Knapp 300 Besucherinnen und Besucher kamen zum European Printing Summit 2026

Volles Haus im Signal Iduna Park

Spannende Vorträge und Panels: Die knapp 300 Teilnehmenden erhielten aktuelle Marktdaten zur Druckindustrie, Insiderblicke in die Benelux-Länder, einen Live-Podcast und vieles mehr. Sie erlebten Experten, die offen aus ihrer täglichen Praxis berichteten, und hörten die Einschätzungen der Zulieferindustrie. (Bild: print.de)

Knapp 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, zwei parallele Bühnen, 20 Partner und eine Kulisse, die man so schnell nicht vergisst: Der European Printing Summit (EPS) hat am 29. und 30. September den Signal Iduna Park in Dortmund zum Treffpunkt der Druck- und Verpackungsbranche gemacht. Die Veranstalter Deutscher Drucker, print.de, Grafische Palette, VerpackungsDruck & Converting und Etiketten-Labels stellten ein interaktives Programm auf die Beine.

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Der Auftakt hätte kaum stimmungsvoller sein können. Beim Kollegenabend „Print & Connect“ führte die Stadiontour durch Spielerkabine und Spielertunnel bis an den Rasen. Danach gehörte der Abend bei Essen und Drinks ganz den Gesprächen. Genau hier zeigte sich, was den EPS ausmacht: Publikationsdrucker kamen mit Verpackungs- und Etikettendruckern ins Gespräch, Druckereichefs mit Printbuyern, die sich sonst eher selten über den Weg laufen. Mehrere Teilnehmer hoben in den Social Media hervor, wie viele spannende Gespräche und neue Kontakte der Netzwerkabend ermöglicht habe.

Premiere mit zwei Bühnen

Am Kongresstag lief das Programm erstmals auf zwei parallelen Bühnen, eine für den Publikationsdruck, eine für Verpackungs- und Etikettendruck. Die Idee dahinter: Jede Sparte bekommt ihr eigenes Fachprogramm, und trotzdem treffen sich beide Welten. Wer wollte, wechselte zwischendurch die Bühne. Kaffee- und Mittagspausen, Ausstellung, Showroom und Masterclasses waren für alle gemeinsam angelegt, und so wurde in den Pausen quer über die Spartengrenzen gefachsimpelt. Der Blick über den Tellerrand lohnte sich, denn vieles verbindet: KI und Personalisierung etwa zogen sich durch beide Programme.

Tagesmoderator Bernhard Niemela eröffnete die Publikationsdruck-Bühne mit seiner Keynote zur Lage der Branche. Robotisierung und KI-gestützte Ressourcenplanung rücken als Investitionsfelder nach vorn, im Digitaldruck wachsen vor allem Displays und Textilien. Zugleich mahnte er: Die Öffentlichkeit verbindet Druck noch immer überwiegend mit Zeitungen, Zeitschriften und Büchern. Beim Branchenmarketing gibt es einiges aufzuholen. Zum Länderfokus Benelux sprach Ed Boogaard von De Grafische Vakpers. Sein Befund: Dort schreitet die Konsolidierung deutlich schneller voran als in Deutschland.

Dann wurde es praktisch. Christian Herr (Dataline) und Raul Heininger (The Postpress Alliance) machten im Gespräch mit Niemela an konkreten Beispielen klar, dass sich KI in der Software ebenso wie Automatisierung in der Weiterverarbeitung am Return on Investment messen lassen muss. Für Staunen sorgten Mark und Vinzenz Schmidt von MailingLiebe by Wirtz Druck: Ihr KI-Agent erstellte live per WhatsApp Mockups und Angebote für Mailingkampagnen, binnen weniger Minuten. Wie Hyperpersonalisierung die Buchproduktion verändern kann, erläuterte HdM-Studentin Annika Nürk im Interview mit Martina Reinhardt. Markus Roß und Tim Trautmann von Rossimedia zeigten, wie sich ihre Firmengruppe für komplexe Großformatprojekte aufgestellt hat, von der Ausstattung von Buchhandelsfilialen bis zur Beklebung von Baggern. Außerdem auf dem Programm: ein live aufgezeichneter Podcast mit Thomas Karcher und Veit Rudolph, Frank Siegel zur KI im Druckauftrag und Dr. Johannes Warther (Apenberg & Partner) zur Unternehmensnachfolge.

Vom Imker-Etikett zur intelligenten Verpackung

Nebenan, moderiert von Carolin Wacker, lieferte Lee Metters (Smithers) Marktdaten zum europäischen Verpackungsmarkt. Stephan Richter und Niklas Michel von Coppenrath & Wiese schilderten, was ein Markenartikler von Expanded Color Gamut im Flexodruck erwartet. Jan Hendrik Walfort und Norbert Krandick vom Mediahaus Ahaus stellten ihr breit gefächertes Geschäftsmodell vor, in dem das Portal Schachtel24.de zugleich „Vertriebsmitarbeiter“ und Trendbarometer ist. Stefan Mail von Mail Druck + Medien, Gewinner eines Druck&Medien Awards, sagte: „Wir konnten mit KI unser Auftragsvolumen mit der gleichen Anzahl von Beschäftigten verzehnfachen.“

Ingo Retzmann (Xerox Team Jansen) erzählte, wie ein Web-to-Print-Angebot für 134.000 Imker sein Unternehmen zum digitalen Verpackungsdruck führte, dazu kam ein Henkel-Projekt mit variablen Etikettendaten. Wolfgang Mildner (MSWtech) sieht in gedruckter Elektronik die Chance auf autonome Verpackungen. Im Automobilbau sei die Technik gesetzt, in der Verpackung liege noch viel Potenzial. Vater und Sohn Mark und Sebastian-Philip Bracht von Digikett sprachen über recycelfähige, silikonisierte Papierlösungen für Etiketten. Wie weit Personalisierung reicht, machte Florian Meier (flomei.de) an einer Maggi-Flasche mit eigenem Namen fest. Preis: 7 Euro. Prof. Dr. Volker Jansen (HdM Stuttgart) erklärte, warum Verbundfolien aus dem Supermarkt Lebensmittel zwar zuverlässig schützen, sich aber kaum recyceln lassen. Zum Schluss zeichnete Frank Plechschmidt so locker wie humorvoll den Weg der Labelisten aus Bayern nach, die heute unter anderem mit drei HP-Digitaldruckmaschinen produzieren.

Masterclasses und Showroom

Zwischen den Keynotes und Bühnentalks in den Pausen vertieften Masterclasses die Themen, unter anderem mit Dataline, Kyocera, CloudLab, Obility, Digikett, Hybrid Software, Xerox Team Jansen sowie TCL-Solutions gemeinsam mit IPM Müller & Resing. Im Showroom zeigten Finalisten und Gewinner der Druck&Medien Awards ihre Printprodukte, die Partner präsentierten sich in der Ausstellung. Der Verband Druck und Medien Nord-West freute sich über Speaker aus mehreren Mitgliedsunternehmen. Und auch in den Niederlanden hallt der Tag nach: De Grafische Vakpers widmete dem EPS ein Thema ihres Podcasts „Radio Grafisch“.

„Ich freue mich schon sehr auf den European Printing Summit 2027! Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich auch nächstes Jahr wieder auf ein fulminantes Programm mit zahlreichen Networkingmöglichkeiten freuen“, kündigt Bernhard Niemela an.