rentabilität vieler Anwendungen. Offene Architekturen und etablierte Partnerstrukturen ermöglichen es Druckbetrieben, Produktionslinien flexibel weiterzuentwickeln, statt sich in geschlossenen Systemlogiken festzulegen.
Technologie, die aus Produktionsrealität entsteht
Vor diesem Hintergrund entstehen neue Systemgenerationen nicht aus isolierter Produktentwicklung, sondern aus der Verbindung von technologischer Erfahrung, Prozessverständnis und Praxisnähe. Plattformen wie die neue varioPRESS iV7 zeigen, wie sich diese Haltung technisch manifestiert: nicht als Einzelprodukt, sondern als integrierter Bestandteil einer Produktionslogik.
Die Vorstellung auf der Drupa 2024 und die geplanten ersten Installationen ab 2026 unterstreichen, dass solche Systeme nicht auf kurzfristige Markteffekte zielen, sondern auf langfristige Investitionssicherheit. Entscheidend ist dabei weniger das einzelne Leistungsmerkmal als die Fähigkeit, Produktivität, Workflow, Service und Weiterverarbeitung zu einem stabilen Gesamtsystem zu verbinden.
Investitionssicherheit ist kein Feature – sondern Verantwortung
Der digitale Produktionsdruck verlangt ein neues Verständnis von Verantwortung. Investitionssicherheit entsteht dort, wo Anbieter ihre Rolle neu definieren: weg vom reinen Produktverkauf, hin zur partnerschaftlichen Begleitung über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Digitaldruck zu verkaufen, erzeugt Aufmerksamkeit. Verantwortung dafür zu übernehmen, schafft Vertrauen. Wer digitale Produktionssysteme aber weiterhin lediglich als Produktentscheidung behandelt, verlagert die damit verbundenen Risiken in den Betrieb – und verliert dort Zeit, Geld und Vertrauen. Oder anders gesagt: Investitionssicherheit ist kein Leistungsmerkmal. Sie ist das Ergebnis von Verantwortung.